Deutsch-französischer Festabend in Bobingen: Es lebe die Freundschaft!

Die Bürgermeister Bernd Müller (links) und Marc Hémez bekräftigen die Freundschaft ihrer Städte, auf dem Tisch vor ihnen die Riesen-Freundschafts-Geburtstags-Torte.
 
Karl John überreicht den Bürgermeistern der beiden Städte eine Tafel mit der Geschichte seines Großvaters, die Bobingen und Aniche miteinander verbindet. V.l.n.r.: Bernd Müller, Karl John, Marc Hémez.

Bei einem Festempfang wurde das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Bobingen und Aniche gefeiert.

„Vive l’amitié“, auf Deutsch „Es lebe die Freundschaft“, lautete das Motto des deutsch-französischen Festabends in der Singoldhalle zur Feier des 50. Geburtstags der Städtepartnerschaft zwischen Bobingen und Aniche. Geladen waren Mitglieder der Vereine von Bobingen und Aniche, die sich der Pflege der Partnerschaft verschrieben haben, sowie offizielle Vertreter beider Städte. Die französische Delegation war mit dem Bus angereist und blieb für eine Woche, in der sie zusammen mit dem Bobinger Verein „Freunde von Aniche“ viele Ausflüge unternahm. Vorsitzende des Vereins ist Barbara Falkenhein. Sie ist Lehrerin für Französisch und fungierte während des ganzen Festabends als Dolmetscherin. Sie referierte über Glanzlichter aus der 50-jährigen Partnerschaft, illustriert mit vielen Fotos. Zu sehen waren Schulklassen aus beiden Städten, denn ein wichtiger Bestandteil der Partnerschaft ist der Schüleraustausch. Man sah Fotos von Deutschen im Bergbaumuseum von Lewarde mit gelben Schutzhelmen auf dem Kopf und man sah Franzosen, die beim Kulinarischen Sommer in der Bobinger Hochstraße französische Käsespezialitäten anboten. Auf den Fotos von Aniche waren Aufnahmen von großflächigen Buntglasfenstern in öffentlichen Gebäuden der Stadt zu sehen, die zeigen, dass neben dem Bergbau die Glasindustrie den Ort geprägt hat. Auch drei Schüler der Realschule hatten eine Präsentation auf Deutsch und Französisch vorbereitet über Erlebnisse auf ihrer Reise nach Aniche. Sie zeigten Bilder von ihren Ausflügen zum Schloss Versailles und in die Stadt Lille, die ihnen gut gefallen hatte.
Die Bürgermeister der beiden Städte, Bernd Müller und Marc Hémez, sprachen Grußworte, in denen sie die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft für den Frieden in Europa betonten. Diese Freundschaft sei nicht von selbst entstanden, sondern durch das Engagement vieler einzelner Menschen, insbesondere für die Städtepartnerschaften. Freundschaft bleibe auch nicht von selbst erhalten, sondern müsse gepflegt werden, von jeder Generation aufs Neue. Marc Hémez beendete seine Rede mit „Vive l’amitié! Vive Aniche! Vive Bobingen!“

Schicksalhafte Begegnungen

In einem geschichtlichen Rückblick erläuterte Falkenhein, wie es zur Partnerschaft der beiden Städte kam. Bobingen hat sich seine Partnerstadt nicht mit dem Finger auf der Landkarte ausgesucht, sondern man könnte sagen, das Schicksal hat die Entscheidung getroffen. Von 1943 bis 1945 arbeitete ein französischer Soldat namens François Longelin als Kriegsgefangener in einem landwirtschaftlichen Anwesen in Bobingen. In den 1960er Jahren besuchte er seine ehemaligen Arbeitgeber und lernte den damaligen Bürgermeister Alois Häring sowie den gut Französisch sprechenden Albert Amann, der in französischer Gefangenschaft gewesen war, kennen. Longelin suchte die persönliche Versöhnung mit den Menschen in Bobingen. Er war inzwischen Gemeindeoberhaupt von Aniche geworden. Nachdem das Abkommen über die deutsch-französische Zusammenarbeit unterzeichnet und Bobingen zur Stadt erhoben worden war, konnte er daher kraft Amtes den Partnerschaftsvertrag auf den Weg bringen.
Es gibt eine weitere, noch ältere Geschichte, die Menschen aus Aniche und Bobingen miteinander verbindet. Sie wurde von dem pensionierten Bobinger Amtsrat Karl John vorgetragen: Sein Großvater Alois John war als Soldat im Ersten Weltkrieg 1917 in Aniche in der Rue Buisson einquartiert worden. Von dort schrieb er eine Postkarte mit einem Foto dieser Straße nach Hause. John vermutet, es könnte die einzige Karte gewesen sein, die sein Großvater in seinem Leben geschrieben hat. In der Buisson-Straße wohnte auch Familie Longelin, ihr Haus ist auf der Karte zu sehen. Eine Aufnahme aus dem Jahr 2012 zeigt, dass sich die Straße kaum verändert hat. John ist sicher, dass sich sein Großvater die heutige deutsch-französische Freundschaft nicht hätte vorstellen können und rief dazu auf, dieses wunderbare Geschenk wertzuschätzen und zu bewahren. Er überreichte beiden Bürgermeistern die Fotos der Rue Buisson und die Geschichte seines Großvaters in beiden Sprachen auf einer gerahmten Tafel.
Anschließend wurde eine prächtige Geburtstagstorte auf die Bühne getragen. Die beiden Bürgermeister schnitten die Torte an und eröffneten das Buffet. Musikalisch umrahmt wurde der festliche Empfang von der Bobinger Sopranistin Marie Schmalhofer, am Flügel begleitet von Mimi Park, und der Schülerband der Realschule, die von Tobias Ziegler geleitet wird. Schmalhofer begann mit klassischem Liedgut von Mozart, Mendelssohn-Bartholdy und Fauré. Nach der Pause sang sie beschwingte deutsche und französische Chansons, wie „La Mer“ von Charles Trenet oder „Ein Freund, ein guter Freund“ von Werner Richard Heymann. Schmalhofer und Park rissen das Publikum immer wieder zu stehenden Ovationen hin. Die Schulband spielte Hits von Green Day, Britney Spears und, besonders passend, von Namika den Sommerhit 2018: „Je ne parle pas Français“. Auch sie ernteten lautstarken Applaus. Als Moderatorin führte Susanne Zehentbauer charmant durch das Programm.
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