Information zur Situation im Slalom Canadier Zweier

nicht nur die beiden Nationalfahrer Franz Anton-Jan Benzien vom LKC Leipzig wären davon betroffen
 
nicht nur die beiden Nationalfahrer Franz Anton-Jan Benzien vom LKC Leipzig wären davon betroffen
Information zur Situation im Slalom Canadier Zweier

Liebe Sportfreunde,

Wie ihr insbesondere den sozialen Medien und der ICF-Web-Seite entnehmen
konntet, hat die ICF auf ihrer Boardsitzung in der letzten Woche in Tokio entschieden,
den C2 der Herren im Kanu-Slalom mit sofortiger Wirkung aus dem
Programm der Weltcups und der Weltmeisterschaft zu streichen und sich stattdessen
auf den C2-Mix zu konzentrieren.

Es gab auch im Vorfeld keine Informationen oder Gerüchte, dass das Slalom
Komitee unter Führung des Ressortleiters und Exekutiv Mitgliedes Jean-Michel
Prono, diesen Vorschlag dem Board unterbreiten wird. Ich hätte euch ansonsten
bereits vorab informiert.

Grundlage für die Entscheidung war eine Umfrage des ICF Slalom Komitees bei
allen nationalen Verbänden. Hier wurde abgefragt, wie viele Verbände beabsichtigen,
im Jahr 2018 mit Canadier-Zweiern und Mix-Zweiern an den Weltcups und
der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Nur 6 Nationen, darunter Deutschland haben
ihr Interesse bekundet, noch C2m zu den internationalen Wettkämpfen zu
melden. Demgegenüber wollen 12 Nationen C2mix für die Weltcups und die
Weltmeisterschaft 2018 melden. Auch unter Berücksichtigung der Meldeergebnisse
des letzten Jahres bei den Weltcups und der WM in Pau hat das Slalomkomitee
dann entschieden, sich zukünftig nur noch auf den C2-mix zu konzentrieren.

Dieser Umstand ist auch der ICF unter dem Aspekt der gleichen Anzahl
von Frauen- und Männerdisziplinen (IOC-Forderung) entgegengekommen.
Der Präsident unseres Weltverbandes hat in der Boardsitzung geäußert, dass
wenn überhaupt nur der C2-mix das Potenzial hat, wieder in das olympische
Programm aufgenommen zu werden. Allerdings ist nicht absehbar, dass die ICF
zusätzliche Quotenplätze für eine neue Disziplin erhält und mir erschließt sich
nicht wirklich, wie aus den Startern im C1 männlich und weiblich erfolgreiche
C2-mix Boote gebildet werden können.

Ich habe bei der Boardsitzung gegen die Streichung gestimmt, da ich der Meinung
war, dass unsere Athleten, die sich bereits auf die anstehenden internationalen
Wettkämpfe vorbereiten, nicht so kurzfristig von dieser Entscheidung überrascht
werden sollten. Allerdings stimmte die deutliche Mehrheit im Board für
den Vorschlag des Slalomkomitees.

Ich bedauere die Situation ausdrücklich, weil ich der Meinung bin, dass unsere
Athleten Vertrauensschutz ihres Weltverbandes erhalten sollten und auch wenn
jetzt nicht mehr olympische Disziplin, der C2 der Herren eine der aufregendsten
Bootsklassen in unserem Sport ist und nach wie vor viele Nationen diese Disziplin
betreiben.

Allerdings war der Druck des IOC auf alle Sportarten im olympischen Programm
groß, für beide Geschlechter gleiche Wettbewerbe anzubieten. Dies ist seit Jahren
eine Kernforderung des IOC, um als Sportart im olympischen Programm zu
bleiben, der sich auch die ICF nicht entziehen konnte. Deshalb ist der Beschluss
der ICF, den C2m aus dem olympischen Programm zu nehmen, aus internationaler
Sicht verständlich.

Nicht nur in Deutschland sind mit dem Wegfall einer olympischen Disziplin auf
Grund der gültigen Förderrichtlinien des Bundes die sofortigen Streichungen der
Fördergelder verbunden. Auch in den meisten anderen großen Kanunationen
wie z.Bsp. England, Frankreich oder Slowenien wurde die Förderung eingestellt.
Allerdings gibt es in anderen Kanudisziplinen wie z.B. im Kanu Polo gute Beispiele,
wie eine Sportart auch außerhalb des olympischen Programmes erfolgreich
wachsen und sich präsentieren kann.

Die Schwierigkeit im Kanu Slalom war es, dass 4 olympische Bootsklassen und
die dort startenden Athleten gefördert werden dürfen, wir aber keine finanziellen
Mittel mehr für den C2 der Herren aufwenden können. Diese Ungleichbehandlung
konnte im letzten Jahr durch kreative Finanzierung unseres Verbandes teilweise
noch ausgeglichen werden, aber ab 2018 müssten tatsächlich die für unseren
Verband im internationalen Bereich startenden Boote und Athleten sich
komplett selbst finanzieren. Dies ist nicht nur in unserem Verband fast unmöglich
den Athleten gegenüber zu begründen und deshalb war die Entscheidung der
ICF nur folgerichtig.

Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand werden aber zumindest noch in diesem
Jahr bei den Europameisterschaften der Senioren und des Nachwuchses, sofern
genügend Nationen melden, offizielle Europameisterschaften im C2m ausgefahren.

Die ECA hat bisher den C2-Mix noch nicht in ihr Regelwerk übernommen.
Sportpolitik ist manchmal kompliziert und vom betroffenen Athleten nur schwer
zu verstehen. Ich will deshalb mit meinem Brief die Hintergründe für die betroffenen
Athleten erläutern und möchte im Dialog mit euch nach Wegen zu suchen,
möglichst viele betroffene Athleten weiter an unsere Sportart zu binden.

Thomas Konietzko.
Präsident des DKV
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