Rani Khedira beim FC Augsburg: Baums Musterschüler

Rani Khedira ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft des FC Augsburg. Foto: Klaus Rainer Krieger

Mit Neuzugang Rani Khedira und Trainer Manuel Baum haben sich beim FC Augsburg zwei Fußballnerds gefunden. Fachsimpeln über Gegenpressing, Resträume und abkippende Sechser - und den erstaunlichen Matchplan für das Spiel in Bremen.

Rani Khedira ist ein höflicher junger Mann. Er schüttelt jedem seiner Gesprächspartner die Hand, blickt sie freundlich an und lächelt. Selbst der Bitte eines Fernsehreporters, das Mikrofonkabel zu halten, kommt er ohne zu murren nach. Und so steht Khedira neben dem Trainingsplatz des FC Augsburg, hält einen Kabelsalat in den Händen und spricht über seinen Trainer, seine Mannschaft und auch ein bisschen über Rani Khedira.

Der Neuzugang aus Leipzig hat sich gemausert. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten ist er der Musterschüler in der Klasse von Trainer Manuel Baum. Der Realschullehrer adelte ihn als hochintelligenten jungen Mann, schulisch wie fußballerisch. Ein Spieler, ganz nach Baums Gusto eben. Einer, den er schon mal als variables Element zwischen Innenverteidigung und zentralem Mittelfeld einsetzt - eine Art flexibler Libero oder neofußalldeutsch gesagt: abkippender Sechser.

Khedira ist das Chamäleon im System Baum

Das sei zunächst ungewohnt gewesen, kommentiert Khedira. "Aber ich glaube, ich habe das, was der Trainer verlangte, nicht so schlecht umgesetzt, denn beide Male haben wir gewonnen." Es sei gut, vielseitig einsetzbar zu sein, in der Lage, taktisch hin- und herzupendeln.

Und der Khedira ist derart wandelbar. Eine Art Chamäleon im System Baum. "Ich habe meine Rolle gefunden", sagt er, "ich fühle mich wohl auf dem Platz". Ein Verdienst auch von Nebenmann Daniel Baier. "Wir wissen, wie der andere tickt", sagt Khedira, den das keineswegs überrascht. "Als ich hier her gekommen bin, war ich überzeugt, dass wir gut harmonieren werden", erzählt der 23-Jährige, der regelrecht von Baier schwärmt: "Er ist ein Spieler, von dem ich mir noch sehr viel abschauen kann. Wie er die Bälle spielt, ist teilweise eine Augenweide. Ich bin froh, an seiner Seite zu spielen."

"Was Baum sagt, hat Hand und Fuß"

Khedira geizt nicht mit Lob, auch nicht für Trainer Manuel Baum. "Er spricht alles ganz klar an, hat immer einen sehr guten Matchplan. Es passt immer, was er sagt. Alles hat Hand und Fuß", stellt der Schüler dem Lehrer ein Einser-Zeugnis aus. Die Trainingseinheiten seien "manchmal speziell. Man muss im Kopf extrem schnell sein. Aber das bringt uns weiter".

Das erfordert die Art, wie Baum seine Elf agieren lässt, schnelles Umschalten ist unabdingbar. Das ähnele in einer Hinsicht der Vorgehensweise von RB Leipzig. "Vergleichbar ist die Art, wie wir pressen, wie wir nach vorne attackieren", findet der Mittelfeldspieler.

Drecksarbeit? "Macht mir Spaß"

Mit Khedira und Baum haben sich zwei Fußballnerds gefunden. Wenn Khedira über seine Aufgaben auf dem Rasen referiert, spricht er von "Restraum verteidigen" und "schnell im Gegenpressing" sein. Man kann es aber auch im Jargon der 90er formulieren: Drecksarbeit verrichten. Khedira muss grinsen. "Es macht Spaß, weite Wege zu gehen, dahin, wo es auch mal wehtut", sagt er. "Vor allem, wenn die Resultate stimmen."

Nicht so wie in diesem vermaledeiten Hannover-Spiel. Drei Tage lang habe er sich geärgert. "Kein gutes Wechselspiel mehr" habe die Mannschaft zwischen Angriff und Abwehr gehabt, nicht darauf reagiert, dass die Hannoveraner in der zweiten Halbzeit mit langen Bällen operierten.

Der Plan des FCA in Bremen: Pressen und die Vorzeichen umdrehen

Die Partie gegen Bremen sei laut Khedira keine richtungsweisende. Aber: "Wir wollen das Spiel gewinnen und das heißt, wir müssen aktiv und aggressiv sein", kündigt er an. Es zeugt vom Selbstvertrauen, dass der FC Augsburg entwickelt hat. "Klar steht Bremen mit dem Rücken zur Wand, hat das Publikum hinter sich", zählt der 23-Jährige auf, "aber wenn wir so gut ins Spiel starten, wie gegen Hannover, können wir das zu unseren Gunsten nutzen. Ich vertraue auf den Matchplan unseres Trainers."

Und der sieht sicher einen Einsatz von Rani Khedira vor. Dessen bisherige Erinnerung an Bremen, die noch aus seinen Stuttgarter Tagen stammt, wird sich wohl gravierend ändern. "Da hätte ich fast mein zehntes Bundesligaspiel gemacht. Ich stand an der Linie zur Einwechslung, doch dann hat der Schiedsrichter abgepfiffen."
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Dieter-MrACE Strehl aus Großaitingen | 14.11.2017 | 17:17  
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