Kunsthandwerk aus Bobingen

Auf einer Rosenkugel landet gerade eine Hummel.
 
Eine Schale, auf der sich zwei Vögel niedergelassen haben.

Karin Guldner fertigt Weihnachtskrippen und vieles mehr aus Keramik.

Ein Engelskind mit Flügeln sitzt neben zwei grünen Echsen, dahinter steht eine Gruppe von fröhlich grinsenden Schneemännern – so sieht es in Karin Guldners Werkstatt aus. Guldner ist Keramikerin, ausgebildet in der Töpferei Lipp in Mering und an der Staatlichen Berufsschule für Keramik in Landshut. Nach der Ausbildung stand für sie schon bald die Arbeit für die Familie im Vordergrund, doch die Liebe zum Ton und zu den Farben blieb. Heute verkauft sie ihre aufwändig gestalteten Stücke bei Marktveranstaltungen auf Gut Morhard, auf dem Nikolausmarkt in Königsbrunn oder beim Historischen Dorffest in Wehringen. Im Sommer bietet sie einzigartige Rosenkugeln an, auf denen sich kleine Vögel oder Insekten niedergelassen haben, detailreich bemalt in vielen Farben. Im Winter hat sie Weihnachtskrippen in zwei Größen im Sortiment, einschließlich Ochsen, Eseln und Kamelen. Keine Figur sieht genauso aus wie die andere, jede hat einen eigenen Gesichtsausdruck. Guldner fertigt Duftlampen, die interessante Lichtmuster an die Wände zaubern. Die Lampen haben die Form eines Indianertipis oder eines Leuchtturms – Guldners Phantasie kennt keine Grenzen. Beim zweiten Hinsehen erkennt man einen kleinen Mond an der Spitze eines Tipis, und wer genau hinschaut, entdeckt, dass der Mond auch ein Gesicht hat. Das Talent hat Guldner von ihrer Mutter, einer leidenschaftlichen Hobbymalerin, geerbt. Sehr viel Spaß hat Guldner daran, Türschilder anzufertigen, auf die sie das Haustier oder ein anderes Lieblingstier unter den Namen malt.
Für eine große Tierfigur braucht Guldner Gießton und eine Gießform aus Gips, die aus zwei Hälften besteht. Die beiden Hälften werden fest zusammengeschnürt. Dann wird die Gießform komplett mit Ton gefüllt. Nach 10 bis 20 Minuten ist der Ton direkt an der Form fest, innen aber noch flüssig. In diesem Moment muss der noch flüssige Ton durch die Eingießöffnungen ausgegossen werden. Nun heißt es warten, etwa 10 Stunden lang. Dann kann die Form geöffnet werden und heraus kommt der sogenannte „Rohling“ mit einer Wandstärke von drei bis vier Millimetern. Er wird an den Nähten geglättet und muss anschließend einige Tage an warmer Luft trocknen, wobei immer wieder kontrolliert werden muss, ob die Wärme so ist, dass der Ton gleichmäßig durchtrocknet. Der nächste Arbeitsschritt ist der erste Brand bei 960 Grad anderthalb Tage lang, in der Fachsprache „Schrühbrand“. Danach sehen die Werkstücke weiß aus und fühlen sich rau an. Nun kann die Farbe aufgetragen werden. Guldner malt mit schwungvollem, breitem Pinselstrich in mehreren Farben, am Ende kommen noch einige dünne schwarze Striche hinzu. Die Farben sehen beim Auftragen hell und matt aus, ganz anders als nach dem Brennen. Nach dem Bemalen wird die Glasur darüber gegossen, dann folgt der Glasurbrand. Auch der dauert anderthalb Tage, diesmal bei etwas über 1000 Grad. Der Brand dauert so lang, weil die Temperatur im Brennofen langsam höher und wieder geringer werden muss, damit das Material nicht reißt. Wenn der Ofen geöffnet wird, ist er innen schon kühl. „Der schönste Moment ist für mich, wenn ich den Ofen aufmache. Dann leuchten die Farben in ihrer ganzen Pracht, für diesen Moment hat man vorher wochenlang gearbeitet“, schwärmt Guldner.
Guldner beherrscht alle keramischen Techniken: Auf der Töpferscheibe dreht sie Schalen, Vasen oder Rosenkugeln. Mit Gießton fertigt sie Figuren wie die für ihre Weihnachtskrippen. Kleine Figuren, wie etwa eine Hummel auf einer Rosenkugel, formt sie von Hand. Nach telefonischer Terminabsprache unter der Nummer 08234 – 902689 kann man die kleinen Kunstwerke bei Guldner zu Hause erwerben. Wer in das Kunsthandwerk einmal hinein schnuppern möchte, kann ein Werkstück selbst bemalen. Guldner bietet auch Töpfern für Kinder an, etwa für eine besondere Geburtstagsfeier. Wem ein lieb gewonnenes Stück Keramik zerbrochen ist, kann es in Guldners Werkstatt reparieren lassen.
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1 Kommentar
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 30.11.2019 | 18:11  
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