Königsbrunn: Erwachsenenbildung mit langer Geschichte

Beim Podiumsgespräch: Martin Sailer, Ingrid Gärtner, Markus Bianchi, Christa Steinhart und Franz Feigl (v.l.n.r.)

Bei der „Langen Nacht der Volkshochschulen“ nahm Landrat Martin Sailer in Königsbrunn an einem Podiumsgespräch teil.

Schon seit 100 Jahren gibt es in Deutschland Volkshochschulen. Zum bundesweiten Jubiläumsprogramm gehörte die „Lange Nacht der Volkshochschulen“ am Freitag vergangener Woche, zu der auch die Volkshochschule (vhs) Königsbrunn eingeladen hatte. Von 18 bis 22 Uhr konnte man kostenlos in die breite Palette der Bildungsangebote der vhs hinein schnuppern, von Puppenspiel über Geschichte und Natur bis zum Teamtraining. Im Pavillon 955 wurde der Abend musikalisch eröffnet vom Duo Bianca Steinbusch und Tobias Ziegler mit einer gekonnten, zarten Interpretation des Hits von Adele „Rolling in the Deep“. Anschließend begrüßte Bürgermeister Franz Feigl das Publikum mit einem Überblick der vhs-Geschichte in Königsbrunn, beginnend mit der Gründung 1919 als „Volksbildungswerk“ vor allem für junge Kriegsheimkehrer ohne Ausbildung. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es bis 1958, als die nun „Volkshochschule“ genannte Einrichtung wieder gegründet und von Bürgermeister Ludwig Wohlfahrt eingeweiht wurde, im Zimmer neben seinem eigenen Büro im Rathaus. Seit 1998 ist die vhs dem Kulturbüro zugeordnet.
Vorsitzender der „vhs Augsburger Land e.V.“ ist Landrat Martin Sailer. Er nahm am anschließenden Podiumsgespräch zum Thema „Volkshochschule vor Ort – Herausforderungen der Zukunft“ teil, zusammen mit Ingrid Gärtner, Königsbrunner Stadträtin und Bildungsreferentin, Christa Steinhart, Geschäftsführerin der vhs Augsburger Land, und Bürgermeister Franz Feigl. Moderator war Markus Bianchi, Dozent für Kommunikationstechniken der vhs. Bianchi nannte als Herausforderungen, denen sich die vhs in der Zukunft gegenüber sehen wird, den demographischen Wandel, Integration, politische Bildung sowie Digitalisierung. „Die Digitalisierungstechnik hat in der vhs bereits Einzug gehalten“, stellte Sailer fest. „Die meisten Anmeldungen werden heute online vorgenommen. Die Möglichkeit, einzelne Kurse zukünftig online anzubieten, muss ins Auge gefasst werden. Wenn die Nachfrage da ist, wird die vhs dem gerecht werden müssen.“ Zur Integration von Zuwanderern hat die vhs nach seiner Ansicht einen großen Beitrag geleistet mit ihrem Kursangebot zum Erlernen der deutschen Sprache. Der nächste Schritt müsse die gesellschaftliche Integration sein. Dabei seien wiederum Kurse, Vorträge und Seminare der vhs zu Kultur, Gesellschaft und Politik hilfreich.

Bildungsangebot mit kurzen Wegen

Als eine weitere Herausforderung nannte Bianchi, konkurrenzfähig zu bleiben gegenüber anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Den Schlüssel dazu sieht Christa Steinhart in der Qualität des Angebots. „Alle Kursleiter müssen auf dem Gebiet, das sie unterrichten, eine fachliche Qualifikation vorweisen, die von uns überprüft wird“, nannte Christa Steinhart als wichtigen Teil der Qualitätssicherung. Zudem sei die Qualität der vhs Augsburger Land zertifiziert, zwei Sterne seien erreicht, mehr werden angestrebt. Die vhs werde weiterhin auch im ländlichen Raum vor Ort sein, kaum ein anderer Anbieter könne so kurze Wege bieten. Damit die vhs nicht nur präsent, sondern auch gut sichtbar sei, brauche sie eigene Räume, statt als Gast in Schulen oder anderen kommunalen Gebäuden zu unterrichten. „Insbesondere in einer Stadt von der Größe Königsbrunns mit der größten vhs im Landkreis sollten eigene Räume mit moderner technischer Ausstattung eigentlich selbstverständlich sein“, so Steinhart. Feigl nahm den Ball auf und verwies auf den einstimmigen Beschluss des Stadtrats, in dem Gebäude, das 2020 auf dem Grundstück Marktstr.3 errichtet werden soll, im Erdgeschoss Räume für die vhs vorzusehen. „Es wird einen Gymnastik-, einen Vortrags- und drei Seminarräume geben“, so Feigl. Er bekannte, selbst an einem Kurs im Tippen mit zehn Fingern in einem Kellerraum teilgenommen zu haben. In einem Spanisch-Kurs, den er zur Vorbereitung auf eine Reise nach Südamerika belegt hatte, musste er auf Kinderstühlen in einer Grundschule sitzen. „Das war nicht gut für meinen Rücken“.
Feigl stellte die Leistungen der vhs für die ältere Generation heraus, einerseits mit speziellen Kursangeboten, andererseits lernen sich in einem Kurs Menschen kennen, wodurch die vhs auch einen sozialen Zweck erfülle, der gerade für ältere Menschen von großem Wert sei. Ingrid Gärtner trug einige Ideen zur von Bianchi genannte Herausforderung „politische Bildung“ vor. Dafür möchte sie insbesondere junge Menschen gewinnen, damit sie fundierte Meinungen entwickeln können. Denkbar sei ein Gesprächskreis im Jugendzentrum „Matrix“. Wichtig sei auch das Thema Konflikte. „Welche Konflikte habt ihr, worum geht es dabei, wie geht ihr damit um?“ Solche Fragen sollten gestellt und besprochen werden. Heidi Mayr, die Leiterin der vhs Königsbrunn, dankte den Teilnehmern des Podiumsgesprächs mit Blumen und einem Bildband über die 100-jährige Geschichte der Volkshochschulen in Deutschland.
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