Die Augsburger Kanutin Selina Jones /Selina Jones gewinnt Bronze bei Nachwuchs-WM

GANZ RECHTS MIT DER BRONZE MEDAILLE IM EINZEL SELINA JONES VON DEN KANU SCHWABEN (Foto: Philipp Reichenbach)
 
Emily Apel (Foto: Philipp Reichenbach)
 
Julian Lindolf (Foto: Dr. Jürgen Lindolf)
 
Vorfahrer in Krakau bei der WM Philipp Süß (Foto: Dr. Jürgen Lindolf)
Die Augsburger Kanutin Selina Jones / U 23 Nationalmannschaft holte sich 2 x Bronze in Krakau und der Friedberger Julian Lindolf die WM Silbermedaille bei den Junioren im Canadier Einer Teamwettbewerb.

Selina Jones gewinnt Bronze bei Nachwuchs-WM


In Krakau gewinnt die Augsburgerin ihre erste internationale Einzelmedaille. Felix Göttling wird als zweiter deutscher Finalist siebter.

Nach der starken Vorstellung der letzten beiden Tage, in denen sich 23 der 24 gestarteten Boote für die Semifinals qualifizieren konnten, fehlten heute das nötige Quäntchen Glück und meist wenige Zehntelsekunden, um sich in die internationale Spitze der besten Zehn fahren zu können.
Insbesondere die Canadier-Herren bei der U23 bekamen die besondere Leistungsdichte an der Führung zu spüren. Der Leipziger Lennard Tuchscherer lag in seinem Halbfinallauf gut auf Kurs, er führte an beiden Zwischenzeiten deutlich und hätte so seine Qualifikation für den Endlauf sicher gehabt. Doch leider vergab der 20-jährige diese Chance, als er sich am letzten Tor der Strecke noch eine Torstabberührung einhandelte. Da die ersten zehn Boote allesamt nur innerhalb von 1,55 Sekunden lagen, war mit der 2-Sekunden Zeitstrafe nichts mehr zu machen und er rutschte auf Platz 15 ab. Ohne sie, hätte er sich auf Rang 3 einsortiert. Sein Zeitzer Teamkollege Timo Trummer fuhr zwar fehlerfrei, ließ aber an einigen Stellen wichtige Zeit liegen. Auch er verpasste die Top-Ten um nur 65 Zehntelsekunden und wurde zwölfter.
Ebenfalls auf dem zwölften Rang kam die Dormagenerin Anna Faber ins Ziel. Auch ihr verwehrte eine Torstabberührung die finale Runde, ihre Hallenser Teamkollegin Stella Mehlhorn wurde 19.

Die dritte Kajak-Dame Selina Jones brachte ihr Halbfinale fehlerfrei herunter und schaffte die Hürde als 4. Im Finale fuhr die Augsburgerin einen couragierten Lauf und verbesserte sich nochmals um knapp eineinhalb Sekunden auf eine Fahrzeit von 98,34s. Im Ziel leuchtete dafür Platz zwei auf. Im Wissen, dass noch 3 namhafte Sportlerinnen folgen würden, konnte sich die 21-jährige nicht sofort über den Lauf freuen. Doch nur die Tschechin Amalie Hilgertova schaffte noch den Sprung an die Spitze. Als sich andeutete, dass Jones die Bronzemedaille gewinnen würde, konnte sie die Freudentränen nicht mehr zurückhalten. „Ich bin einfach so happy, dass ich endlich mal einen Lauf runtergebracht habe, bei dem mir nicht mein Kopf im Weg stand. Ich habe mich noch nie so richtig frei gefühlt“ sagte sie überglücklich mit Bronze um den Hals. Für sie ist es die erste internationale Einzelmedaille überhaupt.

Am Nachmittag starteten die Junioren in ihre Semifinals. Hier zeigte Felix Göttling als einziger deutscher einen fehlerfreien Lauf. In der Qualifikation erst über die zweite Runde qualifiziert, belohnte sich der Hallenser im Halbfinale dafür mit dem siebten Rang und der Qualifikation für den Endlauf als einziger deutscher Junior an diesem Tag. Dort hatte er jedoch an einem Aufwärtstor im Mittelteil mit Problemen zu kämpfen. „Da ist besonders viel Luft im Wasser. Das haben wir extra vorher nochmal durchgesprochen. Schade, dass mir gerade dort die Berührung passiert ist“ war der 17-jährige nicht ganz zufrieden. „Trotzdem bin ich glücklich, im Finale gestanden und einen eigentlich ganz guten Lauf gezeigt zu haben.“ Felix Göttling verteidigte damit seinen Rang und wurde am Ende siebter. Die beiden anderen deutschen Starter Benjamin Kies und Julian Lindolf beendeten ihr Rennen mit den Platz 15 und 26.

Den dritten zwölften Platz des Tages musste die Augsburgerin Emily Apel erst einmal verkraften. Nach den beiden knappen vierten Plätzen in der Mannschaft bei der EM und WM, schied sie hier nun auch mit nur knapp acht Zehntelsekunden aus Rennen aus. Ihre Teamkolleginnen Liv Konrad und Annkatrin Plochmann kamen mit den Rängen 17 und 21 ins Ziel.


Ergebnisse erster Finaltag:
Herren, Canadier-Einer U23: 1. Nicolas Gestin (FRA) 90,39 (0), 2. Lucas Roisin (FRA) 91,34 (0), 3. Liam Jegou (IRL) 91,97 (2), Im Halbfinale ausgeschieden: 12. Timo Trummer (GER) 94,93 (0), 15. Lennard Tuchscherer (GER) 95,46 (2), In der Qualifikation ausgeschieden: 32. Soeren Loos (GER) 105,23 (0)
Damen, Kajak-Einer U23: 1. Amalie Hilgertova (CZE) 95,22 (0), 2. Klaudia Zwolinska (POL) 95,76 (2), 3. Selina Jones (GER) 98,34 (0), Im Halbfinale ausgeschieden: 12. Anna Faber (GER) 104,23 (2), 19. Stella Mehlhorn (GER) 110,15 (2)
Junioren, Canadier-Einer: 1. Nejc Polencic (SLO) 98,47 (4), 2. Szymon Nowobilski (POL) 99,22 (2), 3. Adrien Fischer (FRA) 99,26 (2), 7. Felix Goettling (GER) 103,71 (2), Im Halbfinale ausgeschieden: 15. Benjamin Kies (GER) 104,00 (4), 26. Julian Lindolf (GER) 108,87 (6)
Juniorinnen, Kajak-Einer: 1. Antonie Galuskova (CZE) 100,91 (2), 2. Eva Alina (SLO) 102,00 (0), 3. Evy Leibfarth (USA) 102,35 (6), Im Halbfinale ausgeschieden: 12. Emily Apel (GER) 106,77 (2), 17. Liv Konrad (GER) 108,78 (4), 21. Annkatrin Plochmann (GER) 112,62 (6)

Nur eine Finalteilnahme am zweiten Entscheidungstag in Krakau

Trotz Einzel-Bronze und drei Mannschaftsmedaillen fällt das Fazit der Junioren & U23 WM nicht zufriedenstellend aus.

Bei den U23-Canadier-Damen schaffte keine der drei deutschen die Hürde der besten zehn. Nele Bayn fand zwar einen guten Einstieg in ihren Lauf, hatte dann aber bei den vielen Walzenüberquerungen auf der Strecke ihre Probleme. Die Leipzigerin wurde immer wieder festgehalten und verlor dadurch viel Zeit. Sie kam am Ende auf Rang 22 ins Ziel. Auch ihre Teamkollegin Anne Bernert konnte mit sechs Strafsekunden nicht mehr um die vorderen Plätze mitfahren. Pech hatte die 18-jährige Zoë Jakob aus Schwerte. Sie prallte bei einer Drehung mit ihrem Heck gegen einen Poller, die Spitze schlug dadurch wieder flussabwärts und sie tauchte in die nächste Walze viel zu steil ein. Anschließend musste sie einen weiten Bogen bis zum nächsten Aufwärtstor zurücklegen und reihte sich schlussendlich – einen Rang vor Bernert – auf Platz 21 ein.
Auch bei den K1-Herren der U23 gab es wider Erwarten keine Finalteilnahme. Leo Bolg (Augsburg) fuhr zwar fehlerfrei, dafür aber etwas zu verhalten. So reichte seine Fahrzeit am Ende nicht gegen die starke internationale Konkurrenz und er wurde 21. Seine beiden Teamkollegen Lukas Stahl und Thomas Strauß gingen ein wenig mehr Risiko, hatten aber dann ebenfalls bei einer Walzendurchfahrt Probleme. Der Augsburger Thomas Strauß rutschte kurz vor dem nächsten Abwärtstor aus der Welle und musste einmal um das Tor herumfahren, Lukas Stahl (Hamm) wurde von einer Walze festgehalten, musste in dieser rückwärts drehen und das folgende Aufwärtstor noch einmal neu ansetzen. Beide verloren dadurch so viel Zeit, dass auch sie am Ende nicht um die vorderen Plätze mitkämpfen konnten.

Jannemien Panzlaff, Claire Harlak und Hannah Süß hatten bei den Juniorinnen im Canadier-Einer ebenfalls mit der Strecke zu kämpfen. Alle drei trafen keine Ideallinie und mussten dadurch weitere Bögen in Kauf nehmen. Für sie standen am Ende die Plätze 22, 27 und 28 auf der Ergebnisliste.
Die einzige deutsche Finalteilnahme am zweiten Entscheidungstag sicherte sich Maximilian Dilli bei den Kajak-Junioren. Der zuvor gestartete Tillmann Röller touchierte zwei Tore und kassierte damit vier Strafsekunden. Zusammen mit einer nicht ganz optimalen Linie beendete der Schwerter sein Rennen als 30. Auch Paul Bretzinger hatte bis zur ersten Zwischenzeit schon sechs Strafsekunden eingesammelt und kam am Ende mit Rang 23 ins Ziel. Der Kreuznacher Dilli fuhr dagegen fehlerfrei und sicherte sich mit dem 7. Platz eine Teilnahme im entscheidenden Lauf.
Hier wollte er noch einmal eine Schippe drauflegen und ging mehr Risiko. Leider wurde dies nicht belohnt und er kassierte zwei Torstabberührungen. In einem Finale, bei dem die beiden Erstplatzierten mit ihrer Fahrzeit auch das Finale der U23-Altersklasse gewonnen hätten, wurde der 17-jährige schlussendlich achter. „Mein Ziel, das Finale habe ich erreicht. Ich habe mich heute ganz gut gefühlt. Leider ist das mit den zwei Berührungen dann nicht so gut gelaufen.“

Für Nachwuchs-Bundestrainer Eric Mendel fällt das Fazit der WM trotz Bronze durch Selina Jones und der drei Mannschaftsmedaillen dennoch kritisch aus: „Nach anstrengenden fünf Wettkampftagen, muss man festhalten, dass die WM nicht nach unserer Zufriedenheit verlaufen ist. Speziell bei der U23 haben wir uns mehr Finalplatzierungen erhofft. Dort machten vor allem unnötige Fahrfehler den Unterschied zwischen Finale und den hinteren Plätzen. Man muss aber auch dagegenhalten, dass uns in diesem Jahr die drei Topfahrer der U23 gefehlt haben.“ Durch die nationale Qualifikation für Olympia 2020 in Tokyo konzentrieren sich Andrea Herzog, Elena Apel und Florian Breuer derzeit auf die zweite Saisonhälfte und ließen die beiden Nachwuchsveranstaltungen in dieser Saison aus. Auch bei den Junioren merkte er an, dass zwei Finalteilnahmen noch zu wenig sind. „Uns fehlen im Vergleich zu den Top-Nationen die Boote, die konstant in die Finals fahren. Dadurch sind wir in einigen Disziplinen derzeit nicht konkurrenzfähig. Hierbei sollte man aber auch berücksichtigen, dass einige Athleten noch sehr jung sind.“


Ergebnisse:
Damen, Canadier-Einer U23: 1. Ana Satila (BRA) 101,06 (0), 2. Alsu Minazova (RUS) 104,45 (4), 3. Monika Skachova (SVK) 105,95 (0), Im Halbfinale ausgeschieden: 21. Zoe Jakob (GER) 116,27 (2), 22. Anne Bernert (GER) 116,95 (6), 29. Nele Bayn (GER) 131,56 (2)
Herren, Kajak-Einer U23: 1. Pol Oulhen (FRA) 86,02 (0), 2. Mathurin Madore (FRA) 86,32 (0), 3. Mario Leitner (AUT) 87,72 (0), Im Halbfinale ausgeschieden: 16. Lukas Stahl (GER) 90,10 (0), 21. Leo Bolg (GER) 91,42 (0), 25. Thomas Strauss (GER) 92,82 (0)
Juniorinnen, Canadier-Einer: 1. Gabriela Satkova (CZE) 105,15 (0), 2. Tereza Kneblova (CZE) 107,73 (0), 3. Marta Bertoncelli (ITA) 109,93 (2), Im Halbfinale ausgeschieden: 22. Jannemien Panzlaff (GER) 130,20 (0), 27. Claire Harlak (GER) 147,66 (8), 28. Hannah Suess (GER) 147,97 (8)
Junioren, Kajak-Einer: 1. Anatole Delassus (FRA) 85,15 (0), 2. Jakub Krejci (CZE) 85,42 (0), 3. Vid Ostrbenk (SLO) 89,61 (0), 8. Maximilian Dilli (GER) 97,78 (4), Im Halbfinale ausgeschieden: 23. Paul Bretzinger (GER) 99,71 (8), 30. Tillmann Roeller (GER) 100,97 (4)
Text Philipp Reichenbach DKV
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