Junger Mann stellt monatelang Kindern nach

Ein erst 17- und später 18-Jähriger folgte Kindern, schrieb ihnen Liebesbriefe oder machte unerlaubt Bildaufnahmen. Nun stand er vor Gericht. (Foto: Symbolbild: skycinema-123rf.com)


Insgesamt sechs Kindern stellte ein junger Mann, der sich am vergangenen Donnerstag vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten musste, zwischen 2016 und 2017 nach. Zur Tatzeit war er selbst erst 17, später dann 18 Jahre alt. Die Buben, deren Nähe er suchte, waren in einem Alter zwischen zwölf und 14 Jahren. Zum Schutz des jungen Täters entschied das Gericht, die Öffentlichkeit auszuschließen, nachdem die Anklageschrift verlesen wurde.

Der Kontakt mit dem ersten Jungen begann im Juni 2016. Laut Anklageschrift habe der Angeklagte damals die Schwester des 13-Jährigen auf der Online-Platform Instagram kontaktiert, um herauszufinden, was er dem Jungen zum Geburtstag schenken könnte. Er verfolgte den 13-Jährigen aus Weilheim, beobachtete ihn beim Essen in einem Restaurant oder im Haus eines Freundes.

Als schließlich ein Kontaktverbot ausgesprochen wurde, rief der Angeklagte bei dem zwölfjährigen Freund des Jungen an oder klingelte an seiner Wohnungstür, um sich dann hinter einem Busch zu verstecken. "Der Geschädigte traute sich eine Zeit lang nicht mehr alleine aus dem Haus und wollte nicht mehr allein durch Weilheim gehen, aus Angst, den Angeklagten zu treffen", wirft die Staatsanwaltschaft dem 20-Jährigen vor.Einem weiteren Buben in Weilheim habe der Angeklagte Briefe gesendet, in denen er ihm unter anderem seine Liebe bekundete.

Im September 2016 wandte er seine Aufmerksamkeit dann einem 13-Jährigen zu, der ein Internat am Ammersee besuchte. Der Angeklagte versuchte, mit dem Jungen auf WhatsApp ein Treffen zu vereinbaren. Nachdem der Vater ihn anrief und bat, seinen Sohn nicht mehr zu kontaktieren und den jungen Mann auf WhatsApp blockierte, gestand der Angeklagte dem Jungen per SMS seine Liebe. Trotz eines mehrfach ausgesprochenen Hausverbots hielt er sich außerdem immer wieder auf dem Schulgelände auf, auf dem der 13-Jährige lebte. Der Junge sei dadurch sehr eingeschüchtert worden, so die Staatsanwaltschaft.

Ab Ende 2017 befand sich der Angeklagte dann in Hochzoll, wo er auch heute noch lebt. Hier näherte er sich mehrfach einem Schüler auf dem Gelände des Rudolf-Diesel-Gymnasiums und schrieb ihm einen Brief, in dem er ankündigte, in seine Klasse eintreten zu wollen. Außerdem klingelte er in einem Fall so lange an der Haustüre des Jungen, bis die Eltern die Polizei riefen. Ebenfalls in Augsburg habe er sich auf das Grundstück eines anderen Jungen geschlichen und durch ein Fenster Bilder zweier Kinder am Esstisch gemacht.

Angeklagt wurde der heute 20-Jährige wegen unbefugten Nachstellens in mehreren Fällen, Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz, Hausfriedensbruch und Verletzung des persönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen.

Wie sich der Angeklagte selbst zu seinen Taten äußerte, ist nicht bekannt. Auf Antrag der Verteidiger wurde die Öffentlichkeit nach Verlesung der Anklageschrift aus der Verhandlung ausgeschlossen.

Hinter verschlossenen Türen gestand er wohl alle Vorwürfe. Sexuell belästigt habe er die Kinder aber in keinem der Fälle. Der 20-Jährige wurde zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. (lat)
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