Mehr Platz für Stadtbücherei

Die Räume der Stadtbücherei sind nicht mehr zeitgemäß. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen | Umbaupläne für die Alte Mädchenschule

Peter Stöbich
Bobingen. Ursprünglich war von einem Baubeginn Anfang dieses Jahres die Rede gewesen, doch der Umbau der Alten Mädchenschule zu einem Bildungshaus für die Stadt Bobingen dürfte noch eine Weile dauern. Vor allem für die beengte Stadtbücherei wäre es wichtig, daß sie in zeitgemäßen Räumen endlich mehr Platz bekommt. Ihre Leiterinnen Judith Hitzelberger und Verena Weber wollen diese Woche nach Augsburg fahren, um bei einem Gespräch mit dem Architekten ihre Vorstellungen für eine moderne Bibliothek zu erläutern.
Vier Jahre ist es bereits her, daß eine knappe Mehrheit des Bobinger Stadtrats einen Umzug der Bücherei von der Pestalozzistraße in die ehemalige Brauerei an der Hochstraße abgelehnt hatte. Wegen der Kosten von 1,75 Millionen Euro wollten die CSU-Räte damals eine weitere Verschuldung nicht mittragen.
Wann das Projekt Bildungshaus - die Rede war bisher von 2,6 Millionen - spruchreif wird, kann Stadtbaumeister Rainer Thierbach nicht genau sagen. Jedenfalls soll der Zuschussantrag bis Ende dieses Jahres fertiggestellt und bei der Regierung von Schwaben eingereicht werden. "Der weitere Zeitplan wird dann nach Fertigstellung der Zuschussanträge in den Gremien beraten und abgestimmt", sagt Thierbach. Bis dahin soll es auch Klarheit über die Kosten für ein neues Ganzjahresbad als Ersatz für das "Aquamarin" geben.
Derzeit gibt es Gespräche mit den Nutzern der Alten Mädchenschule; außerdem laufen die Angebotsverfahren für die Fachplaner Haustechnik, die im Juni beauftragt werden sollen. Über das Raumprogramm wollen die Bobinger Räte dann nochmals beraten. "Wann das sein wird, darüber läßt sich derzeit noch nichts Konkretes sagen", so der Stadtbaumeister.
Hitzelberger und ihr Team freuen sich, dass die Stadtbibliothek nicht länger ein Stiefkind bleibt; denn in den Räumen an der Pestalozzistraße kann man sich kaum noch umdrehen, wenn viele Kunden gleichzeitig nach Lektüre suchen. Auch für Lesungen oder sonstige Veranstaltungen ist kaum Platz. Deshalb wünschen sich viele Leser mehr Aufenthaltsqualität, die es nach dem geplanten Umbau endlich geben soll.
Auch aufgrund der ständigen Ausweitung ihres Angebots stößt die Bücherei an ihre Kapazitätsgrenzen. Zum Vergleich: Die öffentliche Bibliothek in der Marktgemeinde Mering ist mit 350 Quadratmetern doppelt so groß. "Wir merken, dass sich die Besucher nicht mehr gern und lang in unseren engen Räumen aufhalten", stellt Hitzelberger fest. Die Zahl der Entleihungen konnte nur dank der Möglichkeit konstant gehalten werden, auch übers Internet Medien zu nutzen; rechnet man die Onleihe aus der Statistik heraus, so sind in den vergangenen fünf Jahren die Entleihzahlen um rund 10.000 gesunken. Dieser Abwärtstrend ist ein deutliches Zeichen für die mangelnde Attraktivität der Bobinger Bücherei.
Ein weiteres Problem: Derzeit gibt es auch keinen barrierefreien Zugang in die Alte Mädchenschule. „Bei Kinderwagen oder Rollstuhlfahrern müssen wir immer raus auf den Gang und beim Tragen über die Treppen mithelfen“, schildert Hitzelberger, „das ist sehr umständlich.“
Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses hatten sich schon vor längerer Zeit auf ein Raumprogramm verständigt, bei dem unter anderem Bücherei, Museen und Volkshochschule zum Zug kommen sollen. Das sieht die Planung vor: Im Erdgeschoss finden unter anderem das „Haus der kleinen Forscher“ und wie bisher Räume für den „Treffpunk soziale Stadt“ Platz; außerdem soll es einen 80 Quadratmeter großen Mehrzweckraum für Veranstaltungen geben. Die Bücherei wandert hinauf in den ersten Stock, wo ihr mit Leseecke, Büro und Lagerflächen knapp 400 Quadratmeter zur Verfügung stehen werden.
Unterm Dach sind Schul-, Heimat- und Pergamentmuseum untergebracht, über das ganze Haus verteilt sind Büros, Nebenräume und Toiletten. Das Untergeschoss beherbergt neben der Haustechnik einen Musik-Probenraum sowie Keller- und Nebenräume. Thierbach möchte auch einen Aufzug unterbringen und so alle Stockwerke barrierefrei zugänglich machen. Der Schwerpunkt des vorgesehenen Nutzungskonzepts liegt auf dem Bereich Sozial- und Bildungskultur, Zuschüsse erhofft man sich aus Mitteln der Städtebauförderung.
Das Projekt ist im Stadtrat umstritten: Während es die SPD für wünschenswert, aber angesichts anderer Aufgaben nicht für dringlich hält, will die CSU unter anderem der Stadtbücherei mehr Platz verschaffen. Ursprünglich war der Start des Umbaus für Anfang 2018 und die Fertigstellung für April 2019 angedacht; wann Bobingen tatsächlich ein Bildungshaus bekommen wird, ist ungewiß, denn angesichts der aktuellen Baukonjunktur dürfte es wohl kaum bei Kosten von 2,6 Millionen bleiben.
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