Familienbüro Bobingen: „Hier ziehen alle an einem Strang“

Morena Dreiseitel vor dem Eingang des Gebäudes, in dem das Familienbüro untergebracht ist.

Das Familienbüro bietet Unterstützung für Familien an, von informativen Vorträgen bis zum Hausbesuch.

„Bobingen ist besonders“, lautet Morena Dreiseitels Fazit nach etwas über einem Jahr Arbeit als Leiterin des Familienbüros. Was sie damit meint: „Hier ziehen alle, die in sozialen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche arbeiten, an einem Strang. Man arbeitet zusammen, egal bei welchem Träger man angestellt ist, weil die Kinder und Eltern für alle im Mittelpunkt stehen. Hinzu kommt, dass die Stadt hinter unserer Arbeit steht. Dies zeigt sich auch in den finanzierten Wochenarbeitsstunden, die in Bobingen mit 22 Stunden überdurchschnittlich hoch sind. Deshalb ist es bei uns möglich, dass eine Kollegin für unser Bildungsprogramm verantwortlich ist und wir das Mütterfrühstück zu zweit durchführen können.“ 
Träger des Familienbüros ist die Diakonie Augsburg, finanziert wird es vom Landkreis Augsburg und der Stadt Bobingen. Für den Familienstützpunkt und die Familienbildung gibt es zusätzlich Fördergelder vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Das Familienbüro steht Menschen jeder Religion und Herkunft offen. 2018 konnte Dreiseitel 50 Familien begleiten, 28 von ihnen hatten einen Migrationshintergrund. Zudem bietet die Evangelisch Beratungsstelle der Diakonie Augsburg einmal pro Woche eine Außenstelle in den Räumen des Familienbüros Bobingen an. 

Untergebracht ist das Büro im Gebäude der Sozialstation zwischen Kirchplatz und der Kirche St. Felicitas. Im unteren Stockwerk ist das Kirchlädele, darüber die Sozialstation und eine knarzende Holztreppe höher das Familienbüro. Die Flyer des Familienbüros liegen im Rathaus, in den Kindergärten und Schulen sowie bei der Sozialen Stadt in der Alten Mädchenschule aus, so dass die Einrichtung fast allen Eltern bekannt und die offene Sprechstunde stets gut besucht ist. Montags von 9:30 bis 10:30 Uhr und mittwochs von 15:00 bis 16:00 Uhr kann man ohne Anmeldung zur Sprechstunde ins Familienbüro kommen. „Manche melden sich zunächst telefonisch oder per E-Mail. Wenn es gewünscht wird, kommen wir auch zu den Familien nach Hause.“

Manchmal genügt ein einziges Gespräch, weil dabei vielleicht schon eine Frage beantwortet, die Lösung eines Problems gefunden oder eine neue Sichtweise auf ein Vorkommnis entdeckt wird. In anderen Fällen wird eine Lösung in mehreren Gesprächen erarbeitet. Gar nicht selten braucht jemand eine Begleitung bei einer Besorgung, von der man sich überfordert fühlt. Das kann der Gang zu einer Behörde sein oder auch zu einem Kindergarten, um das Kind dort anzumelden. Am häufigsten geht es jedoch um Erziehungsfragen sowie um Probleme, die während einer Trennung der Eltern entstehen. Bei tiefgreifenden Problemen kann Dreiseitel an andere Stellen weitervermitteln, die eine engere Begleitung anbieten, etwa an die Jugendhilfe des Landratsamts oder an die Asylsozialberatung.

Mütterfrühstück in der Alten Mädchenschule

Jeden Mittwoch findet von 9 bis 11 Uhr im Treffpunkt Soziale Stadt in der Alten Mädchenschule, Pestalozzistraße 1, das sogenannte Mütterfrühstück statt. Es ist eine offene Veranstaltung, das heißt, man muss sich nicht anmelden und ist nicht verpflichtet, regelmäßig zu kommen. Kinder dürfen gerne mitgebracht werden. „Viele Mütter finden es hilfreich, sich bei dieser Gelegenheit mit anderen Müttern über Erziehungserfahrungen auszutauschen, etwa über den Umgang mit digitalen Medien. Bei diesem Thema sind viele Eltern unsicher, deshalb haben wir es auch in unser Bildungsprogramm aufgenommen“, so Dreiseitel.

Das Bildungsprogramm des Familienbüros trägt den Namen „Mittelpunkt Familie“. Man kann sich zu den Veranstaltungen im Familienbüro oder im Rathaus anmelden, persönlich, telefonisch oder über ein Online-Formular. „Wir fragen in Kindergärten und Grundschulen nach, für welche Themen Interesse besteht, und versuchen dann, unser Angebot danach zu richten“, erläutert Dreiseitel. Das Programm reicht vom Vortrag für Erwachsene zum Thema Stärkung kindlichen Selbstbewusstseins über einen Ausflug für Eltern und Kinder zur Mosterei im Wasserturm bis zum You-Tube-Clip-Workshop für Jugendliche.

Ziel der Arbeit des Familienbüros ist es, den Familien das Leben zu erleichtern. „Viele Familien sind schon dadurch belastet, dass beide Eltern mehr Stunden arbeiten müssen als ihnen lieb ist, um finanziell über die Runden zu kommen“, berichtet Dreiseitel. „Ein häufig angesprochenes Problem ist die Wohnungssuche. Hier kann ich empfehlen, sich an die Wohnungsbaugesellschaften zu wenden und Hilfe bei der Anmeldung anbieten. Mehr können wir leider nicht tun.“ Wenn Geldsorgen oder Wohnungssuche schon viel Energie fordern, kann die Belastung in der Summe leicht einmal zu viel werden. „Wir arbeiten vorbeugend, damit es möglichst gar nicht dazu kommt, dass Probleme in der Familie übermächtig werden. Mit unseren Angeboten wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Familien trotz aller Belastungen ihre Beziehungen halten können“, so Dreiseitel. Für sie ist es der schönste Erfolg, wenn sie beobachtet, „wie Mutter und Kind wieder lächeln können“.
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