Zweites totes Lamm bei Biberbach: Genetisches Gutachten liegt nun vor

Bei Biberbach biss ein Wolf ein Lamm tot. Das zweite Tier wurde nicht vom Wolf gerissen. Symbolfoto: hecke/123rf.com

Die Aufregung war groß, als kurz nach Ostern ein totes Lamm auf einer Weide bei Biberbach im Landkreis Augsburg gefunden wurde. Das Tier war gerissen worden, soviel stand sofort fest. Doch von wem? Hund oder Wolf, das war die Frage. Schließlich gab das Landesamt für Umwelt (LfU) mit Sitz in Augsburg vor rund vier Wochen bekannt, dass es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt hat. Anfang Mai wurde dann ein weiteres Tier - wie das Landesamt jetzt auf Nachfrage mitteilt, ebenfalls ein totes Lamm - in der Region gefunden.

Der Verdacht hatte sich zunächst gegen den Wolf gerichtet. Deshalb wurde auch in diesem Fall, nach einer ersten Begutachtung durch ehrenamtliche Mitarbeiter des Netzwerks "Große Beutegreifer", eine genetische Untersuchung vorgenommen. Nach dieser steht nun, wie die Sprecherin des Umweltamts sagt, fest, dass das Tier auf jeden Fall nicht von einem Wolf gerissen wurde. 

Totes Lamm: War es ein Hund?

Wie es letztlich zu Tode kam, bleibt offen. Die genetische Untersuchung ergab, dass ein Hund Spuren an dem Lamm hinterlassen hat. Die Sprecherin betont: "Das heißt nicht, dass das Lamm auch von einem Hund getötet wurde." 

Während nach einem Wolfsriss der Besitzer des oder der getöteten Tiere eine Ausgleichszahlung aus dem Fonds "Große Beutegreifer" bekommt, geht der Besitzer des Lamms diesmal wohl leer aus. 

Im Fall des Ostern tatsächlich vom Wolf gerissenen Lamms ist die genetische Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Je nachdem, ob es die Qualität der Proben zulässt, will man herausfinden, woher der Wolf, der das Tier getötet hat, stammt, also in welchem Rudel er aufgewachsen ist. Auch könnte man feststellen, ob es sich um eine Fähe oder einen Rüden gehandelt hat. 

Derzeit leben laut Umweltamt in Europa zwischen 10 000 und 15 000 Wölfe. Die größten Populationen mit fast 4000 Tieren findet man in den Balkanländern. Im Baltikum soll es etwa 4300 Wölfe geben, in den Karpaten 3000. In Spanien sind es 2500 Tiere, in Italien maximal 800. In Schweden und Frankreich sind es je 150 bis 250. Auch in Bayerns Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz und Tschechien leben Wölfe.

In Deutschland entdeckte man 1996 zum ersten Mal wieder einen Wolf. Der aktuellste Stand bezieht sich jedoch auf das Jahr 2015, als 31 Rudel und acht Paare nachgewiesen waren. Die meisten leben in der sächsischen Lausitz, es gibt aber auch Wölfe in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Nach Bayern können, wie das Umweltamt mitteilt, jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern - sowohl aus dem Nordosten als auch aus den Alpen. Vor allem junge Rüden wandern weit auf der Suche nach einem eigenen Territorium. Standorttreue Wolfspaare leben im Nationalpark Bayerischer Wald, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und im Veldensteiner Forst.

Wölfe bevorzugen das Leben in Rudeln, die aus den Elterntieren und wechselnden Mitgliedern der nachfolgenden Generationen bestehen. Paarungszeit ist im Februar und März, zwischen April und Mai werden durchschnittlich vier bis sechs Junge geboren. Sobald diese mit zwei Jahren geschlechtsreif sind, verlassen die Jungwölfe das elterliche Rudel und suchen über Hunderte von Kilometern nach einem Partner sowie eigenem Revier. Wölfe fressen Ratten und Mäuse ebenso wie Rehe, Rotwild, Wildschweine, Füchse oder Hasen. Finden sie keine Beute in der Natur, können sogar Abfälle zur Hauptnahrung werden.

Wer ein gerissenes Tier findet, sollte das Landesamt für Umwelt verständigen, damit eine weitergehende Untersuchung veranlasst werden kann. Am Wochenende und nach Feierabend kann man sich auch an die Polizei wenden. 
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