Nach Bombenfund im Sommer: Kiga-Gelände noch immer gesperrt - Eltern fühlen sich von Stadt im Stich gelassen

Auf dem Grundstück der Kindertagesstätte in der Schafweidsiedlung in Göggingen buddelten im vergangenen August Kiga-Kinder Teile einer Brandstabbombe aus. Ein Teil des Gartens ist bis heute gesperrt – ob aufgrund der unklaren Ergebnisse des Gutachtens über Kampfmittel oder wegen der angeblich erheblich überschrittenen Grenzwerte des schadstoffbelasteten Bodens, wissen die Eltern nicht. Sie fühlen sich von der Stadt alleine gelassen. (Foto: AWO Schwaben)
Der Elternbeirat des AWO-Kinderhauses in Göggingen ist derzeit ziemlich verstimmt. Grund für die Verärgerung: Auf dem Grundstück einer Kindertagesstätte in der Schafweidsiedlung wurden im vergangenen August von Kiga-Kindern Teile einer Brandstabbombe aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ausgebuddelt. Die Kita am Waldmeisterweg wurde in der Folge vorläufig geschlossen. Was die Eltern ärgert: Bis heute sind Teile des Geländes abgesperrt.

Die Stadt Augsburg als Grundstückseigentümer veranlasste nach dem Fund Bodenuntersuchungen, um eine Gefährdung ausschließen zu können. Der Kindergarten wurde danach zwar wieder geöffnet, das Teilstück im Garten ist aber immer noch gesperrt. Bisher wurden auch auf Nachfragen des Elternbeirates des AWO-Kinderhauses und der AWO selbst keine ausreichenden Auskünfte erteilt. In einem offenen Brief moniert der Elternbeirat nun eben dieses „langsame Tempo“ und den fehlenden Informationsfluss. Der Garten sei seit August 2017 gesperrt und niemand wisse, ob dies aufgrund der unklaren Ergebnisse des Gutachtens über Kampfmittel oder wegen der angeblich erheblich überschrittenen Grenzwerte des schadstoffbelasteten Bodens sei – oder gar aus beiden Gründen.

Streit wegen Bombe und fragwürdiger Bodenwerte

Aufgrund dieser Sperrung seien die Kinder in ihrem Bewegungsspielraum gestört, klagen die Mütter und Väter in ihrem Schreiben und bitten darum, den Verlauf nochmals zu prüfen. Nach Aussagen von Siedlungsanwohnern wurde der Hügel im Kindergarten nicht mit Aushubmaterial aus dem Garten aufgeschüttet, sondern mit angeliefertem Material. „Aus diesem Grund bitten wir um eine sondierende Bodenuntersuchung des Hügels“, schreibt der Elternbeirat. Auch äußern die besorgten Eltern die Bitte, einen Terminplan mitgeteilt zu bekommen, „damit wir gemeinsam mit dem Kindergarten über mögliche Alternativen für die Kinder anstelle des Gartens beraten können“.
Ein Gespräch sei angeboten worden, sagt die Pressesprecherin der Stadt Augsburg, Elisabeth Rosenkranz.

Noch vor den Weihnachtsferien hätte die Kindertagesbetreuung der Stadt dem AWO-Bezirksverband Schwaben als Trägerin der Einrichtung wie auch dem Leiter der Kindertagesstätte einen Gesprächstermin vorgelegt. „Leider konnten beide den kurzfristig anberaumten Termin nicht wahrnehmen“, ist aus dem Bildungsreferat zu hören. Daher werde ein neuer Gesprächstermin vereinbart, sobald die Leiterin der Kindertagesbetreuung der Stadt in den Dienst zurückgekehrt ist.

Zwischenzeitlich seien hinsichtlich möglicher Gefährdungen für Menschen und Umwelt Untersuchungen durchgeführt worden. Der Gutachter, der mit der Kampfmittelbeurteilung befasst war, könne die Kampfmittelfreigabe aber erst erteilen, wenn die Verfüllungen abgetragen seien und eine Nachsondierung der Sohle abgeschlossen ist, erklärt Rosenkranz. Des Weiteren sei der Gutachter, der mit der Beurteilung der weiteren Bodenkontaminierungen befasst war, zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Gefährdung der Kinder diesbezüglich nicht ausgeschlossen werden könne.

Das wirkt sich auch auf den voraussichtlichen Kostenrahmen für Aushub und vor allem die Entsorgung des Materials aus. „Wie sich zeigt, liegen die Kosten dafür voraussichtlich im mittleren sechsstelligen Bereich“, heißt von der Stadt. Aufgrund der festgelegten Vorlaufzeiten, wie etwa Sitzungstermine der städtischen Gremien und Ausschreibungsfristen bezüglich Auftragsvergaben, könne die Umsetzung der Maßnahme voraussichtlich frühestens im Frühjahr erfolgen.

Zufrieden ist AWO-Präsidiumsvorsitzender Heinz Münzenrieder mit diesen Aussichten nicht. „Ich habe volles Verständnis für die Sorgen der Eltern“, sagt er. „Es nicht nachvollziehbar, wenn die Stadt als Grundstückseigentümerin seit August vorigen Jahres nicht in der Lage ist, einen Bodenaustausch vorzunehmen. Und wir wissen immer noch nicht, wie es weitergeht. Ob man bei einem städtischen Kiga auch so langatmig verfahren wäre?“
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