Nach Chaos-Woche: FC Augsburg kämpft sich dank Finnbogason aus der Krise

Geburtstagskind und Dreifachtorschütze Alfred Finnbogason schießt den FC Augsburg gegen Mainz aus der Krise. (Foto: Archiv)
Augsburg: WWK Arena |

So chaotisch wie in der vergangenen Woche haben die Fans des FC Augsburg ihren Verein in den letzten Jahren kaum erlebt. Auf zehn sieglose Spiele hintereinander folgte das Verwirrspiel um Innenverteidiger Martin Hinteregger und dessen Last-Minute-Abgang. Die dadurch frei gewordene Planstelle in der Defensivzentrale soll nun vom hochtalentierten Engländer Reece Oxford gefüllt werden. Die Hauptrolle beim überzeugenden 3:0 Sieg gegen Mainz, der den ersten Schritt zurück in die Normalität bedeuten soll, spielte allerdings Geburtstagskind Alfred Finnbogason.

Am Ende des Tages überwog dann doch die Erleichterung über den gerade eben eingefahrenen Heimsieg gegen den 1. FSV Mainz 05. „Es ist Wahnsinn, dass die Mannschaft nach so einer Woche, in der so viel passiert, so eine Leistung zeigt. Da sieht man, was für einen Charakter die Jungs haben, dass wir Typen haben, die das leben, was Augsburg ausmacht“, lobte der sichtlich entspannt wirkende Cheftrainer Manuel Baum sein Team nach Abpfiff.

Hinteregger und die Augsburger Chaos-Woche

Gleichzeitig dürfen seine Aussagen bezüglich Charakterstärke und Identifikation mit den Werten des Vereins aber auch als Seitenhieb auf Martin Hinteregger gelten. Der Österreicher hatte die „Augsburger Chaos-Woche“ nach der Niederlage in Gladbach am vergangenen Spieltag eingeleitet. Er könne nichts Positives über den Trainer sagen und werde auch nichts Negatives berichten, ließ der Innenverteidiger vor den TV-Kameras verlauten. Nach der unglücklichen Außendarstellung im Fall Caiuby ein weiterer Aufreger beim sonst so familiär-beschaulichen FC Augsburg. Auf eine persönliche Aussprache und Freistellung vom Training folgte der Abgang des 2016 aus Salzburg gekommenen österreichischen Nationalspielers per Leihe Richtung Frankfurt. In Augsburg dürfe jeder Fehler machen, doch irgendwann sei das Maß voll, kommentierte Baum die Situation um Hinteregger, der hinter den Kulissen wohl schon im Dezember von einem vorzeitigen Abgang aus Augsburg gesprochen hatte.

Toptalent Oxford soll die Lücke in der Innenverteidigung schließen

Die frei geworden Planstelle in der Innenverteidigung soll nun langfristig von Reece Oxford geschlossen werden. Der 20-jährige Engländer, der in der vergangenen Saison bereits an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen war und die Liga daher kennt, kam am letzten Tag des Wintertransferfensters von West Ham United. Während Gladbach im Sommer noch mit einer Offerte für den englischen Juniorennationalspieler scheiterte, besitzt der FC Augsburg laut englischen Medien eine Kaufoption für das in der Vergangenheit heiß umworbene Defensivtalent. „Er kennt die Bundesliga und wird sicherlich keine großen Anpassungsschwierigkeiten haben. Daher kann er uns schnell weiterhelfen“, erhofft sich Manager Stefan Reuter schnelle Hilfe durch den Neuzugang.

Zusätzliches Medieninteresse zog der FCA unter der Woche auch durch die Verpflichtung von Jens Lehmann als Co-Trainer auf sich. Der ehemalige deutsche Nationalspieler und England-Legionär soll das Trainerteam von Baum verstärken. Welche Rolle der WM-Held von 2006 im Trainerteam genau spielen wird, bleibt abzuwarten.

Elfer-Doppelpack bringt den FC Augsburg auf die Siegerstraße

Den ersten Schritt, um sportlich wieder in die richtige Bahn zu finden, tat die Mannschaft dann am Sonntagnachmittag gegen den 1. FSV Mainz 05. Mit Ausnahme von Gregoritsch und Stafylidis für Max und den abgewanderten Hinteregger schickte Manuel Baum die gleiche Elf wie gegen Gladbach auf den Platz. Und die Mannschaft zeigte früh, dass sie gewillt war, die sportliche Misere im Augsburger Schneechaos zu stoppen. Noch vor der Halbzeit traf der frisch 30 Jahre jung gewordene Alfred Finnbogason zweimal vom Elfmeterpunkt, nachdem die Mainzer den Ball im Strafraum wiederholt mit der Hand spielten. Noch vor dem Pausenpfiff hätte der Isländer seinen Hattrick perfekt machen können, scheiterte nach Hereingabe von Ji aber frei vor Mainz-Schlussmann Müller.

Den vierten Dreierpack seiner Augsburg-Karriere vollendete Finnbogason dann kurz nach Wiederanpfiff in der 54. Spielminute. Nach einem überragend ausgespielten Konter über Moravek und Gregoritsch vollendete das Geburtstagskind mit seinem dritten Treffer des Tages. In der Folge hatte der FCA noch mehrere Chancen, um das Ergebnis noch deutlicher zu gestalten, unter Anderem durch den eingewechselten Córdova, der frei vor dem Tor vergab. Bemerkenswert zudem: Beim klaren 3:0 Sieg ließ die FCA-Defensive keinen einzigen Schuss auf das eigene Tor zu.

Weiterkommen im DFB-Pokal als Zielsetzung

Am Ende des Tages stand somit ein Sieg, der nicht nur die sportliche Talfahrt vorerst beendet, sondern auch die Vorbereitung auf das anstehende Pokalspiel bei Zweitligist Holstein Kiel deutlich ruhiger gestalten dürfte. „Wir hatten zuletzt eine extrem schwierige Phase. Doch jetzt kommt Kiel und wir wollen auch im DFB-Pokal weiterkommen. Das heute war der erste Schritt, aber ab morgen liegt der Fokus auf Kiel“, ließ Baum ob des überzeugenden Auftritts keine verfrühte Zufriedenheit aufkommen. Schafft der FCA am Mittwoch das Weiterkommen im Pokal und holt auch am kommenden Spieltag gegen Bremen Punkte, dürften die „Augsburger Chaos-Wochen“ jedoch schon bald wieder in Vergessenheit geraten.

Die Aufstellung des FC Augsburg: Kobel – Schmid, Khedira, Danso, Stafylidis – Moravek (87. Oxford), Baier, Hahn, Gregoritsch, Ji (67. Koo) – Finnbogason (76. Córdova)
Bank: Luthe (Tor), Callsen-Bracker, Max, Richter
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