Der Wolf ist im Augsburger Land angekommen

Es war ein Wolf, der nördlich von Augsburg ein Lamm gerissen hat. Das steht nun fest. Vor wenigen Tagen wurde ein weiteres Tier gefunden, von dem der Rissgutachter glaubt, dass es von einem Wolf getötet wurde. Deshalb wurde eine Genanalyse veranlasst (Symbolbild). (Foto: lightpoet/123rf.com)

Die genetische Analyse einer Probe, die an einem im April im nördlichen Landkreis Augsburg tot aufgefundenen Lamm genommen wurde, hat ergeben, dass das kleine Schaf von einem Wolf gerissen wurde.

Das Lamm lag kurz nach Ostern tot auf einer Weide bei Biberbach. Die Wiese befindet sich am Ortsausgang nahe der Umgehungsstraße. Eine weitergehende Analyse soll nun noch Erkenntnisse liefern, ob es sich um einen weiblichen oder männlichen Wolf handelt, und zu welchem Rudel das Raubtier gehört. Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern werden laut Landesamt für Umwelt (LfU), mit Sitz in Augsburg, nun informiert. Der Besitzer des Lamms erhält außerdem eine Entschädigung aus dem Ausgleichsfonds "Große Beutegreifer".

In einem weiteren Fall wurde erst vor wenigen Tagen ein weiteres Tier tot auf einer Weide in der Nähe von Biberbach aufgefunden. Medienberichte, wonach es sich um ein totes Kalb handelt, dementiert die Sprecherin des Umweltamtes die ihren Namen nicht genannt haben möchte. Dass es ein neugeborenes Fohlen war, wollte sie nicht bestätigen: "Wir geben erst Näheres bekannt, wenn die genetische Analyse aus dem nationalen Referenzlabor vorliegt."

Das könne noch zwei bis drei Wochen dauern. Die Sprecherin erläutert, wie vorgegangen wird. Ein Landwirt findet ein verendetes Tier, das eventuell von einem Wolf gerissen wurde. Er meldet es dem Netzwerk "Große Beutegreifer". Das Landesamt schickt dann einen ehrenamtlich tätigen Gutachter vor Ort.

Hält auch dieser einen Wolfsriss für nicht ausgeschlossen, wird eine tierärztliche Untersuchung veranlasst, bei der Genproben genommen werden, die dann ans Labor geschickt werden. Wie die Sprecherin des Landesamts für Umwelt weiter erklärt, könnten zwar nach Bayern jederzeit einzelne Wölfe zuwandern, diese befänden sich aber meist "auf der Durchreise". Ein Wolf stelle hohe Ansprüche an sein Revier, das 150 bis 350 Quadratkilometer groß ist. "Wir sprechen erst von Standorttreue, wenn der Wolf sechs Monate lang immer wieder nachgewiesen wird." Standorttreue Wölfe in Bayern gebe es bislang nur im Nationalpark Bayerischer Wald, im Veldensteiner Forst, der Rhön und auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

Wölfe im Raum Augsburg war nur eine Frage der Zeit

Im Nordosten Deutschlands und in den Alpen sowie in den neuen Bundesländern gibt es etliche Rudel. Jungtiere wandern, sobald sie geschlechtsreif sind, weite Strecken auf der Suche nach einem eigenen Territorium. Sie legen zwischen 50 und 70 Kilometer pro Tag zurück. Nachdem im Allgäu schon öfter Wölfe nachgewiesen wurden, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch im Raum Augsburg auftauchen würden. Im vergangenen Jahr wurde ein Wolf im östlichen Kreis Donau-Ries von einer Wildkamera fotografiert.

Der Wolf, einst weithin ausgerottet, gilt nun als streng geschützte Tierart. Doch er breitet sich relativ schnell aus. Erst am Mittwoch hat das Bundeskabinett deshalb den Gesetzesentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze gebilligt, wonach der Wolf bereits dann abgeschossen werden darf, wenn ernste Schäden für Nutztierhalter zu befürchten sind.

Bisher galt, dass der Landwirt in seiner Existenz bedroht sein musste, ehe ein Wolf zum Abschuss freigegeben wurde. Wenn nun in einer Region wiederholt Tiere gerissen werden, muss man außerdem nicht erst herausfinden, welcher Wolf Verursacher ist, dann geht es - unter strengen Auflagen - allen, die dort leben, an den Kragen, bis es keine Risse mehr gibt. 
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