Bobinger Räte ziehen Notbremse: Auch nach vier Jahren ist kein Ende in der Diskussion um das Aquamarin in Sicht

Über die Zukunft des Bobinger Bades wird seit vier Jahren diskutiert. Foto: Alex Mertens


Es war einmal vor langer Zeit ein marodes Hallenbad - so könnte eine unendliche Geschichte aus Bobingen beginnen, deren Ende nicht abzusehen ist. Denn schon seit vier Jahren zerbrechen sich die Kommunalpolitiker die Köpfe darüber, wie es mit der Freizeitanlage "Aquamarin" weitergehen soll, nachdem im Hallenbad massive Betonschäden festgestellt wurden. Eine Lösung ist auch Mitte 2018 immer noch nicht in Sicht.

Ursprünglich sollte für knapp drei Millionen Euro nur die Technik von Hallen- und Freibad modernisiert werden. Zuvor aber ließ das Stadtbauamt genauer nachschauen und musste feststellen, dass Betonschäden eine komplizierte Sanierung notwendig machen. Ähnlich wie beim Hallenbad am Königsbrunner Gymnasium ging man auch in Bobingen vom kompletten Abbruch und einer Erneuerung der Becken mit Umgängen und Bodenplatte aus sowie von einer Erneuerung der Kellerdecke im Bereich der Umkleiden und Toiletten. Das wäre laut Stadtbaumeister Rainer Thierbach einer Entkernung gleichgekommen und hätte Schätzungen zufolge um die sieben Millionen Euro gekostet.

Zu diesem Betrag wären in den Folgejahren noch weitere Kosten gekommen für eine energetische Sanierung sowie für Maßnahmen, um die Attraktivität des in die Jahre gekommenen Bades zu verbessern. Für soviel Geld, dachten die Mitglieder des Stadtrats, könnte man lieber gleich ein neues Bad bauen und möglicherweise mit zehn Millionen Euro hinkommen. Monatelang wurde diskutiert, es gab eine Bürgerversammlung sowie Unterschriftensammlungen und schließlich einen eigenen Workshop zusammen mit Fachplanern.

Die ursprüngliche Idee, das große Sportbecken im Freibereich aufzulösen, wurde nach Protesten vieler Bobinger wieder fallengelassen. Mitte vergangenen Jahres einigten sich die Ratsmitglieder auf ein umfangreiches vorläufiges Raumprogramm für ein Ganzjahresbad samt Cabrio-Dach und Lehrschwimmbecken mit Hubboden, Meersalzgrotte und Multifunktionsraum, mit Whirlpools, Räumen für Gastronomie, Duschen und Umkleiden, dazu Technik für Filter, Pumpen und Schwallwasserbehälter.

Mittlerweile haben Fachplaner ermittelt, wie viel das alles kosten würde: Insgesamt 17,8 Millionen Euro, die sich Bobingen angesichts zahlreicher anderer Aufgaben und Projekte aber keinesfalls leisten kann. Deshalb traten die Stadträte jetzt auf die Notbremse und gaben keine weiteren Planungsschritte in Auftrag. "Wir sollten nochmals den Vergleich zwischen einer Generalsanierung und einem Ersatzbau mit der gleichen Wasserfläche anstellen", so zweiter Bürgermeister Klaus Förster. Die CSU-Fraktion sei gegen eine Investition, "die uns für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig belasten und jeglichen Handlungsspielraum nehmen wird."

Beim Bad-Neubau handelt es sich um nichtrentierliche Schulden, was heißt, dass die Steuerzahler sowohl für die Investition als auch einen großen Teil der jährlichen Betriebskosten aufkommen müssen. Es gibt noch eine Chance, dass Bobingen das Riesenprojekt nicht ganz allein stemmen muss: Die Stadt steht noch in Verhandlungen mit Nachbarkommunen über deren mögliche Beteiligung; ferner laufen Gespräche mit Landratsamt und Saunapark. "Von einer optimalen Lösung müssen wir uns wohl verabschieden", stellt SPD-Fraktionschef Edmund Mannes fest. Jetzt will sich die Stadtverwaltung nochmals mit den Planern zusammensetzen; anschließend ist ein weiterer Workshop geplant, bei dem die Ratsmitglieder erneut nach einem realistischen Betriebs- und Finanzierungskonzept suchen wollen. Das Risiko, dass das Hallenbad aufgrund seiner veralteten Technik nicht bis zum Baubeginn für eine neue Anlage weiterbetrieben werden kann, müsse man eingehen, so Bürgermeister Bernd Müller. (Alex Mertens )
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