Bobingen: Bürger müssen ihr Wasser abkochen

Gut besucht war die Bürgerversammlung in der Singoldhalle. Foto: Peter Stöbich


Nach Gesprächen mit dem Gesundheitsamt können die Bobinger Stadtwerke die Chlorung des Trinkwassers Ende November beenden. Das war die gute Nachricht bei der Bürgerversammlung in der Singoldhalle. Als Vorsichtsmaßnahme müssen die Bürger aber ihr Wasser noch bis Mitte Dezember abkochen, kündigte Bürgermeister Bernd Müller an; diese Notwendigkeit soll in den Haushalten mit Handzetteln bekannt gemacht werden.

Grundsätzlich sei das 115 Kilometer lange Netz in Ordnung, sagte Burkhard Bittner von der Ansbacher Projektgesellschaft für kommunale Ver- und Entsorgungstechnik. Er erläuterte ausführlich, was seit dem Störfall Mitte Juni unternommen worden war. Eine geophysikalische Untersuchung aller vier Brunnen sowie eine Risiko- beziehungsweise Gefährdungsanalyse der gesamten Wasserversorgung brachte umfassende Einblicke.

In den niederschlagsarmen Monaten bis Anfang Juni war selbst der Waldboden ausgetrocknet. In einer Schicht unter der Oberfläche bildeten sich Risse. Dann kam Anfang Juni ein heftiges Unwetter: Regenmassen wurden vom Boden aufgesogen. Wäre dieser normal gesättigt und damit verfestigt gewesen, wäre der meiste Regen an der Oberfläche abwärts geflossen. Keime, die in den Boden eindrangen, wären nicht weit gekommen und wie üblich nach kurzer Zeit zersetzt gewesen.

Doch so strömte viel Wasser auch unter der Oberfläche. Risse entlang großer Baumwurzeln scheinen den Strom zusätzlich in Richtung Brunnenschacht gelenkt zu haben. Dazu kam ein undichtes Sperrrohr, der Brunnen III wurde vom Netz genommen. Die Stadt erließ ein Abkochgebot für Trinkwasser, welches nach dem 22. Juni durch die Chlorung des Wassers abgelöst wurde. Erst wenn das Chlor wieder aus dem langen Leitungsnetz verschwunden sei, so Stadtwerke-Chef Bernhard Langert, werde man mit letzter Sicherheit testen können, ob tatsächlich keine Verunreinigung mehr eintritt. Zur Vorsicht sollen die Bürger ihr Wasser bis Mitte Dezember abkochen.

Derzeit pumpen drei gut gesicherte Brunnen im Stadtwald in Straßberg das Wasser im Wechselbetrieb aus einer Tiefe zwischen 70 und 220 Metern hoch. Die maximale Förderleistung beträgt 120 Liter in der Sekunde. Das Rohwasser, wie es im Fachjargon heißt, läuft durch eine Aufbereitungsanlage, wobei ihm Eisen und Mangan entzogen wird. Als Speicher dient am Leiterberg ein sechs Meter hoher Behälter, der in zwei Kammern jeweils 2000 Kubikmeter fasst. Die Dimensionen der technischen Anlagen, die kaum ein Bürger jemals zu Gesicht bekommt, sind eindrucksvoll. Auf Nachfrage eines Zuhörers wollte Langert eine Anhebung des Wasserpreises nicht ausschließen, der alle vier Jahre neu kalkuliert wird. Er liegt derzeit bei 1,35 Euro pro Kubikmeter und solle nicht höher als der bayerische Durchschnittspreis von 1,55 Euro steigen. Zum Thema Beiträge und Gebühren will die Stadtverwaltung kommendes Frühjahr eine eigene Bürgerversammlung abhalten.

Zur Sperrung der Bahnunterführung in der Hans Sachs- und Bischof-Ulrich-Straße nahm bei der Bürgerversammlung ein Vertreter der Bahn Stellung. Wie berichtet, ist die Stadtverwaltung verärgert über die verzögerte Fertigstellung der seit Februar laufenden Bauarbeiten. Man sei aber auf den General- und dessen Subunternehmer angewiesen und habe Probleme mit dem torfhaltigen Bahndamm gehabt, sagte der Bahnsprecher. Spätestens bis Ende des Jahres solle die Ulrich-Straße wieder befahrbar und die Sachs-Straße zumindest frei für Fußgänger und Radfahrer sein.

Dass es Bobingen finanziell gut geht, berichtete in der Singoldhalle Kämmerer Alexander Ziegler, der heuer mit Gewerbesteuer-Einnahmen von mindestens sieben Millionen Euro rechnet. Vom 34 Millionen Euro umfassenden Verwaltungshaushalt können 2,5 Millionen Euro dem Vermögensetat zugeführt werden.

In der Diskussion ging es unter anderem um die Beflaggung öffentlicher Gebäude, die Versiegelung privater Gärten und das hohe Verkehrsaufkommen in der Wertachstraße. (Peter Stöbich )
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