Große Kunst im kleinen Bobingen

Dr. Herbert Specht vor dem Bild „Gott hat Jesus auferweckt“

In der Dreifaltigkeitskirche sind Lithographien von Salvador Dalí ausgestellt.

„Mit dieser Ausstellung kommt ein großer Künstler in eine kleine Stadt“, sagte Kulturamtsleiterin Elisabeth Morhard bei der Eröffnung der Ausstellung „Bilder zur Bibel“ in der Dreifaltigkeitskirche. Seit dem vergangenen Sonntag sind dort 32 Lithographien von Salvador Dalí zu sehen. Dargestellt sind Szenen aus dem Alten Testament, beginnend mit der Schöpfung, und aus dem Neuen Testament von Maria mit dem Kind bis Pfingsten. Pfarrer i. R. Dr. Herbert Specht aus Bad Wörishofen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Dalís Bibelillustrationen. Er stellte die Ausstellung zusammen, Kirchengemeinde und Stadt übernahmen gemeinsam die Kosten. Pfarrer Specht hat Dalís Werk als Inspiration für viele seiner Predigten genutzt. „Dalí springt bei jedem Bild in die Tiefe der Bibelstelle. Ich bin selbst Bibelwissenschaftler und erkenne Dalí als Kollegen an“, so Specht.
Pfarrer Peter Lukas begrüßte die Besucher der Vernissage und freute sich über die Ausstellung, die so gut in die Kirche passe und die zum Verweilen und Betrachten einlade, da es in jedem Bild viel zu entdecken gebe. Bürgermeister Bernd Müller gestand in seiner Begrüßung seine anfängliche Ratlosigkeit den Werken gegenüber, die durch die Erläuterungen von Pfarrer Specht jedoch schnell aufgelöst werden konnte. „Kunst braucht Raum und Zeit und Stille. All dies ist in der Kirche zu finden. Insofern ist der Ausstellungsraum ideal“, so Müller.
Kaum jemand traut dem surrealistischen Maler, der mit Ölgemälden von schmelzenden Uhren und brennenden Giraffen berühmt wurde, Bibelkenntnisse zu. Doch 1963, im Alter von 60 Jahren, begann er, Bibelszenen zu illustrieren. Es entstanden 105 Aquarelle. „Er gab den Bildern keine Titel und ordnete ihnen keine Bibelstellen zu. Vielleicht hatte er es vor, doch finanzielle Nöte, ausgelöst durch die Spielsucht seiner Frau, kamen dazwischen und so verkaufte er die ganze Serie einschließlich der Bildrechte an seinen Freund und Förderer Giuseppe Albaretto. Dieser ließ sie im lithographischen Druckverfahren vervielfältigen und gab eine Bibel heraus, für die er die Zuordnung der Bilder selbst vorgenommen hatte. Einige Blätter ordne ich allerdings anders zu als Albaretto“, sagt Pfarrer Specht.

Andeutungen, Details, Symbole entdecken

Bei jedem Bild finden Besucher einen Text, eine Bildinterpretation, die von Pfarrer Specht ausgearbeitet wurde. Die Erläuterungen werden vielen Besuchern die Augen öffnen, denn Dalí hat manches abstrakt, manches sehr klein, manches auf ganz und gar unerwartete Weise dargestellt. Im Bild „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ etwa ist auf den ersten Blick nur eine große graue Fläche mit einem dunkelroten Klecks in der Mitte zu sehen. Erst bei genauem Hinsehen sind in der grauen Fläche Auge, Nase und Mund zu erkennen - das Gesicht Jesu. Über dem Gesicht ist ein kleiner grauer Klecks, ein Stück, das aus der Schädeldecke abgesprengt ist – Symbol für Jesu Tod. Der blutrote Klecks besteht tatsächlich aus zwei Klecksen nebeneinander, die man als die zwei Teile eines Herzens interpretieren kann – als Symbol für Jesu Liebe sowohl zu Gott als auch zu den Menschen, über den Tod hinaus und obwohl er von Gott verlassen und von den Menschen gekreuzigt wurde.
„Dalí hatte von Kindheit an große Angst vor Heuschrecken“, erläuterte Specht. „Deshalb gab er dem Bedrohlichen in seinen Werken die Form einer Heuschrecke. Im Bild „Flucht nach Ägypten“ greift eine Heuschrecke nach der heiligen Familie, muss sie aber ziehen lassen. In „Gott hat Jesus auferweckt“ liegt der graue Schatten einer Heuschrecke, diesmal siegreich, über dem Leichnam Jesu.“
Auch Privates ist hie und da in den Bildern versteckt. Im Porträt der Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll und von Jesus gerettet wird mit dem Satz: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“ ist unten im Bild, auf einem kleinen Totenschädel, die Zahl „777“ zu sehen, die Zahl für den Jackpot eines einarmigem Banditen im Casino, wo Dalís Frau Gala ein Vermögen verspielt hat.
Die Werke sind bis zum 28. April, dem Sonntag nach Ostern, zu sehen. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst oder nach Vereinbarung. Gruppen können gerne Führungen vereinbaren. An den Sonntagen von 24. März bis 14. April finden jeweils um 17 Uhr Passionsandachten zu einzelnen Bildern der Dalí -Ausstellung statt.
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