Kostbares braucht Schutz

Rainer Linke neben der Nachbildung eines römischen Legionärs
 
Rainer Linke und sein Modell einer Siedlung, die um 450 v.Chr. um die heutige Hunnenstraße herum lag

Das Archäologische Museum sucht ehrenamtliche Aufsichtspersonen. 

Königsbrunn. Im Archäologischen Museum Königsbrunn im Untergeschoss des Rathauses sind Grabungsfunde aus dem ganzen südlichen Landkreis ausgestellt. Die Kostbarkeiten aus früheren Jahrtausenden, wie etwa römische Münzen aus reinem Silber, sind in Glasvitrinen untergebracht. Doch große Fundgegenstände passen nicht hinter Glas. Da gibt es etwa ein Keramikgefäß, in dem einst Getreide gespeichert wurde. Es ist etwa einen Meter hoch und hat einen Durchmesser von wenig unter einem Meter. Oder eine Schleuse aus der Römerzeit aus großen behauenen Steinen. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte Museumsleiter Rainer Linke, welche Bewandtnis es damit hat: „Damals verlief ein Kanal von Kaufering nach Augsburg. In Königsbrunn wurde das Römerbad mit dem Kanalwasser versorgt. Nach dem Baden wurde das Wasser weiterverwendet in Latrinen. Nach dieser Nutzung lief es in einen anderen Kanal, der mit dieser Schleuse geöffnet werden konnte, um die Felder in der Umgebung zu düngen.“ Auch Ausstellungsstücke, die angefertigt wurden, um den Besuchern frühere Lebenswelten anschaulich vor Augen zu führen, stehen nicht hinter Glas. Es gibt Schaufensterpuppen, die so gekleidet sind, wie es in der jeweiligen Zeit üblich war. Jedes Kleidungsstück ist ein Unikat. Oder ein mehrere Quadratmeter großes Modell der Siedlung, die während der Hallstattzeit um 450 v.Chr. dort lag, wo jetzt die Hunnenstraße verläuft. In dem Areal wurden eine Schmiede, ein Webstuhl und Spindeln zum Zwirnen von Garn, wie sie noch bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch waren, gefunden. Rainer Linke hat jede Hütte detailgenau und maßstabsgerecht nachgebaut. Ebenfalls in seiner Werkstatt ist das Modell eines keltischen Fürstengrabes aus der Hallstattzeit entstanden. Man muss mehrere Schichten von Holzbohlen abnehmen, bevor man das Grab mit dem Fürsten und seinem Proviant für die Reise ins Jenseits sieht. Dazu gehörte ein Bronzekessel mit 500 Litern Met, einem Honigwein mit einem Alkoholgehalt von 11 bis 20 Volumenprozent. Der Fürst dürfte recht trinkfest gewesen sein.
Es wäre mehr als schade, wenn von diesen Dingen etwas durch unbedachtes Anfassen kaputt ginge. Diese Gefahr besteht, wenn nur eine Person eine Gruppe durch das Museum führt. Da das Museum mehrere Räume hat, ist es schwer, den Überblick über die Besucher zu behalten. Sicherer wäre es, wenn weitere Personen Aufsicht führen würden. Wer sich vorstellen kann, dies ehrenamtlich für eine Aufwandsentschädigung zu übernehmen, ist aufgerufen, sich im Kulturbüro zu melden, persönlich am Marktplatz 9, telefonisch unter 08231/606-260 oder per E-Mail an kulturbuero@koenigsbrunn.de. Das Museum ist an jedem 3. Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Führungen und zusätzliche Öffnungszeiten für Gruppen sind nach Vereinbarung möglich. Da das Museum einen guten Ruf genießt, melden sich immer wieder Gruppen von Studenten an, aber auch Schulklassen und sonstige Interessierte. Fachwissen wird nicht erwartet, denn Besucher, die Fragen haben, können an Siglinde Matysik oder Rainer Linke verwiesen werden. Matysik und Linke führen durch das Museum und sind gleichzeitig diejenigen, die viele der ausgestellten Stücke selbst ausgegraben haben. Deshalb können sie Anekdoten aus der Grabungszeit einflechten und praktisch jede Frage beantworten. „Beide, Matysik und Linke, haben sich im Lauf der Jahre ein enormes, ein lückenloses Geschichtswissen angeeignet!“, lobte Ursula Off-Melcher, die Leiterin des Kulturbüros, die auch für die Museen der Stadt zuständig ist, voller Bewunderung.

Jahrtausendealte Spuren von Menschen

Die Schätze aus dem Altertum sind in vier Räumen ausgestellt, in jedem Raum eine andere Epoche. Es sind Grabungsfunde zu sehen von 2500 v.Chr. bis zum Abzug der Römer aus unserer Region um 450 n.Chr. An den Wänden sind Schatten der Vergangenheit zu sehen. Matysik hat Menschen der jeweiligen Zeit bei der Arbeit gemalt, in hellgrauer Farbe, als sähe man sie hinter einer Nebelwand. Gegenstände aus dem Mittelalter, die in Wehringen und Schwabmühlhausen gefunden wurden, sind im fünften Raum versammelt. Hinzu kommen „Lesefunde“ bis 5500 v.Chr. Sie wurden nicht ausgegraben, sondern aufgelesen, von Mitarbeitern mit guten Augen. Dazu gehören Werkzeuge und Pfeilspitzen aus Stein, die in der Eingangshalle des Rathauses zu sehen sind. „Der Stein wurde mit Hirschgeweihspitzen bearbeitet“, so Linke. Manche Funde waren beim Pflügen zerbrochen worden, andere blieben über Jahrtausende völlig intakt, etwa ein Beil, das in Bobingen gefunden wurde. Man sieht an seinem Glanz, dass es nie benutzt wurde, sondern als Opfergabe diente.
Über seine Anfänge als Hobby-Archäologe erzählte Rainer Linke: „Früher bin ich als stellvertretender Montageleiter an einem Zeichenbrett gestanden. Vor 35 Jahren kam die Umstellung auf Zeichnen am PC, man saß nur noch am Bildschirm. Bald habe ich gemerkt, dass ich durch das lange Sitzen immer mehr zunahm. Ich brauchte ein Hobby, bei dem ich mich bewegen konnte, am besten an frischer Luft. Zufällig gab es damals eine Ausgrabung in der Nähe meiner Wohnung. Als ich erfuhr, dass die Grabung ehrenamtlich ausschließlich samstags durchgeführt wird, dachte ich: Das ist doch ideal! Dass in den folgenden Jahren viele Artefakte gefunden wurden, war ein Glücksfall. Hätten wir nichts gefunden, gäbe es das Museum nicht und ich hätte ein anderes Hobby.“
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