Märsche, Ouvertüren und Swing

Das Polizeiorchester Bayern mit seinem Dirigenten Johann Mösenbichler

Das Sinfonische Blasorchester der Polizei spielte ein Benefizkonzert in Königsbrunn.

Über 500 Zuschauer kamen zum Konzert des Bayerischen Polizeiorchesters Bayern in der Sporthalle der V. Bereitschaftspolizeiabteilung Königsbrunn. Der Andrang wurde von der Polizei mit guter Planung gemeistert. Schon an der Einfahrt wurden die Eintrittskarten kontrolliert, dann wurden die Autos von Uniformierten in den Parkplatz eingewiesen. In der Sporthalle waren Stuhlreihen, eine Bühne, Tische für den Verkauf von Erfrischungen und Stehtische aufgebaut. Es herrschte die Atmosphäre eines Konzertsaales, die Basketballkörbe an den Wänden waren schnell vergessen.
Den Erlös des Konzerts bekommt vollständig die Aktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks (BR), die Projekte für kranke, behinderte und in Not geratene Kinder unterstützt, wie beispielsweise das Bayerische Kinderschmerzzentrum am Universitätsklinikum Augsburg. Den Flutopfern in Malawi und Mosambik konnte Sternstunden 1 Million Euro zur Verfügung stellen für die Bekämpfung der Seuchengefahr und einer absehbaren Hungersnot. (Spendenkonto unter: www.sternstunden.de) Begrüßt wurde das Publikum von Regina Wallner, einer Moderatorin des BR. „Das sinfonische Blasorchester besteht aus 45 Musikern aus 12 Nationen“, erläuterte sie. „Das Orchester ging hervor aus einem Musikzug, in dem hauptamtliche Polizisten spielten. Heute besteht es aus professionellen Musikern, seit den 90er Jahren werden auch Frauen aufgenommen“, so Wallner weiter. Das Orchester trat in Polizeiuniformen zu schwarzen Lackschuhen auf. Sie sind studierte Berufsmusiker, gehören aber der Bereitschaftspolizei an, unterstehen also dem Präsidenten der Bayerischen Bereitschaftspolizei Wolfgang Sommer, der von seinem Dienstsitz in Bamberg zum Konzert angereist war. Nur Dirigent Johann Mösenbichler trug Frack. Moderator des Abends war Peter Seufert. Er spielte im Orchester die Klarinette und stellte zwischendurch die Musikstücke, Komponisten und Musikepochen vor.
Das Konzert begann leise. Der „Ceremonial March“ von Jan van der Roost entwickelt sich von anfangs zarten Tönen nach und nach zu immer größerer Festlichkeit. Hin und wieder meint man, einige Takte aus Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ zu hören, und so ist es auch. Der Marsch wurde 1984 zum 50. Todestag des in Großbritannien verehrten Komponisten geschrieben. Im nächsten Stück des Programms konnte das Orchester erst recht alle Register ziehen. Die Ouvertüre zu Gioacchino Rossinis Oper „Wilhelm Tell“ bietet Passagen von tosendem, dramatischen Klang, für den Rossinis Werke geliebt werden. Dazwischen Einwürfe einer einzelnen Klarinette oder Querflöte, wunderbar gespielt. Das Publikum genoss die bekannten Melodien, insbesondere den weltberühmten Galopp am Ende, und erste Bravo-Rufe wurden laut. Es folgte ein großer Auftritt für die Trompete im “Dramatic Essay“ von Clifton Williams. In dem Zwiegespräch zwischen Orchester und Trompete brillierte Martin Ehlich als Solist. Von der Anfangsfanfare über den melancholischen Mittelteil bis zum Großstadtsound voller Drive im letzten Teil krönte Ehlich die Musik mit seinem virtuosen Spiel. Ein furioser „Hochzeitstanz“ des georgisch-amerikanischen Komponisten Jacques Press mit Anklängen an Klezmer-Musik und einem vom Orchester gerufenen „hei!“ als Schlusspunkt kam beim Publikum sehr gut an.

Erzählende Musik

Das folgende zeitgenössische Werk des Amerikaners W. Francis McBeth wirkte auf viele Zuhörer „horizonterweiternd“, wie es Bürgermeister Franz Feigl in der Pause ausdrückte. Es ist eine Vertonung des Romans „Moby Dick“ von Herman Melville, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Erzählt wird von der Jagd auf einen weißen Pottwal, die nur wenige Besatzungsmitglieder überlebten. Jeden der fünf Sätze der Suite hat der Komponist mit einem Zitat aus dem Roman überschrieben, das von Peter Seufert vorgetragen wurde. Die Musik übersetzt Bilder in Instrumentenklang, nur das Möwengeschrei kam vom Band. Das Meeresrauschen etwa wurde vom Schlagzeugbesen und einem Percussioninstrument erzeugt. Im ersten Satz meinte man, das Meer zu sehen, zunächst wogend, dann spiegelglatt in der Sonne liegend. Bei der Szene des letzten Gottesdientes an Land legten die Musiker ihre Instrumente weg und sangen einen mehrstimmigen Kirchenchoral. Kurz darauf war das Drama zu hören. Der Wal wird gesichtet, Aufregung entsteht, der Wal rammt das Schiff, das Schiff wird hin und her geworfen. Die Töne werden schrill, sie könnten von Menschen in Angst stammen oder von dem Wal, der um sein Leben kämpft. Der Wal siegt, von Harpunen schwer verletzt.
Nachdem sich das Publikum in der Pause gestärkt hatte, wurde der zweite Teil mit einem leichtfüßigen Marsch namens „Unsere Helden“ des Tschechen Josef Fucik eröffnet. Dann stellte Tobias Epp sein Können am Euphonium unter Beweis. Das tief und warm klingende Blechblasinstrument wurde erst im 19. Jahrhundert erfunden und sieht aus wie eine kleine Tuba. Im Stück „For a Flower“ von Hermann Pallhuber spielt es zunächst ein langsames Solo, in apartem Kontrast zum Glockenspiel, und wechselt dann in einen flotten Galopp. Es folgt ein variantenreicher Wechsel zwischen Orchester und Soloinstrument und endet in einer hymnischen Melodie.
Schließlich kamen Freunde des Big-Band-Sounds auf ihre Kosten bei der Ouvertüre des Musicals „A Wonderful Town“ von Leonard Bernstein, einer Hommage in Swing an die Stadt New York in den 30er Jahren. Auch diesen Stil beherrscht das Polizeiorchester in Perfektion und riss damit das Publikum zu vielen Bravo-Rufen hin. Am Ende des Programms stand das „Sternstundenlied“, das vor 25 Jahren für die erste Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks zugunsten der Aktion Sternstunden von Thilo Wolf komponiert wurde. Es folgten langer Applaus und stehende Ovationen. Wallner sowie der Chef der V. Bereitschaftspolizeiabteilung, Polizeidirektor Thomas Fichtner, bedankten sich beim Orchester und seinem Dirigenten Johann Mösenbichler für den schönen Abend, bevor sich das Orchester mit zwei beschwingten Märschen endgültig von Königsbrunn verabschiedete.
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