FCA verdient „richtig gutes Geld“: Fans und Verantwortliche streiten auf Jahresversammlung um eSport

Jakob Kunz ist zuständig für den eSport-Bereich des FCA. Er erklärt, warum der Verein das Engagement gestartet hat. Foto: Alexander Heinle

Fußball am PC und der Konsole. Ist das Sport? Der FCA findet „ja“ und engagiert sich seit Anfang 2019 in dem Bereich und tritt mit einem Team aus vier Spielern in der Virtual Bundesliga (VBL) an. Einige FCA-Fans halten von diesem Engagement allerdings nichts und machen auf der Jahreshauptversammlung eSport zum Thema. 

Hier gibt es die Bilder der Jahreshauptversammlung

In mehreren Anträgen fordern einige der 892 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder den FC Augsburg auf, sämtliche Tätigkeiten im Bereich eSport einzustellen.

FCA-Finanz-Geschäftsführer Michael Ströll geht auf die Anträge ein und erklärt: „Wir haben Zahlen vorliegen von EA Sports, die deutlich machen, wie viele Leute in 2019 mit dem FC Augsburg gespielt haben. Das sind weltweit knapp 100.000 Menschen. Können sie mir sagen, wie wir diese Leute überregional international erreichen sollen? Es ist nicht mehr so wie vor 15 Jahren. Es ist heutzutage nicht mehr Usus, dass der Vater mit seinem Sohn ins Stadion geht und nur deswegen wird er Fan des Vereins. Das ist auch über neue digitale Medien möglich, dass man Anhänger eines Vereins wird. Ob uns das gefällt oder nicht, wir können es nicht negieren“.

Die Anzahl der Personen, die zumindest gelegentlich eSports-Events anschauen, belief sich im Jahr 2018 nach Angaben des deutschen Online-Statistikportals Statista auf rund 395 Millionen weltweit. Aufgrund der Entwicklung der vergangenen Jahre ist für das Jahr 2022 eine eSport-Zuschauerzahl von 644 Millionen prognostiziert.

Der eSport-Umsatz in Deutschland soll sich bis 2020 verdoppeln

Die rasante Entwicklung sehen die kritischen Fans als Gefahr für ihren FCA. Denn die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte beziffert den Jahresumsatz des deutschen eSport-Marktes im vergangenen Jahr auf 70 Millionen Euro. Für 2020 geht Deloitte von 130 Millionen Euro Umsatz im deutschen eSport aus. In zwei Jahren soll sich der Umsatz also fast verdoppelt, als Gründe dafür werden steigende Einnahmen aus Werbung und Sponsoring genannt. Darin sehen die eSport-Gegner unter den FCA-Fans das Problem, denn der „Augsburger Weg“, wie ihn Ströll nennt, werde so nicht funktionieren. Derzeit wende der FCA bis auf Reisekosten so gut wie nichts auf, verdiene damit aber gutes Geld, berichtet Ströll.

„Wenn ich mich auf etwas einlasse, dann richtig. Und wenn es um so viel Geld geht, sind Investitionen nötig“, erklärt hingegen ein Fan. Es wird befürchtet, dass das eSport-Engagement des FCA derartige Ausmaße annimmt, wie das von Schalke 04 oder dem VfL Wolfsburg. Die beiden Vereine haben eine eigene Scoutingabteilung und ein Nachwuchsleistungszentrum für eSport errichtet.

Identifikation mit dem FCA geht vor sportlichen Erfolg

„Nachwuchsabteilungen, Scouting und Berater werden beim FCA nicht umgesetzt“, beruhigt Ströll die Gemüter. Die Kritiker betonen dennoch, dass das eSport-Team nichts mehr mit ihrem Verein, dem FCA, zu tun habe. Jakob Kunz, beim FCA für die eSport-Sparte zuständig, hält dagegen. „Wir haben einen guten, eigenen, kreativen Weg gefunden uns dem Thema zu nähern, ohne, dass wir die Werte des Vereins mit Füßen treten.“ Deshalb habe man vier Spieler gewählt, die dem Verein sehr nahe stehen, die bei nahezu jedem Heimspiel im Fanblock stehen, die Mannschaft anfeuern und den FCA unterstützen. „Das Thema Identifikation haben wir viel höher gewertet als den sportlichen Erfolg“, sagt Kunz.

Er ist zudem der Meinung, dass der FCA im eSport eine Vorbildfunktion einnehmen könne. „Wir können und wollen zeigen, dass eSports eben nicht bedeutet, im dunklen Kellerloch zu sitzen, Chips essend und Cola trinkend vor sich hin zu datteln“, erklärt der eSport-Beauftragte des FCA.

Bei den vier Spielern handle es sich zudem durchweg um junge Menschen, die seit Jahren in ihren Vereinen Sport treiben und aktiv in der Mannschaft spielen. Deutschlands Vizemeister in der Fußballsimulation Fifa auf der Spielekonsole Xbox ist im Team des FCA und steht bei seinem Heimatverein, dem TSV Öttingen, im realen Fußball im Tor und trainiert zudem eine Mädchenmannschaft.

Am Ende der Jahreshauptversammlung wird über das Thema abgestimmt. 423 Mitglieder stimmen dafür, dass der FCA sein eSport-Engagement fortsetzt, 194 Fans sind dagegen.
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