Don Camillo und Peppone mit "Starbesetzung"

Peppone Müller, Don Camillo Rauch und Erzählerin Hitzelberger (v.l.n.r.)
 
Corinna Kammerer liest aus der „Feuerzangenbowle“.

Die Stadtbücherei veranstaltete einen „Literarischen Spaziergang“, bei dem humorvolle Literatur vorgetragen wurde.

Es fing gerade an zu regnen, als der „Literarische Spaziergang“ vor dem Rathaus beginnen sollte. Fast 60 Bobinger waren gekommen und spannten entschlossen ihre Regenschirme auf. Doch sie hatten Glück, die erste Etappe der Lesetour konnte in den Sitzungssaal des Rathauses verlegt werden. Dort stellte Büchereileiterin Judith Hitzelberger das erste Werk vor, aus dem gelesen werden sollte: „Don Camillo und Peppone“ von Giovannino Guareschi. Und sie kündigte eine "Starbesetzung" an, auf die sie sehr stolz war: Für die Rolle des Don Camillo hatte sie Pfarrer Thomas Rauch gewinnen können, für die des Peppone Bürgermeister Bernd Müller, und Gemeindepraktikant Andreas Hipper war für die Stimme Jesu zuständig. Schauplatz der Handlung ist ein Dorf in der weiten Ebene des italienischen Flusses Po kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Dorfbürgermeister Peppone ist Kommunist und als solcher notwendigerweise auch Atheist. Er und Dorfpfarrer Don Camillo sind aus Prinzip einander feindlich gesinnt. Beide Männer wollen die Dorfbewohner glücklich sehen, haben aber ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Glück. Der Dauerzwist hat vor Kurzem dazu geführt, dass Don Camillo, auf dem Fahrrad sitzend und einen Korb Eier transportierend, von hinten einen Schlag auf den Rücken erhielt, wodurch das Transportgut zu Bruch fiel. Don Camillo tippt auf Peppone als Täter. Es tritt auf: Don Camillo alias Thomas Rauch. Er ist in der Kirche und erbittet von Jesus die Erlaubnis, sich tätlich an Peppone zu rächen. Doch so viel er auch klagt und argumentiert, die mächtige Stimme von Jesus alias Andreas Hipper, mit Mikrophon und hinter dem Tisch versteckt, beschwichtigt und fordert vom Pfarrer, dem Täter zu verzeihen. Don Camillo beugt sich. Doch drei Monate später kommt Peppone alias Bernd Müller in die Kirche und beichtet die böse Tat. Nun hat Don Camillo sogar Gewissheit und bittet Jesus nochmals um Erlaubnis. Er zetert, Peppone sei „in einer teuflischen Partei“ und ruft: „Jesus, traue diesen Roten nicht!“ Doch Jesus beharrt darauf, dass die Hände des Pfarrers zum Segnen da seien, nicht zum Schlagen. Da sieht der schlitzohrige Pfarrer seine Chance: „Die Hände sind zum Segnen da, aber nicht die Füße!“ und nimmt nun doch an Peppone, während dieser vor dem Kruzifix der Kirche beziehungsweise des Sitzungssaales kniet und betet, Rache mit einem Fußtritt. Don Camillo nimmt es erleichtert auf, da auch sein eigener Gerechtigkeitssinn die Rache für berechtigt hält. Das Publikum war von der darstellerischen Leistung der Akteure begeistert.

Von Falschspielern und Volltrunkenen

Der Regen hatte nun nachgelassen und ein kurzer Spaziergang führte die Teilnehmer zum Friedhof. Dort las Walter Sitz, ein bewährter Schauspieler der Theaterschmiede, eine gekürzte Fassung des Theaterstücks „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ von Kurt Wilhelm. Es treten vier Charaktere auf: Kaspar Brandner, der Tod, der in der Geschichte mundartlich Boandlkramer genannt wird, Petrus und ein Mädchen. Sitz las die Rollen gekonnt in unterschiedlichen Stimmlagen und schlug seine Zuhörer in den Bann vom lustigen Teil, als Kaspar mit dem Tod um weitere 18 Lebensjahre Karten spielt und mithilfe von Schnaps und Schummelei gewinnt, bis zur rührenden Schlussszene im Paradies.
Weiter ging der Spaziergang zur Alten Mädchenschule und dort ins oberste Stockwerk, ins Schulmuseum. Das Publikum durfte in den alten Schulbänken Platz nehmen, ans Pult stellte sich Corinna Kammerer, die Vorsitzende des Heimatvereins „d’Hochsträßler“. Aus Heinrich Spoerls Roman „Die Feuerzangenbowle“, der 1944 mit Heinz Rühmann verfilmt wurde, las sie die Szene, in der die Schüler so tun, als seien sie betrunken von den Dämpfen des Alkohols, den der Lehrer im Chemieunterricht hergestellt hat. Kammerer intonierte den Dialekt des Chemielehrers, faselte Unsinn als Schüler Hans Pfeiffer wie einst Heinz Rühmann und spielte bravourös mehrere Schüler in verschiedenen Ausprägungen von „Trunkenheit“.
Die letzte Station des Spaziergangs war hinter der Skulptur des Bobinger Bübles beim Kirchplatz. Die Heimatdichterin Anni Gastl trug die letztlich traurige Geschichte vom „Bobinger Büble“ auf original Bobinger Schwäbisch vor sowie ein Gedicht von Josef Holzhauser, das wehmütig an den früheren Gasthof „Ochsenwirt“ erinnert, wo Generationen von Bobingern getrunken und gesungen, geredet und gefeiert haben. Gastl schloss mit einem Gedicht aus eigener Feder, das eine wahre Begebenheit schildert und damit endet, dass ihr kleiner Enkel sich zu ihr umdreht und sagt: „Mei, Oma, so goht’s halt z‘Bobinga zua!“, wofür Gastl Gelächter und Applaus erntete. Am Ende hatte der Regen ganz aufgehört und alle Teilnehmer waren froh, dabei gewesen zu sein. Sie waren gut unterhalten worden und hatten einige erstaunliche Bühnentalente entdeckt.
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