Sanierung der FOS/BOS Augsburg: "100 Millionen Euro für den alten Kasten?"

Im März dieses Jahres gingen die Schüler auf die Straße und demonstrierten für eine annehmbare Lernumgebung. (Foto: Laura Bongardt)
 
Das FOS/BOS/RWS-Gebäude ist im Eimer. (Foto: Laura Bongardt)

Undichtes Dach, mangelhafter Brandschutz, verbaute Schadstoffe: Das Gebäude, in dem Fachoberschule, Berufsoberschule und die Reischlesche Wirtschaftsschule untergebracht sind, hat sein Haltbarkeitsdatum deutlich überschritten. Eine Generalsanierung soll Abhilfe schaffen. Dafür hat sich jetzt der Bauausschuss ausgesprochen.

Im März dieses Jahres gingen die Schüler der FOS/BOS/RWS auf die Straße und demonstrierten für eine annehmbare Lernumgebung. Die Stadtverwaltung war da schon mitten drin im Abwägungsprozess: Neubau oder Sanierung?

Leicht konnte sich die Stadt diese Entscheidung nicht machen. Nachdem versucht wurde, den Brandschutz im Gebäude auf einen aktuellen Stand zu bringen, stellte sich ziemlich schnell die Erkenntnis ein: Mit Brandschutz allein ist es nicht getan.

Als Baureferent Gerd Merkle den Mitgliedern des Bauausschusses den Gebäudezustand schildert, erscheint es geradezu absurd, dass dort noch immer Schulbetrieb herrscht. "Infolge zahlreicher Wassereinbrüche hat sich die Substanz weiter verschlechtert; auch die Folgeschäden aus Bränden im Jahr 2017 haben dazu geführt, dass die Nutzbarkeit der Schule zwischenzeitlich massiv eingeschränkt ist", führt Merkle aus. Immerhin scheint mit Wetterschutzdächern und einer Abdichtung der Dachhülle das Regenwasserproblem vorerst im Griff zu sein - doch der Baureferent warnt. Mit extremeren Temperaturen könnten neue Risse kommen. Für eine schnelle Entlastung werden Container auf dem Schulgelände aufgebaut, die für zwölf Klassen Ausweichraum bieten. Das Provisorium soll "noch dieses Jahr stehen", verspricht Merkle.

Angesichts der desaströsen Bestandsaufnahme erscheint ein Neubau die sinnvollste Lösung. 109 Millionen Euro schätzt die Bauverwaltung, würde eine neue FOS/BOS/RWS kosten. Allerdings hat diese Variante einen Haken, sie lässt sich laut Verwaltung nicht realisieren.

Für das Gebäude brauche man ein Grundstück mit 20 000 Quadratmetern und das sei im Stadtbereich nicht zu finden, so Merkle. Gegen einen Bau außerhalb, also "auf der grünen Wiese", spreche, dass allein bis Baurecht bestehe, sicher zwei Jahre vergingen, schätzt der Baureferent.

Bleibt als Alternative nur die Generalsanierung. Hierfür setzt die Verwaltung Kosten von 88,4 Millionen Euro an - für den günstigsten Fall beziehungsweise die kürzeste Bauzeit. In vier Jahren wäre die Sanierung umzusetzen. Aber: Merkle glaubt nicht, dass Augsburg innerhalb dieser Zeitspanne die gesamte Investitionssumme aufbringen kann. Folgerichtig geht er von einer längeren Bauzeit aus. Wie viel dies dann letztendlich kosten werde, könne er jetzt noch nicht sagen. "Aber ich bin sicher, dass es nicht weniger als die 88,4 Millionen Euro sein werden", weist Merkle darauf hin, dass dieses Projekt deutlich teurerer werden könnte.

Die Regierung von Schwaben hat sich mit dieser Variante einverstanden erklärt. Vom Freistaat erhält Augsburg voraussichtlich maximal 37,7 Millionen Euro - und nicht mehr, egal wie teuer die Sanierung am Ende wird. Somit entfiele im günstigsten Fall auf die Stadt ein Eigenanteil von 50,7 Millionen Euro - Tendenz steigend.

Und: Damit ist es längst nicht getan. In einem zweiten Teil der Gesamtsanierung sollen die Turnhalle, die Außensportanlagen sowie eine Hausmeisterwohnung mit angrenzender Fahrradhalle saniert werden. Einer ersten Grobschätzung zufolge kommen hier noch einmal 20,5 Millionen Euro zusammen.

Bauausschuss: Nur ein Stadtrat stimmt gegen die Pläne

Allein Stadtrat Volker Schafitel (Freie Wähler), selbst Architekt, will sich mit dieser Lösung nicht zufrieden geben. "Nochmal 100 Millionen Euro in den alten Kasten stecken, das sehe ich nicht ein." Er schlägt vor, das Gebäude abschnittsweise abzureißen und an der gleichen Stelle neu aufzubauen, mit angepasstem Raumprogramm und eventuell einem Stockwerk mehr, um zusätzlichen Platz für Klassenzimmer zu gewinnen.

Doch Merkle hält auch diese Variante für nicht umsetzbar. Es sei Schülern und Lehrern schlicht nicht zumutbar, während des Abbruchlärms Unterricht zu machen. Tatsächlich muss die Schule auch für die Sanierung abschnittsweise geräumt werden, denn bis auf das Betonskelett wird nichts vom alten Gebäude übrig bleiben. Der Gedanke von Stadträtin Beate Schabert-Zeidler (ProAugsburg), dass in jedem Fall lärmintensive Abbrucharbeiten in die Ferienzeit gelegt werden müssten, geht in ihrer eigenen Zustimmung zur Generalsanierung unter. "Es gibt keine Ideallösung an dieser Stelle", hält Merkle fest.

Am Ende spricht sich nur Volker Schafitel gegen die Sanierung aus. Die Mehrheit im Bauausschuss stimmt dafür.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.