Tierischer Ärger um Parken am Zoo

Lästig und oft nicht von Erfolg gekrönt ist die Parkplatzsuche am Augsburger Zoo. Foto: Monika Grunert Glas

Wohin in Augsburg? Da fällt vielen Menschen der Zoo ein. Er ist, ebenso wie der benachbarte Botanische Garten, ein beliebtes Ausflugsziel. So kommt es, vor allem am Wochenende, an Feiertagen und während der Ferien dazu, dass der Parkplatz hoffnungslos überfüllt ist. Folge: Zugestellte Wohngebiete rings herum. Manche Anwohner kommen oft nicht mehr aus ihren Einfahrten. Zuletzt empfahl die Stadt, auf Parkplätze bei Schulen und Lebensmittelmärkten auszuweichen - allerdings sind diese etwas weiter vom eigentlichen Ziel entfernt.

Die Lösung des Problems, das sich verschärft hat, seit die Handwerkskammer 2014 genau am Parkplatz gebaut und darauf Stellplätze angemietet hat, könnte ein Parkdeck sein.

Ob der Bau möglich wäre, soll untersucht werden. Das beschloss der Bauausschuss gegen die Stimmen der Grünen. Gegen das SPD-Votum wird die Einführung von Parkgebühren geprüft. Einig war man sich über ein Maßnahmenpaket zu einem Parkleitsystem.

Für ein Parkdeck setzt sich die SPD ein, während die Grünen es kategorisch ablehnen und auch die CSU es bislang nicht präferiert. Baureferent Gerd Merkle sagt, ein Parkdeck für 300 Autos würde zehn Millionen Euro kosten, und das sei für die Stadt nicht zu stemmen. Außerdem sei es im Siebentischwald "ein städtebauliches Unding". 

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses setzte die SPD-Fraktion dennoch ihre Forderung auf nähere Prüfung eines Parkdecks durch. Florian Freund, Fraktionschef der Sozialdemokraten sagt: "Die Entscheidung ist zukunftsweisend und richtig. Durch die Schaffung von mehr Parkplätzen würde sich gerade in Spitzenzeiten die Verkehrssituation in den umliegenden Wohngebieten deutlich entspannen."

Auch das Parkleitsystem, das Autofahrer über belegte Parkplätze informiert und auf die Ausweichstellmöglichkeiten, etwa an der Berufsschule an der Haunstetter Straße oder am Spickelbad hinweist, und eine bessere Anbindung via ÖPNV wurden beschlossen. Zwischen Bad und Zoo/Garten soll es einen Shuttleservice geben. Merkle sagte, es käme auch ein Fahrradverleih ab Berufsschule in Frage und ein Kombiticket für Bus und Zoo.

Für derartige Ideen erntet die CSU bei ihrem Koalitionspartner SPD keinen Beifall. Besonders kritisch sieht die SPD-Fraktion die Einführung von Parkgebühren für die rund 860 Stellflächen. Diese - gedacht ist an drei Euro pro Tag - hat das CSU-geführte Baureferat vorgeschlagen, auch, um damit die 120.000 Euro zu erwirtschaften, die zur Finanzierung des Ordnungsdienstes nötig seien.

Dieser regelte heuer an Tagen, die besonders viel Besucher anlockten, den Verkehr, und soll das auch 2020 wieder übernehmen. Die Ordnungshüter gestatten in den umliegenden Wohngebieten nur Anliegern die Durchfahrt.

Freund sagt dazu: "Die Gebühren sind kontraproduktiv, lösen das Problem nicht und werden es sogar verschärfen." Die Befürchtung: Wer nicht zahlen möchte, kurvt noch länger rund um Zoo und Botanischen Garten und stellt sein Auto womöglich am Ende einfach auf einer Grünfläche ab. 

Zoo-App, um Parkplatz zu reservieren

Die SPD hat eine Zoo-App beantragt. "Durch diese sollen Besucher die Möglichkeit haben, von zu Hause oder unterwegs Parkplätze zu reservieren, Eintrittskarten zu erwerben und sich vorab über Neuheiten und einen Zoo- und Gartenplan zu informieren" sagt Florian Freund. Er ist zudem überzeugt, dass die 60 Prozent der Besucher, die von außerhalb kommen, meist mit dem Auto anreisen, den Nachwuchs dabei haben und nicht mit dem Kinderwagen einen abseits liegenden Parkplatz oder ein Shuttle nutzen möchten. Man komme nicht umhin, zusätzlichen Parkraum zu schaffen. 

"Wer Parkdecks streut, erntet Autoverkehr", ist sich dagegen der CSU-Fraktionsvorsitzende Bernd Kränzle sicher. Es solle nicht durch weitere Angebote zusätzlich Parkverkehr ins Viertel geführt werden. "Fachliche Untersuchungen belegen zudem, dass solche Angebote nach gewisser Zeit ausgelastet sind und zu noch mehr Parkdruck führen."

Auch die Grünen positionieren sich gegen ein Parkhaus am Zoo und pro Parkgebühr. Matthias Lorentzen, mobilitätspolitischer Sprecher der grünen Fraktion, sagt: "Wir erteilen der Forderung der SPD, jetzt ein Parkdeck am Zoo und Botanischen Garten zu realisieren, eine klare Absage. Wir brauchen ein umweltfreundliches und zukunftsfähiges Mobilitätskonzept."

Umweltfreundliche Anreise zum Zoo fördern

Durch ein Parkdeck werde der Autoverkehr gefördert und nicht eingedämmt: "Mit so einer Verkehrspolitik, kann Augsburg dem Klimaschutz und der Luftreinhaltung nicht gerecht werden. Statt den Autoverkehr auf diese Weise weiter zu subventionieren, wollen wir eine umweltfreundliche Anreise zum Zoo und Botanischen Garten fördern und den ÖPNV mit attraktiven Angeboten und einer Taktverdichtung stärken", so der Grünen-Sprecher.

Lorentzen kritisiert zudem, es sei schleierhaft, wie die SPD Gebühren ablehnen, aber ein Parkdeck befürworten könne, denn wie solle dieses sonst finanziert werden? Fraktionschefin Martina Wild ergänzt und geht dabei sogar konform mit CSUler Merkle: "Es ist paradox, massenhaft Autos in Einrichtungen zu leiten, welche sich mit dem Thema Flora und Fauna befassen." Ein Parkhaus löse eine Autolawine durch den Spickel aus, dessen Bewohner in ein Mobilitätskonzept für das Stadtviertel einbezogen werden müssten. 
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