Baumfällungen am Herrenbach beginnen - Kritik am Kahlschlag

96 Bäume werden am Herrenbach gefällt. Foto: Katharina Schwarzott

In Augsburg mussten in den vergangenen Monaten unzählige Bäume fallen. Daran äußern die Augsburger Grünen harsche Kritik. Gleich zwei Pressemitteilungen hat die Partei nun herausgegeben. Vor allem die geplanten Fällungen am Herrenbach sind den Grünen ein Dorn im Auge. Die Stadt betont, dass es keine Alternative zu der Abholz-Aktion gebe. Die Fällungen beginnen am Dienstag.

"Die Bäume müssen gefällt werden, die Bäume müssen gefällt werden, die Bäume müssen gefällt werden: Das scheint das Mantra der Ämter und Landesbehörden in Augsburg zu sein", moniert Peter Rauscher, Vorsitzender der Augsburger Grünen. "So schön Baumschutz- und Naturschutzkonzepte in den Schubladen sind, in der Realität beweisen sie sich fast alle als Blindgänger", urteilt er - und kritisiert damit auch den Umweltreferenten aus der eigenen Partei, Reiner Erben. Ob am Theater, in Göggingen, in Inningen und nun am Herrenbach. "Das einzige was sicher am Baumschutzkonzept unserer Stadt ist, dass eine Möglichkeit gefunden wird, die Bäume dennoch zu fällen", sagt Rauscher.

Auch Stadtratsfraktion der Grünen übt Kritik

Kritik kommt auch von der Stadtratsfraktion der Grünen, die freilich etwas zurückhaltender in ihren Formulierungen ist. Man bedauere die notwendige Baumfällungen am Herrenbach, schreibt die Fraktion in ihrer Pressemitteilung. Sie fordert nun "Ersatzpflanzungen zeit- und ortsnah im Textilviertel zu realisieren". Die Fraktion weist auf ihre Bemühungen - sowie die Bemühungen des Umweltausschusses und des Umweltreferenten - hin, die Bäume am Herrenbach vor der Fällung zu bewahren. Diese hätten letztlich nicht gefruchtet, da das städtische Tiefbauamt und das Wasserwirtschaftsamt aus Gründen des Hochwasserschutzes keine Alternativen zur Fällung aller 96 zu nahe am Herrenbach stehenden Bäume gesehen habe.

Im vergangenen Umweltausschuss sei eine fachliche Stellungnahme vorgestellt worden, nach der "die Erhaltenswürdigkeit der uferbegleitenden Bäume am Herrenbach unter der Berücksichtigung der Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes beurteilt wird", betont Martina Wild, Fraktionsvorsitzende der Grünen und Mitglied des Umweltausschusses. Diese komme zu dem Ergebnis, dass 31 Fällungen zwingend nötig seien, der Rest an Bäumen aber erhalten werden solle, wenngleich bei 15 Bäumen pflegerische Maßnahmen notwendig seien. Das Tiefbauamt halte diese Maßnahmen zwar für geeignet, das Gefährdungspotenzial stark herab zu setzen, sehe sie aber dennoch nicht für ausreichend, um eine Überschwemmung der umliegenden Viertel im Schadensfall auszuschließen. "Nachdem seit Jahrzehnten dort nichts passiert ist, hätten wir uns gewünscht, dass nach dem Baumgutachten eine neue Gefahreneinschätzung vorgenommen und ein Kompromiss zur Komplett-Fällung gefunden wird", sagt Wild.

Peter Rauscher sieht die Situation am Herrenbach noch kritischer. Die Bäume "haben das Wasserwirtschaftsamt Jahrzehnte lang nicht interessiert, nun müssen sie ganz schnell weg, weil bei einem Starksturmereignis Überschwemmungsgefahr für die Anwohner besteht. Diese plötzliche Erkenntnis ist für mich nicht nachvollziehbar".

"Leider scheint seitens des Wasserwirtschaftsamtes kein Interesse an einer Lösung mit den Bäumen zu geben", sagt Rauscher. "Sie akzeptieren ausschließlich Dämme ohne Bäume", so sein Fazit. Sein Vorschlag: Bei Starksturmereignissen im Vorfeld die Schleuse zum Herrenbach schließen. "Denn wenn kein Wasser fließt, kann auch nichts überschwemmt werden."

Im Notfall wäre die Zeit zu knapp

Die Stadt Augsburg hingegen hatte zuletzt versucht, "bei Strumwetterlagen über ein Krisenmanagement einen Wasserablass zu organisieren". Ein erster Testfall habe sich bereits am Pfingstwochenende ergeben. "Wie sich gezeigt hat, konnte nach einer Sturmwarnung der Gewässerablass aber nur mit einer deutlichen Verzögerung erfolgen. Im Notfall wäre die Zeit zu knapp, um das Ausfließen von Menschen und Sachen gefährdenden Wassermengen zu verhindern."

Fällungen am Herrenbach beginnen am Dienstag

Ab Dienstag werden daher zwischen Friedberger- und Reichenberger Straße die ersten 34 Bäume gefällt. Im Herbst werden die Fällungen dann fortgesetzt.

Für den Hauptstadtbach gelte ein Badeverbot, betont die Stadt. Der Herrenbach sei bereits bis auf die erforderliche Restwassermenge abgelassen.

"Die von meinen Fachbehörden und mir in den zurückliegenden Monaten eingebrachten Alternativen sind eingehend geprüft worden. Diese Baumfällaktion, die uns allen nicht gefällt, ist eine Frage der Verantwortung für die Menschen, die in diesem Stadtteil leben. Das Vorgehen ist daher in der gesamten Stadtspitze abgestimmt", bilanziert Umweltreferent Reiner Erben. (jaf)
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2 Kommentare
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Erwin Dr. Rauner aus Augsburg - City | 26.05.2018 | 11:46  
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roswitha baur aus Augsburg - Nord/Ost | 26.05.2018 | 22:54  
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