Kulturelle und politische Bildung im Jugendzentrum

Bernd Müller, Paula Gomber, Dominik Rankl und Tim Hofmann (von links).

Bei der Vorstellung einer neuen Mitarbeiterin wurden Ideen für die Zukunft skizziert.

Das Team des Bobinger Jugendzentrums (Juz) ist wieder zu dritt: Als Nachfolgerin von Ufuk Calisici wurde Paula Gomber eingestellt. Aufgewachsen im Raum Frankfurt, kam sie für ihr Studium der Kulturvermittlung und Erziehungswissenschaften nach Augsburg. Nun wird sie Dominik Rankl, den Leiter des Juz, und Tim Hofmann bei der täglichen Arbeit unterstützen und gleichzeitig ihren eigenen Schwerpunkt auf Kulturerlebnisse für Jugendliche legen. Sie kann sich Autorenlesungen vorstellen, verbunden mit eigenen Schreibversuchen, oder Fotografie-Projekte, etwa unter dem Aspekt der Selbstdarstellung von Jugendlichen.
Wie Rankl in einem Pressegespräch berichtete, besuchen täglich rund 60 Jugendliche zwischen 14 und 22 Jahren das Juz. Sie unterhalten sich, spielen Dart, Kicker oder Billard, hören Musik oder kochen gemeinsam. Da die Zweifach-Turnhalle an der Jahnstraße direkt nebenan liegt, kann bei genug Nachfrage auch oft spontan die Sporthalle genutzt werden. Das nächste größere Projekt ist der Buß- und Bettag am 20.November, der für die Eltern kein Feiertag ist, an dem die Schulen aber geschlossen bleiben. Das Juz bietet an diesem Tag Sport, Spiel und Spaß den ganzen Tag hindurch für Mittel- und Realschüler an, einschließlich Frühstück und Mittagessen. Die Jugendlichen werden das Essen selbst zubereiten und auch den Abwasch erledigen. An einem der nächsten Wochenenden wird es einen „Spätschicht“ genannten Abend geben, an dem das Juz bis 22 Uhr geöffnet bleibt statt wie sonst bis 20:30 Uhr. Auch am letzten Wochenende vor den Weihnachtsferien wird alljährlich eine größere Veranstaltung auf die Beine gestellt. Die jungen Besucher können ihre eigenen Vorstellungen in die Programmgestaltung einbringen: Einmal im Monat gibt es eine „Hausversammlung“ und am Jahresende werden Kritik und Wünsche schriftlich gesammelt. Vorschläge der Jugendlichen waren zum Beispiel ein Bowling-Ausflug, ein Basketball-Turnier oder eine Party mit einem „richtig guten“ DJ.
Da einige „Stammgäste“ des Juz bei den Kommunalwahlen im März 2020 Erstwähler sein werden, wollen die Juz-Mitarbeiter sie darauf vorbereiten. Sie haben sich eine Veranstaltung mit dem Motto „Hey, Bürgermeister“ ausgedacht, bei der sich die Kandidaten für das Bürgermeisteramt vorstellen und in einem spielerischen Wettkampf gegeneinander antreten. Details werden nicht verraten, aber es wird wohl um Denksport und Geschicklichkeit gehen. Nun hoffen sie auf die Zusage der Kandidaten. Doch dabei soll die politische Bildung im Juz nicht stehen bleiben. Rankl hat in Gesprächen mit Bürgermeister Bernd Müller Ideen entwickelt, wie man junge Menschen langfristig für Politik interessieren kann. Versuche wie einen „Jugendtag“ oder ein Jugendparlament hat es am Ort schon gegeben, doch haben diese keine längerfristige Wirkung entfaltet. Nun will man sich auf die Suche nach neuen Wegen begeben. „Alle politischen Parteien haben Nachwuchssorgen“, erläuterte Müller. „Und alle sind sich einig darin, dass die Überzeugungen Jugendlicher nicht von extremen Aussagen im Internet geprägt werden sollen. Daher hoffe ich auf breite Zustimmung zum Budget für unsere Projekt-Idee.“
Um herauszufinden, welche Themen jungen Menschen wichtig sind und in welcher Form sie ihre Vorstellungen einbringen möchten, stellen sich Müller und Rankl vor, dass zu Beginn eine Umfrage durchgeführt wird. Es geht sowohl um Themen als auch um die Art der Kommunikation. Ist ein Internetangebot sinnvoll, persönliche Gespräche, die digitale oder persönliche Teilnahme an Sitzungen oder eher Versammlungen ohne die Formalitäten offizieller politischer Gremien? Müller fuhr fort: „Die Ergebnisse könnten 2020 oder 2021 bei einem Jugendkongress in der Singoldhalle diskutiert werden. Umfrage, Auswertung, die anschließende Durchführung von Maßnahmen und die Beobachtung von Akzeptanz und Wirkung sollen wissenschaftlich begleitet werden. Als Partner kommen etwa die Hochschulen in Augsburg oder das Schäuble-Institut für Sozialforschung in Frage.“ Das Ziel solle sein, den Jugendlichen ihre Einflussmöglichkeiten auf politische Themensetzungen und Entscheidungen zu verdeutlichen, sie zur Teilnahme zu bewegen und diese vor allem langfristig zu sichern. Die Wahlen der nächsten Jahre seien ein guter Anlass für das Projekt, doch solle es um mehr als Wahlen gehen. „Gerade auf kommunaler Ebene wirken sich politische Beschlüsse oft auf den Alltag von Jugendlichen aus“, so Müller. „Man denke nur an den öffentlichen Nahverkehr oder die Sanierung von Schulgebäuden.“
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