Forum Königsbrunn: Die Entscheidung ist gefallen

Architekt Thomas Steimle vor dem Entwurf seines Teams.
 
Der siegreiche Entwurf von Steimle Architekten und Möhrle + Partner Freie Landschaftsarchitekten.

Alle Entwürfe im Architekturwettbewerb für das neue Forum, das neben der Eishalle gebaut werden soll, sind im Foyer des Rathauses bis einschließlich 19. Dezember ausgestellt.

In einem „Bürgergespräch zur Stadtentwicklung“ im Mai hatte Werner Lohmann, der Leiter der Stadtplanung im Rathaus, angekündigt, dass am Standort der ehemaligen Therme ein „Forum“ mit Veranstaltungssaal, Probenräumen zum Musizieren, Seminarräumen für die Volkshochschule und einer Gaststätte entstehen soll. Dieses Forum soll ein Ort sein, den die Menschen in ihrer Freizeit gerne aufsuchen, außerdem ein unverwechselbares Wahrzeichen der Stadt, das auf Ansichtskarten abgebildet wird.
Von Mai bis Oktober lief ein Architekturwettbewerb, der zwei Teile hatte. Im „Realisierungsteil“ sollte das Forum entworfen werden. Im „Ideenteil“ sollte ein Gesamtkonzept für das Areal zwischen Busbahnhof und Matrix, Königsallee und Gymnasium vorgelegt werden. Es sollte Grünanlagen enthalten sowie die Standorte von Eishalle, Forum, sämtlichen Museen der Stadt, einen Platz für Freilichtveranstaltungen und ein Schwimmbad. Es geht um Baukosten von 20 Millionen Euro. Der Wettbewerb war europaweit ausgeschrieben. Die Entscheidung wurde von einer Jury getroffen, die aus neun Fachleuten, sieben Stadträten und Bürgermeister Franz Feigl bestand. Die Jury tagte am 25. November.
Private Bauherren pflegen über ihre Entscheidungen mehrmals zu schlafen. Bei Großprojekten wie dem Forum hingegen muss laut Reglement der Architektenkammer die Entscheidung innerhalb eines Tages gefällt werden. Am Vormittag sehen die Jury-Mitglieder die Entwürfe zum ersten Mal, am Abend müssen die Sieger feststehen. An den Plänen und Modellen stehen nur Nummern, die Jury weiß also nicht, woher die Entwürfe stammen. Für Bürgermeister Franz Feigl war der Tag „interessant und spannend“, wie er bei der Eröffnung der Ausstellung der Entwürfe sagte. Die Jury ging zunächst einmal an allen Entwürfen vorbei, um sich zu informieren. Danach durfte noch genau zweimal durchgegangen werden. Anschließend wurde per Abstimmung entschieden, welche Entwürfe nicht in Frage kamen. So blieben fünf Arbeiten für den Ideenteil und vier für den Realisierungsteil in der engeren Wahl. Schließlich wurde darüber abgestimmt, an welche Entwürfe die ersten bis dritten Preise vergeben werden sollten. Der erste Preis in beiden Teilen des Wettbewerbs ging an ein Team aus zwei Stuttgarter Büros, Steimle Architekten und Möhrle + Partner Freie Landschaftsarchitekten.
Im Ideenteil gaben fast alle Planer den Museen ein gemeinsames Gebäude. Bei allen liegt es dem Pavillon 955 gegenüber, auf der anderen Seite des Mercateums. In der Form ist es jeweils genauso quaderförmig und genauso breit wie der Pavillon. Der siegreiche Entwurf stellt an diese Stelle einen kleinen Eingangspavillon, die Museen selbst liegen unter der Erde, ihre Dächer sind begrünt. Man kann vom Eingangspavillon unterirdisch bis zum Pavillon 955 gelangen. Das Freilichttheater ist auf dem jetzigen Parkplatz beim Gymnasium vorgesehen. Wie die meisten Entwürfe wählte auch der siegreiche die Form einer abschüssigen Rampe, von der aus alle Zuschauer in derselben Richtung zur Bühne blicken. Nur im Entwurf aus Tallinn findet sich ein kreisrundes Amphitheater.

Rechte Winkel, senkrechte Linien

Im Realisierungsteil war es den Architekten frei gestellt, die Eishalle und den Thermen-Restbestand stehen zu lassen oder abzureißen. Die Halle blieb bei allen erhalten, der Restbestand der Königstherme wurde von allen abgerissen. Die Eishalle hat an mehreren Stellen Wände, die schräg im 45-Grad-Winkel zur Außenwand stehen. Der Sieger und auch andere haben diese Schrägen begradigt, so dass alle Ecken rechtwinklig sind. Ein einziger Planer hat diese Schräggestaltung aufgenommen, den Eingang des Forums direkt gegenüber gelegt, ebenfalls mit schrägen Wänden ausgestattet und das Ganze mit Glas überdacht. So ist ein achteckiger überdachter Innenhof entstanden, zusätzlich zu einem Atrium im Zentrum des Forums. Dieser Entwurf kommt aus Madrid. Das geforderte gemeinsame Foyer für alle Teile des Forums wurde von fast allen Entwürfen ins Zentrum des Forumgebäudes gelegt, Gastronomie, Seminar- und Probenräume sowie der Bürgersaal wurden darum herum gruppiert.
Insgesamt orientierten sich fast alle Entwürfe an der Formensprache des Pavillons 955, einem großen Quader, umstellt von eckigen, gebäudehohen Betonsäulen. Der siegreiche Entwurf hat den Eindruck von senkrechten Linien um das Gebäude herum aufgenommen, indem er vor die neuen Gebäude senkrechte Lamellen aus Aluminium hängt. Hinter den Lamellen ist die Fassade zum großen Teil aus Glas. Dadurch kann man von außen in den Bürgersaal hineinsehen. Die Eishalle erhält eine vorgehängte Fassade aus Metall mit senkrecht verlaufenden Wellen. Licht fällt durch Löcher im Metall in die dahinter liegenden Fenster. Das Dach des Forums besteht hier aus neun Pultdächern in unterschiedlichen Höhen. Das Pultdach des Atriums im Zentrum ist aus Glas. Bei den Baustoffen dominieren mehrheitlich Stahlbeton und Glas, teilweise Metall, wie im Siegerentwurf. In den Beiträgen aus Madrid und aus Tallinn dominiert Holz.
Wie Werner Lohmann im Gespräch erläuterte, sollen die weiteren Architektenleistungen Anfang nächsten Jahres ausgeschrieben werden. Bei diesem Vergabeverfahren haben die Träger des ersten Preises die besten Chancen, da ihnen Bonuspunkte zugeteilt werden. Verhandelt wird jedoch mit allen Preisträgern. Weitere Punkte gibt es für Referenzen von umgesetzten Bauprojekten in dieser Größenordnung, die Umsetzung der von der Jury geforderten Korrekturen, die Honorarforderung und weitere Kriterien.
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