Patchwork-Elf scheitert auf Flickenteppich: Der FC Augsburg gegen die TSG Hoffenheim in der Einzelkritik

Ratlose Augsburger: Hoffenheims Andrej Kramaric jubelt über seinen Kopfball zum 1:0. (Foto: Klaus Rainer Krieger)
Augsburg: WWK Arena |

Der FC Augsburg verliert am 25. Spieltag der Bundesliga mit 0:2 gegen die TSG Hoffenheim. FCA-Trainer Manuel Baum war wegen vieler Ausfälle dazu gezwungen, eine regelrechte Patchwork-Elf auf den Platz der Augsburger Arena zu schicken zu schicken. Der zusammengeflickte FC Augsburg in der Einzelkritik.

Marwin Hitz: War in einem zunächst mäßigen Spiel selten gefordert. Der Schweizer in Textmarker-Gelb flog beim Distanz-Kopfball-Treffer von Andrej Kramaric ins Leere. Verletzte sich bei einem Schuss von Lukas Rupp an gleich vier Fingern, konnte aber weitermachen. Bei Serge Gnabrys Tor zum 0:2 ohne Chance.

Martin Hinteregger: Nach der Verletzung von Jeffrey Gouweleeuw alleiniger Defensivchef des FC Augsburg. Räumte gewissenhaft alles weg, was die TSG in den Augsburger Strafraum spielte. Machte allerdings folgenschwere Fehler: Stand beim 0:1 derart weit von Torschütze Kramaric weg, als hätte der eine schwer ansteckende Grippe. Leitete dann mit einem haarsträubenden Fehlpass eine vielversprechende Möglichkeit für Hoffenheims Rupp ein. Verlor vor dem 0:2 den entscheidenden Zweikampf gegen Gnabry. Landete nach einem Duell mit Hoffenheims Bayern-Leihgabe auf der gepflasterten Rasenumrandung und räumte dabei ein Außenmikrofon ab. Das war bei den miserablen Platzverhältnissen wohl auch nicht viel schmerzhafter, als auf dem Spielfeld selbst zu Boden zu gehen.

Kevin Danso: Solide hinten, wild nach vorne: Machte sich auf zu einem hintereggerschen Vorstoß, der eine der wenigen Gelegenheiten für den FC Augsburg in Halbzeit eins einleitete. In der 59. Minute ersetzt durch Shawn Parker.


Schmid wider die Gesetze der Fußballgeometrie

Philipp Max: Es war so gar nicht der Tag des Augsburger Assistkönigs. Defensiv in Ordnung, nach vorne auffällig unauffällig. Seine Standards landeten meist dort, wo der erste Hoffenheimer Verteidiger wartete.

Jonathan Schmid: Wie schon in Dortmund als Framberger-Ersatz rechts hinten. Hatte Glück, dass vor seinem zu kurzen Rückpass nach zwei Minuten der Ball bereits im Seitenaus war. Bekam dann von Kramaric einen sicher äußerst unangenehmen Tritt auf die eisigen Zehen. Das darf nicht als Ausrede für seine vielen Fehlpässe gelten. Hatte nämlich auch gute Szenen: Etwa als er in der ersten Hälfte beinahe fußballgeometrische Gesetze außer Kraft setzte, als ihm aus unmöglichem Winkel fast der Ausgleich gelang. Offensiv nicht nur deshalb um einiges präsenter als sein Gegenüber Philipp Max.

Daniel Baier: Hatte die verhängnisvolle Aufgabe, auf dem trockenen Holperplatz Struktur ins Spiel des FC Augsburg zu bringen. Es gelang ihm nur selten. Gerade das von ihm organisierte zentrale Mittelfeld präsentierte sich defensiv oft zu durchlässig. Griffiger zeigte sich Augsburgs Kapitän, als er Sergio Cordova beherzt am Kragen packte, um ihn vor einem Gerangel mit Kevin Vogt zu bewahren.

Rani Khedira als Markenbotschafter der Deutschen Bahn

Ja-Cheol Koo: Auch ihm glückte wenig. Immerhin setzte er hie und da mal aggressiv ein Zeichen in der Rückwärtsbewegung. Trug mit einem besonders schlimmen Exemplar zu den Myriaden von Augsburger Fehlpässen bei und verschuldete damit eine gute Chance für Kramaric. Trat im Duell mit Schiedsrichter Patrick Ittrich zügig den Rückzug an, als der Unparteiische den meckernden Südkoreaner brüllend zurechtwies.

Rani Khedira: Ebenfalls einige ungewohnte Wackler im Spielaufbau. Kam gegen Benjamin Hübner vor dessen Flanke zum Kramaric-Teffer zum 0:1 derart verspätet in den Zweikampf, dass er möglicherweise bald als Markenbotschafter der Deutschen Bahn zu sehen sein wird. Übernahm in der letzten halben Stunde Dansos Part in der Innenverteidigung.

Baums Überraschung überrascht nicht

Kilian Jakob: Spaß solle der von 1860 München abgeworbene 20-Jährige bei seiner Bundesligapremiere haben. Das sei alles, was er vom Debütanten erwarte, ließ Manuel Baum vor der Partie wissen. Seine Überraschung auf dem linken Flügel überraschte jedoch nicht. Und der Spaß verging ihm wohl bereits nach wenigen Minuten, als Hoffenheims Florian Grillitsch ihn unsanft zu Boden brachte. Nach 50 Minuten machte er dem eigentlich von vielen in der Startelf erwartete Sergio Cordova Platz.

Marcel Heller: Kurze Ärmel und Handschuhe: Augsburgs ehemaliger Verteidiger Ragnar Klavan, kälteresistenter Este, liefe beim Anblick von Hellers Garderobe wohl Gefahr, sich vor lauten Kopfschütteln einen steifen Nacken zu holen. Der Rechtsaußen hatte jedoch auch wenig Gelegenheit, auf Temperatur zu kommen. Bei seiner auffälligsten Szene flipperte der Ball unkontrolliert zwischen seinen Beinen hin und her – und hüpfte schließlich ins Toraus.

Greoritsch zwischen zwei Rollen

Michael Gregoritsch: Soll gleichzeitig Spielgestalter als auch Mittelstürmer sein. Hing gegen Hoffenheim irgendwo dazwischen. Mühte sich dort, wo er war, ab - und hatte immerhin mit einem Kopfball knapp neben das Tor Augsburgs beste Chance in Durchgang zwei.

Sergio Cordova: Köpfte als Joker kurz nach seiner Einwechslung das 1:2. Jedoch war zuvor bereits wegen Abseits abgepfiffen. Ging nach einem leichten Rempler von Vogt verspätet zu Boden - dafür aber derart theatrilisch, dass man meinen konnte, ihn habe eine vollbesetzte Stadiontram gerammt.

Shawn Parker:
Forderte vehement den Videobeweis bei Schiedsrichter Ittrich ein. Hatte in der 70. Minute nämlich den Ball zum 1:2 über die Linie gedrückt, war allerdings zurückgepfiffen worden. Ittrich forderte die Nachbetrachtung an – die schnell bestätigte, dass der Offensivspieler im Abseits stand.

Der Rasen: Ein braun-grüner Flickenteppich. Am Freitag hatte der Baum seinen FC Augsburg extra auf dem stumpfen Geläuf trainieren lassen – half allerdings nichts. Zuweilen sah das Fußballspiel aus wie ein Rugby-Match, wenn ein Spielerknäuel um den vor lauter Beinen kaum mehr zu sehenden Ball rangelte. Immerhin dreizehn Tauben fühlten sich auf dem erdigen Platz wohl und ließen sich beharrlich in der jeweils unbespielten Hälfte nieder. Waren so für das Publikum kurzzeitig interessanter als das Spiel. Da flatterte der FCA – kopf- und ideenlos in die Niederlage.
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