Die Demokratie wird überleben

Moderator Daniel Leichtle, Asya Vural, Ramona Strobel, Maximilian Feldmann, Yonatan Shay, Rezwan Shaheedi, Sam Longlet und Toby Jones diskutieren friedlich und respektvoll über das aktuelle Thema Demokratie.
 
(von links) Gottfried Morath freut sich über eine rege Diskussionsrunde zur Demokratie mit den Teilnehmern Ramona Strobel und Asya Mural vom Holbeingymnasium, Nahost-Wissenschaftler Maximilian Feldmann, Yonatan Shay, Gesandter der Jewish Agency, Sam Longlet aus den USA, Moderator Daniel Leichtle, Toby Jones aus Australien und Rezwan Shaheedi aus Afghanistan.
Augsburg: Kinder-, Jugend- und Famiienhilfe Hochzoll |

Jugendliche aus fünf Kontinenten mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen diskutieren respektvoll über Demokratie

Bereits zum sechsten Mal kamen Jugendliche unterschiedlicher Kulturen und Religionen in den Räumen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Hochzoll zusammen und diskutierten friedlich zu Themen des aktuellen Weltgeschehens. Wieder hat Organisator Gottfried Morath vom Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ es geschafft, sieben Jugendliche im Alter von 17 bis 31 Jahren aus verschiedenen Kontinenten in einer Gesprächsrunde zusammenzubringen, um mit Respekt miteinander zu diskutieren. Diesmal drehte sich alles um das wichtige Thema dieser Tage „Kann die Demokratie so überleben?“

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde vertraten die drei großen Weltreligionen. Die Runde war damit wieder international, multikulturell und interreligiös. Moderiert hat diesen Abend der 25-jährige Daniel Leichtle, der in Augsburg Juso-Mitglied ist. Das Interesse war sehr groß. Über 30 interessierte Jugendliche und Erwachsene kamen in die Räume an der Karwendelstraße 7 und diskutierten im Anschluss an die Diskussion kontrovers mit. Es gab nur positive Rückmeldungen, sowohl von den Teilnehmern als auch von den Zuhörern.

Die sieben jungen Menschen sitzen im Halbkreis zum Jugendgespräch: Christen, Juden und ein Muslim. Der 18-jährige Australier Toby Jones hatte die weiteste Anreise. Zurzeit ist er als Austauschschüler in Deutschland genauso wie der 17-jährige Sam Longlet, der aus den USA kommt. Rezwan Shaheedi (24) kommt aus Afghanistan. Er ist Autopfleger und derzeit auf der Suche nach einem Job. Zudem sitzen der Jude Israeli Yonatan Shay, ein Gesandter der Jewish Agency für Israel, und der Jude und Nahostwissenschaftler Maximilian Feldmann in der Runde. Ramona Strobel und Asya Vural sind im Holbein-Gymnasium und belegen das W-Seminar Geschichte.

„Viele Politiker und Bürger machen sich zunehmend Sorgen um unsere Demokratie und denken dabei an unsere Nachbarn mit populistischen Bewegungen, wie zum Beispiel Ungarn, Polen, Niederlande, Österreich, Italien und weitere. Aber auch an die Türkei und an unser Land mit der AFD“, sagt Gottfried Morath. Er könnte dazu noch mehr sagen, wollte aber den jungen Diskussionsteilnehmern nicht vorgreifen. Doch eines wollte er klar zum Ausdruck bringen: „Es ist eine Schande für Deutschland, wenn eine Partei gewählt wird, die immer wieder mit antisemitischen Parolen hetzt.“

Yonatan Shay ist sicher: „Wir Menschen haben bislang kein besseres System als die Demokratie erfunden.“ Den aufkommenden Antisemitismus sieht er mit Sorge. Für Maximilian ist das „kein Weltuntergang“. Die Deutschen seien inzwischen in der Demokratie gefestigt. Australien kämpft mit vielen politischen Wechseln, wie Toby erzählt. Den großen Einfluss der Automobil-Lobby beklagen die beiden deutschen Schülerinnen. Der amerikanische Austausch-Schüler Sam ist sehr besorgt, was in den USA alles passiert gegenwärtig. Deshalb werde er immer wählen gehen. Er hat das Vertrauen in das demokratische Amerika noch nicht verloren und ist voller Hoffnung, dass sich die amerikanische Politik wieder zum Besten wenden wird. Nahostwissenschaftler Maximilian Feldmann weiß, dass es Tendenzen gibt, die auch den Nahen Osten in Richtung Demokratie verändern. Wenn Rezwan, der anerkannte Flüchtling aus Afghanistan, von Demokratie spricht, meint er Frieden. In seiner Heimat herrscht Krieg. Er kennt es nicht anders.

Trotz vieler Sorgen schauen die Teilnehmer mit Zuversicht nach vorne und hoffen auf eine gute Zukunft. Die Demokratie wird überleben. „Es ist vieles gut, aber auch nicht rosig“, sagt Moderator Leichtle zum Schluss.

„Die Grundlage für die Lösung von Problemen ist ein respektvolles Gespräch mit gutem Willen. Für Jugendliche gibt es bisher nur wenige Gespräche dieser Art, schon gar nicht in dieser bunten Zusammensetzung. Jeder soll erkennen, dass ein konstruktives und interessantes Gespräch möglich ist. Und das ist den Jugendlichen heute Abend wieder hervorragend gelungen“, sagt Gottfried Morath. Damit werde ein wichtiges öffentliches positives Zeichen gesetzt. Dieses Jugendgespräch passe sehr gut zum Zweck des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, der überparteilich und bundesweit ist. Denn Zweck des Vereins ist es, mit verschiedenen Veranstaltungen an die schrecklichen Auswirkungen von Diktaturen zu erinnern und die demokratisch gesinnten Kräfte zu stärken. „Die Jugendlichen, die Zuhörer und die Zeitungsleser sollen erkennen, dass ein solches respektvolles und friedliches Gespräch möglich ist. Damit wird ein öffentliches positives Zeichen in der Friedensstadt Augsburg gesetzt“, so Morath.

Der Termin für die nächste Diskussionsrunde am gleichen Ort steht bereits fest: Am 11. März 2018 um 19.30 Uhr zum Thema „Was tun gegen Antisemitismus?“
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