Bobinger Bahnhof: Vom schwierigen Umgang mit der Deutschen Bahn AG

Der Bobinger Bahnhof: Das Bahnhofsgebäude, rechts, marode; zu wenige Fahrradständer; die Treppe zu den Bahnsteigen ein Hindernis für viele; die Bahnsteige zu tiefliegend; zum Gleis 4 muss man über die Schienen gehen.

Eine Modernisierung des Bobinger Bahnhofs ist trotz vieler Bemühungen nicht in Sicht.

Der Bobinger Bahnhof entspricht nicht mehr dem heute üblichen Standard. Anderswo gibt es neben den Treppen zur Bahnhofsunterführung wenigstens ein schmales Transportband für Gepäck, wenn schon keinen Fahrsteig oder einen Aufzug. Ein Fahrsteig ist eine Rolltreppe ohne Stufen, auf die Rollstühle, Kinderwägen oder Fahrräder problemlos rollen können. In Bobingen gibt es nichts dergleichen. Man trägt sein Gepäck treppab und treppauf, Rollstuhlfahrer werden von der Zugbenutzung ausgeschlossen. Dass die Ausstiegshöhe moderner Züge höher liegt als die Bobinger Bahnsteige, ist für alle Reisenden gefährlich. Das weiß auch die Stadtverwaltung, wie Bürgermeister Bernd Müller in einem Gespräch mit unserer Zeitung berichtete. Schon seit seinen ersten Jahren im Amt Ende der 1990er Jahre bemühe er sich um den Umbau des Bahnhofs zur Barrierefreiheit. Er habe den Kontakt sowohl zur Deutschen Bahn (DB) als auch zur Politik gesucht. Eigentümerin der Liegenschaft ist die DB, doch diese beteuere, kein Geld zu haben. Die Bundesregierung habe auf Anfrage mitgeteilt, der Freistaat bekomme Geld vom Bund für die Verkehrsinfrastruktur, daher sei der Freistaat zuständig. Innerhalb der Staatsregierung sei die Zuständigkeit in diesen Jahren vom Innen- zum Wirtschafts- und zuletzt zum Verkehrsministerium gewechselt. Jeder der zuständigen Minister habe mindestens einmal Bobingen besucht und den Bahnhof besichtigt. Auch verschiedene Staatssekretäre seien wegen des Themas vor Ort gewesen. Politiker unterschiedlicher Parteizugehörigkeiten hätten Unterstützung zugesagt. Seit 2007 sei der Bobinger Bahnhof in der „mittelfristigen Planung“ enthalten, was das jedoch genau bedeute, sei unklar. Die Stadt habe sogar eine Machbarkeitsstudie für den Umbau finanziert, da dies von einem der Minister empfohlen worden war, um die Chancen auf einen Umbau zu erhöhen. „Das ist Jahre her, getan hat sich nichts. Noch mehr werden wir ohne eine verbindliche Zusage für den Umbau nicht finanzieren“, versicherte Müller. „Eigentlich sollten barrierefreie Bahnhöfe im ureigensten Interesse der Bahn liegen“, so Müller weiter. „Und sie sind ja auch im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Deshalb haben wir in der Vergangenheit alles Erdenkliche getan und werden auch in Zukunft weiter dieses dicke Brett bohren.“
Auch der Seniorenbeirat hat sich bemüht. Wie Dr. Hans Kuhn, Mitglied des Seniorenbeirats, im Gespräch berichtete, wurde der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz angesprochen. Der sagte zu, sich für den Umbau einzusetzen. Im Jahr 2018 konnte der Europaabgeordnete Markus Ferber für das Anliegen gewonnen werden. Dieser habe sich umgehend schriftlich an Klaus-Dieter Josel, den Konzernbevollmächtigten für den Freistaat Bayern der Deutschen Bahn, gewandt. Der Seniorenbeirat erhielt eine Kopie des Schreibens. Herr Josel antwortete, er könne „Bobingen noch keine Perspektive für einen barrierefreien Ausbau aufzeigen.“ Im „Bayern-Paket II“ zwischen Freistaat und der DB Station&Service AG sei der barrierefreie Ausbau vieler Bahnhöfe in Bayern festgelegt worden. Bobingen sei nicht dabei. Begründung: „Die Anlagen der Verkehrsstation befinden sich in einem vergleichsweise guten Zustand und die Reisendenzahlen sind geringer als die anderer betrachteter Stationen.“ Daraufhin wandte sich Ferber an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, mit der eindringlichen Bitte, Bobingen in das „Tausend-Bahnhöfe-Programm“ aufzunehmen. Ohne Erfolg, wie kürzlich auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlicht wurde. Der barrierefreie Umbau von 20 Bahnhöfen in Bayern wird gefördert, aber Bobingen, der umsteigestärkste Bahnhof im Landkreis Augsburg, ist nicht dabei.

Kompetenz-Wirrwarr zwischen DB-Tochterunternehmen

Bernhard Christ, der Leiter des Bahnhofsmanagements in Augsburg , wurde von Kuhn ebenfalls angesprochen in der Annahme, dass dieser als hochrangiger Mitarbeiter der DB Station&Service AG wenigstens bei kleineren Anliegen wie diesen helfen könne: Der Fahrkartenautomat steht so, dass man morgens bei Sonne auf dem Bildschirm nichts lesen kann, weil die Sonne genau darauf scheint. Doch für die Automaten ist die DB Vertrieb GmbH zuständig. Die Sitzbank steht genau vor dem Fahrplan, so dass man die Leute, die dort sitzen, bitten muss aufzustehen, wenn man den Fahrplan lesen will. Doch auch in diesem Fall scheiterte eine Verbesserung am DB-typischen Kompetenz-Wirrwarr.
Auch das Bahnhofsgebäude ist ein komplizierter Fall. Es ist kein schöner Anblick von außen, von innen noch weniger. Bürgermeister Bernd Müller berichtete, dass die Stadt bei der Deutschen Bahn wegen eines Kaufs des Bahnhofsgebäudes angefragt habe, um es renovieren zu können. Die DB sei darauf eingegangen und habe monatelang mit der Stadtverwaltung verhandelt. Besondere Schwierigkeiten seien dadurch entstanden, dass die DB nicht ein einzelnes Unternehmen ist, sondern ein Konzern mit zahlreichen Tochterunternehmen. Ein Teil des Bahnhofsareals ist im Eigentum der DB Netz AG, ein anderer Teil gehört der DB Station&Service AG. Schließlich sei nach fast einem Jahr jemandem auf Seiten der Bahn aufgefallen, dass das Gebäude noch genutzt wird, ein Arbeitsplatz für Fahrdienstleiter ist darin untergebracht. Daher könne das Gebäude doch nicht verkauft werden.
Etwas besser geht es mit der Ausweitung des Angebots an Fahrradstellplätzen voran. Die Stadt habe den Antrag auf Fördergeld aus dem Bundesprogramm „Bike & Ride“ für den Bau von 150 weiteren Fahrradabstellplätzen am Bahnhof pünktlich zum Abgabetermin im September eingereicht. Kurz darauf kam von der DB die Nachricht, die „interne Flächenprüfung“ sei noch nicht abgeschlossen und dauere bis zum Frühjahr 2020.
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