Dürre setzt Landwirten zu - von normalen Erträgen bis hin zu totalen Ernteausfällen

Obwohl der Mais mancherorts hoch gewachsen ist, sollte es noch regnen, damit er nicht als "Kümmerkolben" endet. (Foto: Patrick Bruckner)
 
Die Getreideernte ist abgeschlossen und auf den Feldern herrscht Dürre. Im Hintergrund ist der Mais zwischen Oberottmarshausen und Kleinaitingen durch den Regen im Mai hoch gewachsen. (Foto: Patrick Bruckner)

Die Landwirte haben derzeit bundesweit mit Futtermittelknappheit und Ernteausfällen zu kämpfen. Besonders Nord- und Ostdeutschland sind betroffen. Aber auch in Bayern sind die Auswirkungen zum Teil deutlich spürbar. Sollte es nicht abkühlen, droht im Landkreis auch ein Fischsterben.

Thomas Graupner, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Augsburg des Bayerischen Bauernverbandes sagt, dass aufgrund der großen Vielfalt der Bodenfruchtbarkeit im Landkreis von totalen Ernteausfällen bis hin zu teilweise normalen Erträgen alles vertreten sei. Am Lech sind beispielsweise vorwiegend leichte Böden, die nicht tiefgründig sind. Dort sei "nix zu holen, da haben die Landwirte schon im Juni Gerste gedroschen". Mais und Weizen wachse auf diesen Böden auch nicht gut, erklärt er.

In den nördlicheren Regionen und den Stauden sind bessere Böden vorzufinden. Hier sei die Ernte durchschnittlich, aber die Qualität passe nicht. Denn ohne Niederschläge fehlt das Wasser, das dafür sorgt, dass die Pflanzen Dünger bekommen. Ohne Wasser und Dünger wiederum fehlen den Pflanzen die Inhaltsstoffe, was dazu führt, dass die Qualität nicht für Back- sondern nur für Futterweizen ausreicht. Ein Landwirt berichtete davon, dass es auch schon der Fall war, dass der Niederschlag zur falschen Zeit gekommen sei. Dies habe dann einen umgekehrten Effekt.

Die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart ist Winterweizen. Diese steht in den meisten Regionen kurz vor dem Abschluss. Die Druschergebnisse liegen aktuell im Bundesdurchschnitt allerdings mit knapp 18 Millionen Tonnen 20 Prozent unter dem Vorjahresertrag. Das Bayerische Landesamt für Statistik rechne bei Winterweizen in Bayern mit einer Erntemenge von rund 3,4 Millionen Tonnen, 11,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

"Schäden durch Trockenheit gehen in die Milliarden"

"Selbst wenige Kilometer Luftlinie können für die Betriebe den entscheidenden Unterschied zwischen Ernteausfällen und Durchschnittsertrag bedeuten", sagt Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), und stellt fest: "Die Schäden in Deutschland durch Trockenheit und Hitze in der Landwirtschaft gehen in die Milliarden". Er fordert: "Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung."
Als Gründe für die schlechten Erträge nennt er das wechselhafte Wetter. "Nach einem nassen Winterhalbjahr folgte ein kalter Start ins Frühjahr. Der Frühling war zu warm und viel zu trocken - dieser Wetterwechsel hat viele Kulturen stark gestresst. Punktuelle Regenfälle und Gewitter haben die Situation nur selten entspannt. Lokale Starkregenereignisse von bis zu 100 Litern innerhalb einer Stunde konnten die ausgetrockneten Böden nicht aufnehmen", so Rukwied.

Markus Reiter, Landwirt aus Oberottmarshausen, erklärt, dass es von April bis Mitte Mai sechs Wochen keinen nennenswerten Regen gab. Dadurch seien deutliche Schäden an Getreide und Raps entstanden. "Ab Mitte Mai hat's hier regelmäßig geregnet, so dass der Mais sich normal entwickelt hat", sagt er. Graupner ergänzt in diesem Zusammenhang, dass der Mais mancherorts zwar gut da stehe, aber wenn es nicht bald regnet, dann fehlen ihm die Nährstoffe und "er hat einfach keine Energie, dann sind es Kümmerkolben".

Bis zu 70 Prozent Ernte-Einbußen in Nord-Deutschland

Die Landwirte im Norden hat es schlimmer getroffen. Der Präsident des Landesbauernverbandes Niedersachsen Albert Schulte to Brinke erklärte, dass die sogenannten Futterbaubetriebe ihm große Sorgen bereiten. Auf den Wiesen und Weiden wächst seit Anfang Juni kein Gras nach. Der Landesbauernverband Niedersachsen geht davon aus, dass die Einbußen bereits mindestens 40 Prozent gegenüber Normaljahren betragen. Wenn keine ergiebigen Niederschläge fallen sei mit 60 bis 70 Prozent Verlust beim Grünland zu rechnen.

Obwohl in Bayern eine ähnliche Situation herrsche und Wiesen nach dem dritten Schnitt nicht mehr nachwachsen und ausbrennen, bestehe laut Graupner allerdings keine Gefahr der Futterknappheit für Viehzuchtbetriebe in der Region, denn Bayern habe in den vergangenen Jahren im Vergleich zu Norddeutschland Glück und konnte Futterreserven sammeln. Darauf könne nun zurückgegriffen werden. Zur Not müsse Futter zugekauft werden. Da der Agrarsektor ein Weltmarkt ist, sei der Zukauf kein Problem, denn in anderen Teilen der Welt würden normale Ernten eingefahren, erklärt Graupner.

Auch Reiter berichtet, dass genug Viehfutter gewachsen sei. Allerdings wachse auf den Wiesen, die nun gemäht werden, erst wieder etwas, wenn es ausgiebig regnet, ergänzt er.
Wie groß die Auswirkungen der Dürre sind, kann noch nicht gesagt werden, denn man müsse noch die Zuckerrüben- und Maisernte abwarten. Aufgrund der Trockenheit müsse allerdings kein Bauer aus dem Landkreis um seine Existenz fürchten, so Graupner.

Bayern kommt glimpflich davon. Verbraucher müsse keine Konsequenzen befürchten

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner hat kürzlich in einem Brief den EU-Kommissar Phil Hogan aufgefordert, Maßnahmen in die Wege zu leiten, um die drohende Futtermittelknappheit aufgrund der Dürre zu lindern.
Im Bezug auf die von Rukwied und Klöckner geforderten Soforthilfen vom Bund sagte Graupner, dass man differenzieren müsse, denn Bayern habe nicht die Betroffenheit wie Nord- und Ostdeutschland.

Der Verbraucher müsse theoretisch keine Preiserhöhungen der Produkte befürchten, sagte er und erklärte, dass dies eine Scheindebatte sei, denn der Anteil des Landwirts am Preis sei marginal. Leute, die Produkte aus der Region kaufen, müssten nur Einbußen in der Größe in Kauf nehmen, beispielsweise kleinere Kartoffeln.

Drohendes Fischsterben bei anhaltender Hitze

Die hohen Temperaturen bereiten nicht nur Landwirten große Probleme. In Teilen Deutschlands, vor allem in Nordrhein-Westfalen, kam es durch die wochenlange anhaltende Hitze zu einem Fischsterben. Im Landkreis Augsburg ist dies laut Hubert Schuster vom Fischereiverband Schwaben bislang kein Problem. Begünstigt durch die alpinen Gewässer sind die Seen und Flüsse noch nicht so warm wie im Norden. Trotzdem heizen sie sich durch die Staustufen schnell auf und in kleineren Gewässern oder Stauseen wie beispielsweise dem Rothsee bei Zusmarshausen, wo kein Durchfluss stattfindet, wird es ein Problem für die Fische. Durch die hohe Nährstoffbelastung gibt es extrem viele Algen, die tagsüber zwar ausreichend Sauerstoff produzieren, aber in der Nacht auch sehr viel verbrauchen. Vor allem Bachforellen könnte das Wetter zum Verhängnis werden.
Man könne nichts gegen die Erhitzung der Gewässer tun, denn in der freien Natur könne man sie nicht abkühlen, sagt Schuster und erklärt, dass die Lage kritisch, bisher aber noch kein Fischsterben bekannt sei. Dies könne jedoch schnell gehen und passiere meist über Nacht.
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