Landwirtschaftshelfer tötete beim Mähen zwei Rehkitze - und stand deswegen nun vor Gericht

Viele Kitze kommen im Mai und Juni zur Welt. Selbst Hunde entdecken sie oft nicht, wenn sie sich im hohen Gras verstecken. Die jungen Rehe haben keinen Geruch (Symbolbild). (Foto: Ruimin Wang,123rf.com)

Bei diesem Urteil dürfte zahlreichen Landwirten ein Stein vom Herzen fallen: Nachdem beim Mähen zwei Kitze getötet worden waren, wurde der Verantwortliche am Mittwoch am Amtsgericht Augsburg freigesprochen.

Die Wiese, auf der sich das Tierdrama ereignete, liegt nahe Reinhartshausen bei Bobingen. Auch schon 2017 diente sie einem Landwirt zur Heugewinnung. Rehe, so der Bauer, habe er schon damals nie auf der Wiese gesehen.

Als im Juni vergangenen Jahres die Mahd anstand, setzte er sich nicht selbst auf den Trecker. Stattdessen übernahm ein junger Mann, der sich nach eigenen Angaben für die Landwirtschaft interessiert. Der nun Angeklagte erklärte Richter Julian Küffer er sei vor dem Mähen die Wiese gewissenhaft abgegangen. Er habe keine Rehe gesehen. Auch der Landwirt selbst berichtete, er habe am Tag davor das Areal ohne Ergebnis abgesucht. Dennoch geschah es: Der 29-jährige Landwirtschaftshelfer erfasste zwei Kitze und verletzte diese mit dem Messer des Mähaufsatzes so sehr, dass eines sofort starb, während das andere zwar noch zu einem Tierarzt gebracht wurde, von diesem aber aufgrund seiner schweren Verletzungen eingeschläfert werden musste.

Der 29-Jährige erhielt einen Strafbefehl über 3000 Euro. Dagegen legte er Einspruch ein, so dass die Sache vor Gericht landete. Wie es dazu kam, dass der 29-Jährige zunächst zahlen sollte, obwohl doch anscheinend alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden waren, ist etwas merkwürdig. Eine Rolle spielt ein Hundebesitzer, der mit seinem Zamperl damals nahe der Wiese Gassi ging. Dieser soll angeblich den Mäharbeiter darauf hingewiesen haben, dass er gerade ein Rehkitz erfasst habe, woraufhin dieser unbeeindruckt weitergefahren sei und das zweite Kitz getötet habe. Soweit jedenfalls die Ermittlungen.

Vor Gericht hörte sich der Hundebesitzer ganz anders an. Der Mann sagte aus, auch er selbst sei sogar noch, als er die Mähmaschine sah, die Wiese abgelaufen und habe kein Wild gefunden. So fand der Prozess rasch ein Ende. Sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger plädierten auf Freispruch, Richter Küffer kam den Anträgen nach. Dem Mähenden seien weder Vorsatz noch Fahrlässigkeit zu unterstellen. In seiner Laufbahn hatte Richter Küffer noch nie so einen Fall.

2005 wurde ein Landwirt in Hessen zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt. Er hatte beim Mähen vier Kitze erfasst, alle starben. Der Sprecher des hessischen Landesjagdverbands, Dr. Klaus Röther, wies nach dem Richterspruch darauf hin, dass Landwirte dazu verpflichtet seien, vor der Mahd Vorkehrungen zu treffen, dass kein Tier getötet oder verletzt wird. Er empfahl, kurzfristig Vogelscheuchen aufzustellen.

Angeblich werden in Deutschland jährlich rund eine halbe Million Rehkitze, Hasen und Bodenbrüter verstümmelt oder getötet. 2018 wurde ein Landwirt aus Gießen zu 7500 Euro Strafe verurteilt. Er hatte drei Kitze getötet und vor der Mahd nicht den zuständigen Jagdpächter informiert, so dass dieser die Wiese hätte absuchen können. Rechtsgrundlage für die Urteile ist § 17, Tierschutzgesetz: "Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet."
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