"Eine Zerstörung des Lebensraums": Initiative will sich gegen weitere Baumfällungen einsetzen

Bei den Fällungen im Mai protestierten einige Anwohner. (Foto: Kristin Deibl)

Die Vorsitzende des Vereins „Baum-Allianz Augsburg“, Susanne Altmann, lebt direkt am Herrenbach, wo im vergangenen Monat 34 Bäume gefällt wurden – nach Angaben der Stadt aus Gründen des Hochwasserschutzes. Sie sei oft am Kanal spazieren gegangen: „Das war eine Idylle, jetzt ist es das nicht mehr. Es fühlt sich wirklich schrecklich an, wenn ein Teil des eigenen Lebensraums so zerstört wird“, sagt sie.

Zusammen mit 19 weiteren Mitgliedern gründete Susanne Altmann nun die Baum-Allianz Augsburg. „Wir treten als Initiative auch für den Hochwasserschutz der Bürger ein“, stellt Vorstand Bruno Marcon klar. Doch die bisherigen Erklärungen, was zu einem besseren Hochwasserschutz führt, und wann, wie die Stadt es ausdrückte „Gefahr im Vollzug ist“ seien für den Verein nicht ausreichend. Die Mitglieder wollen nun Gutachter heranführen und noch einmal überprüfen lassen, ob die Fällungen wirklich notwendig waren.

Unter anderem sollen Experten prüfen, ob das Ablassen des Wassers bei Unwetterwarnungen nicht doch schneller durchführbar sei. Die Stadt hatte sich für die Fällungen entschieden, da ihnen dieser Prozess mit drei Stunden zu lange gedauert hatte. Gespräche mit den Angestellten hätten allerdings ergeben, dass diese schlichtweg zum ersten Mal Wasser auf diese Weise abgelassen und deshalb noch keine Routine hatten. Inzwischen könnten sie die Maßnahme sehr viel schneller durchführen.

Durch das Ablassen des Wassers könnte das Risiko durch umstürzende Bäume verhindert werden, welche die Betonwanne des Kanals beschädigen könnten. Auch technische Verbesserungen könnten den Prozess beschleunigen. Zudem fordert die Allianz die Offenlegung des bisherigen Schriftverkehrs mit den Behörden.

„Grünzonen benötigen den obersten Schutz in der Stadtentwicklung“, meint Marcon, doch in letzter Zeit scheine das Fällen von Bäumen immer schneller zu gehen. Nach dem Herrenbach wolle der Verein sich auch für den Schutz der Bäume im Rest von Augsburg einsetzen. „Stadtgrün ist nicht gleich Stadtgrün“, merkt ein Mitglied des Vereins an. „Die gefällten Bäume waren natürlich gewachsen und zum Teil über 70 Jahre alt. Das kann nicht einfach durch eine neu angelegte Grünanlage ersetzt werden.“ Besonders im innerstädtischen Bereich habe jeder Baum eine wichtige Ausgleichsfunktion, meint auch Marcon.

Am 16. Juli organisiert die Baum-Allianz eine Bürgerveranstaltung im Herrenbach. Der Verein will die Bürgerbeteiligung beibehalten und die Diskussion schließlich in die gesamte Stadtpolitik einbringen. „Das nächste Mal wird es dann hoffentlich richtige Blockaden geben“, sagt Altmann. „Wir gehen davon aus, dass kein Baum am Herrenbach mehr gefällt wird.“
2
Diesen Autoren gefällt das:
2 Kommentare
7
Hermine Weimann aus Augsburg - Süd/Ost | 27.06.2018 | 23:04  
7
Gerhard Micheler aus Augsburg - Nord/Ost | 09.07.2018 | 20:52  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.