TV Augsburg Skaterhockey – eine zwanzigjährige Erfolgsgeschichte

Im Fallen ein Tor geschossen, im Liegen jubelnd: Florian Nies war an allen großen Erfolgen des TVA beteiligt.
 
Die TVA Schüler nach ihrem ersten Turnier 2010 auf dem Außenplatz in Bamberg.
 
Glückwunsch, Oli! Die anderen seiner Reihe bejubeln ein Tor von Nationalspieler Oliver Dotterweich (Nr. 87)
 
Schüler 2010 - ohne Helm
Augsburg: TVA Arena |

Skaterhockey – das Spiel

Inline-Skaterhockey (kurz: Skaterhockey) ist wie Eishockey ohne Eis: Schnell, hart, spannend. Ein paar Unterschiede gibt es natürlich. Zuerst der Untergrund und die Skates: Da auf Beton oder in Turnhallen statt auf Eis gespielt wird sind die Fortbewegungsmittel Inline-Skates und das Spielgerät ein oranger Ball statt eines schwarzen Pucks. Einige unterklassige Teams dürfen in der Eishockey-Sommerpause die abgetauten Eisstadien nutzen, ab der zweiten Liga sind beim Skaterhockey kleinere Spielfelder vorgeschrieben, entweder Mehrzweckturnhallen oder kleine Beton-Rinks wie beim TVA an der Gabelsberger Straße. Klein ist sinnvoll, denn beim Skaterhockey stehen sich nur je vier statt fünf Feldspielern gegenüber. Es gibt auch keine unerlaubten Weitschüsse und kein Abseits, was andere taktische Maßnahmen erlaubt, wie einen Stürmer konsequent vor dem gegnerischen Tor zu "parken". Daber sollte die in diesem Fall nur dreiköpfige Abwehr einigermaßen sattelfest sein, sieht sie sich doch vier Gegnern gegenüber.

Das Behindern des Goalies im Torraum wird wie beim Eishockey abgepfiffen und führt wie auch ein Hoher Stock oder eine Spielverzögerung zu einer Skaterhockey-Spezialität: Dem Freistoß. Dieser wird statt eines Bullys ausgeführt, möglich sind ein Direktschuss aufs Tor oder ein Pass zu einem Mitspieler. Andere Vergehen und Fouls werden wie beim Eishockey bestraft, mit zwei oder mehr Minuten auf der Strafbank.

Unterschied zum Inline-Hockey:
Körpereinsatz ist ausdrücklich erlaubt

Es gibt eine weitere Hockeyvariante auf Rollschuhen: Einige Eishockeyprofis versuchen sich im Sommer beim Inline-Hockey: Steffen Tölzer spielte z.B. schon ein paarmal für Königsbrunn. Aufgrund der geringeren Verletzungsgefahr – dort sind Checks untersagt und führen zu zwei Strafminuten – ist das ein beliebter Sommerausgleichs-Sport. Aber „Inline-Skaterhockey ist ein Sport mit zugelassenem Körpereinsatz und jeder Spieler, der an einem Spiel teilnimmt, macht dies auf eigene Gefahr“. So steht es im offiziellen Regelwerk des ISHD (Inline-Skaterhockeyverband Deutschland). Das klingt gefährlicher als es ist, denn auch beim Skaterhockey sind Verletzungen trotz Checks, Rempeln und diverser Stürze relativ selten, was auch an der umfangreichen Schutzausrüstung der Spieler liegt: Es ist dieselbe wie beim Eishockey.

Checken des ballführenden Gegenspielers ist also ausdrücklich erlaubt – das ist neben dem Spielgerät Ball statt Spezialpuck der große Unterschied zum Inline-Hockey – und passiert aufgrund des meist kleineren Feldes häufiger als auf dem großen Eis. Deshalb ist das Spiel auch mit nur vier Mann intensiver, schneller und torreicher als beim großen Bruder Eishockey.

20 Jahre Skaterhockey beim TVA:
Vom Parkplatz-Zock in die TVA Arena

Beim TVA wird seit 1999 dem orangen Ball hinterher gejagt, die Anfänge fanden auf einer kleinen Außenbahn neben dem großen Faustballplatz des TVA statt. Erst 2005 entstand die überdachte und eingehauste TVA Arena zwischen Tennisplätzen, Faustballfeld und dem großen Fitness-Turm – und die neue Halle wirkte sich bald auf die Erfolge aus. Jetzt wechselten Spieler von der Skaterunion Augsburg zum TVA, und auch von den beiden regionalen Eishockeyvereinen ESV Königsbrunn und Augsburger EV versuchten sich immer wieder (Nachwuchs-)Spieler im Sommer auf Rollschuhen. Und ein paar weitere waren vorher nur Zocker auf Supermarktparkplätzen.

Zurzeit sind für alle Nachwuchs-Wettbewerbe Teams gemeldet und im Herrenbereich startet die erste Mannschaft in der Bundesliga, die zweite Mannschaft ist amtierender Meister in Bayerns höchster Spielklasse, der Regionalliga.

Saison 2019 – der Aufsteiger mischt wieder vorne mit

Aufgrund eines großen Umbruchs vor zwei Jahren – mehrere Leistungsträger wie Lukas Fettinger, Augsburgs Sportler des Jahres 2013, sowie die beiden Nationaltorhüter Andreas Fuchs und Florian Schenk hörten auf – folgte der Abstieg in die 2. Liga Süd. Die Zweitklassigkeit war jedoch nur ein kurzes Intermezzo, der TVA siegte in der Hauptrunde und setzte sich auch in den Playoffs souverän gegen die Nord-Teams durch und stieg als Meister direkt wieder auf. Verstärkt durch zwei österreichische Nationalspieler sowie Tobi Adam vom alten Rivalen Köln Rheinos, die es berufsbedingt nach Bayern verschlug, haben die Augsburger jetzt schon den Klassenerhalt und sogar die Playoff-Teilnahme erreicht. Eine möglichst gute Platzierung und damit Heimrecht zumindest im Playoff-Viertelfinale sind das neue Ziel, das Trainer Martin Zentner ausgegeben hat.

Doch nicht nur die Bundesligamannschaft kann Erfolge vorweisen: Die zweite Mannschaft wollte heuer "alles" gewinnen und zum bereits gewonnenen Bayernpokal auch die Bayerische Meisterschaft und erstmalig sogar den Deutschen Pokal gewinnen. Dort wartete im Halbfinale Bundesligist Düsseldorf Rams aufs Team um Spielertrainer Benni Becherer. Die zwei Klassen höher spielenden Rheinländer setzten sich nach hartem Kampf knapp durch, den TVAlern bleibt als Trost die Qualifikation zum Europapokal der Pokalsieger als drittbestes deutschen Team. Eine Bayernliga-Mannschaft hat es noch nie so weit geschafft.

Derweil gehen die erfolgsverwöhnten Junioren auch in dieser Saison als Spitzenreiter in die Playoffs, wo sie den vierten Meisterpokal in Folge für die umfangreiche Trophäen-Vitrine in der TVA Arena erobern möchten. Und im Dezember möchten die Jungs und Torhüterin Anna endlich auch bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin auf dem Treppchen landen.

Hochspannung bis zur Schlusssirene

Wie spannend und torreich ein Skaterhockeyspiel sein kann zeigen viele Spielberichte, wie zum Beispiel der vom TVA-Spiel gegen die Bissendorf Panther. Auch die kämpfen um die Playoff-Qualifikation und so entwickelte sich im Juli ein spannendes und hart umkämpftes Spiel. Augsburg nutzte die Anfangsphase, als die Norddeutschen mit dem kleinen und harten Betonplatz noch nicht so gut zurechtkamen und zog im ersten Drittel davon: Dem 1:0 durch Simon Arzt nach zwei Minuten folgten zwei schnelle Tore in der 7. und 8. Minute – Oliver Dotterweich und Valentin Hübl (im Powerplay) hatten getroffen. Nach dem 4:0 durch Alex Girsig kam Bissendorf etwas besser ins Spiel und Sebastian Gleich im TVA-Tor musste mehrmals retten. Aber auch ein hoher Vorsprung nach zwanzig Minuten muss noch keine Entscheidung sein: Im Mitteldrittel kamen die Niedersachsen zurück ins Spiel, trafen zwischen 21:20 und 23:45 dreimal und schafften so innerhalb von zweieinhalb Minuten den Anschluss. Bis zum Schluss war das Spiel offen und wurde auch mit einem solchem Visier geführt: Lukas Glasner baute den Vorsprung in der 31. Minute wieder auf zwei Tore aus, eine halbe Minute darauf war Bissendorf wieder dran. Gut, dass Augsburgs Goalies – etwa zur Hälfte wurde Sebastian Gleich wegen der Hitze in der Halle und der harten Arbeit in schwerer Montur durch Philipp Kittler ersetzt – sensationell gut drauf waren. Der gegnerische Torhüter hielt bis zum Schluss durch, auch er zeigte eine tadellose Leistung. Dabei fließt bei den ständig unter Anspannung stehenden und im Gegensatz zu ihren Vorderleuten nicht durch Fahrtwind gekühlten Goalies der Schweiß in Strömen. 

Die Erfolge der TVA-Skaterhockey-Abteilung

Der TVA ist Bayerns Vorzeige-Club, neben Teams in allen Nachwuchsklassen nehmen drei Herrenmannschaften am Spielbetrieb teil. Die erste Mannschaft ist Bayerns einziges Team in der Bundesliga, und Augsburg ist das einzige bayerische Team, das hier auch schon gewonnen hat. Zu den zwei nationalen Meisterschaften kommt das Triple im Europapokal der Landesmeister sowie ein Pokalsieg. Dazu kommt die letztjährige Zweitliga-Meisterschaft und der damit verbundene direkte Wiederaufstieg nach einem großen Umbruch im Team: Mehrere Nationalspieler wie Augsburgs „Sportler des Jahres 2013“, Lukas Fettinger sowie die beiden Goalies Andreas Fuchs und Patrick Schenk hatten aufgehört, andere wie Benni Becherer und „Lothar“ Späth wechselten in die zweite Mannschaft: Die spielt in der Regionalliga Bayern und die Auswärtsreisen sind lang nicht so strapaziös und weit. Dort spielt diese Mischung aus erfahrenen Ex-Bundesligaspielern und den besten Nachwuchsspielern der vergangenen Jahre erfolgreich: Den bayerischen Titel wollen sie natürlich verteidigen, das Playoff-Finale ist schon erreicht.

Die Vorzeige-Nachwuchsmannschaft sind aktuell die U19-Junioren, die als Vorrundensieger bereits feststehen und in den Playoffs den vierten Titel in Folge einfahren wollen. Und bei den Deutschen Meisterschaften im Dezember wollen sie auch endlich etwas erfolgreicher sein. Der Deutsche Meister wird dieses Jahr in Berlin gekürt, die Meisterschaft in Turnierform mit den besten Teams Deutschlands ausgespielt. Es kommt also auf die Tagesform an einem Wochenende an – und man hofft, endlich nicht von Verletzungen und Grippewellen verschont zu bleiben.

Mit Ausnahmekönnern in den jeweiligen Teams holten auch die Nachwuchsmannschaften schon einige Pokale in die gut gefüllte Vitrine in der TVA-Arena: So führte AEV-Star Marco Sternheimer die U13-Schülermannschaft 2010 und 2011 zur bayerischen und deutschen Meisterschaft sowie zum dritten Platz beim Europapokal. Auch die Teams um Lukas Fettinger und Benni Becherer sowie mit den aktuellen Nationalspielern Alex Girsig und Oliver Dotterweich haben für einige Silberpötte gesorgt. Auch individuelle Auszeichnungen für einzelne Spieler und Allstar-Team-Berufungen sind keine Seltenheit. Größter Erfolg ist hier natürlich die Wahl zu Augsburgs Sportler des Jahres für Lukas Fettinger, aber auch das Team stand dort schon oft auf dem Treppchen, wenn es auch noch nie dazu gereicht hat, sowohl den FCA und den AEV hinter sich zu lassen.

Mannschaftserfolge

2018
Meister 2. Bundesliga
Bayerischer Meister Herren
Bayerischer Meister Junioren

2017
Bayerischer Meister Junioren

2016
Bayerischer Meister Junioren

2015
Europapokalsieger Herren
Bayerischer Meister Junioren
Bayerischer Meister Jugend

2014
Europapokalsieger Herren

2013
Europapokalsieger Herren
Deutscher Vizemeister Herren
Vize-Europapokalsieger Junioren
Bayerischer Meister Junioren

2012
Deutscher Meister Herren
Deutscher Meister Junioren
Bayerischer Meister Junioren
Bayerischer Pokalsieger Junioren
Bayerischer Meister Jugend

2011
Deutscher Meister Herren
Deutscher Vizemeister Junioren
Bayerischer Meister Junioren
Bayerischer Pokalsieger Junioren
3. Platz Europapokal Schüler

2010
Deutscher Vizemeister Herren
Deutscher Vizepokalsieger Herren
Deutscher Meister Schüler
Bayerischer Meister Schüler
Deutscher Vizepokalsieger Schüler

2009
Deutscher Pokalsieger Herren
3. Platz Bundesliga Süd Herren
Bayerischer Meister Jugend
Bayerischer Meister Schüler

2008
3. Platz Bundesliga Süd Herren
Europapokalsieger Junioren
Bayerischer Meister Junioren
Bayerischer Vizemeister Jugend

2007
2. Platz Bundesliga Süd Herren
Vizeeuropapokalsieger Junioren
Deutscher Meister Junioren
Bayerischer Vizemeister Jugend

2006
Deutscher Meister Junioren
3. Platz Europapokal Junioren

2005
Deutscher Vizemeister Junioren
Vizeeuropapokalsieger Jugend
3. Platz Deutsche Meisterschaft Jugend
Bayerischer Meister Jugend

2004
3. Platz Europapokal Jugend
Deutscher Vizemeister Jugend
Bayerischer Meister Jugend

2003
4. Platz Bundesliga Süd Herren
5. Platz Europapokal Jugend
Deutscher Vizemeister Jugend
Bayerischer Meister Jugend

2002
3. Platz Bundesliga Süd Herren
Deutscher Vizemeister Jugend
Bayerischer Meister Jugend
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