Naturmuseum Königsbrunn: Bald größer, schöner und barrierefrei

Ursula Off-Melcher und Günther Groß im Raum mit dem Biotop „Wiese“ zwischen fast fertigen Schaukästen, Umzugskartons und Werkzeug.

Der Umzug des Naturmuseums ist ein organisatorisches Großprojekt.

Zukünftig wird das Naturmuseum nicht mehr an der Bürgermeister-Wohlfahrth-Straße zu finden sein, sondern im früheren Thermengebäude, neben der Eishalle. Das Team um Museumsleiter Günther Groß hat sich für die Neueröffnung die Woche vor Weihnachten vorgenommen, der aktuelle Stand der Arbeiten macht jedoch eine Eröffnung im Januar wahrscheinlich, wie Groß und Kulturamtsleiterin Ursula Off-Melcher bei einem Gespräch in den neuen Räumen erläuterten. Die neuen Leichtbauwände stehen, die Installationsarbeiten sind fast abgeschlossen und die ersten Räume sehen präsentabel aus, etwa der Auwald-Raum mit der Wand, bei der man auf das Bild verschiedener Vogelarten drücken kann, um ihre Stimmen zu hören. In anderen Räumen stehen noch Umzugskartons, Leitern und Werkzeug.
Der Eingang zum Museum liegt auf der Südseite der Rest-Therme, links neben dem Eingang zur Eisarena. Wer mit dem Auto kommt, fährt am besten über den Alten Postweg, denn der Zugang vom Parkplatz an der Königsallee ist wegen Baggerarbeiten gesperrt. Man betritt zunächst das elegante Foyer im Erdgeschoss, wo die Garderobe und ein Aufenthaltsbereich mit Polstergruppe untergebracht sind. Von dort gelangt man über die Treppe oder den Aufzug zum Museum im ersten Stock. „Hier auf der Empore vor der Eingangstür soll im Laufe des nächsten Jahres ein Vorraum mit einer geologischen Sammlung, in der Fossilien und Steine ausgestellt werden, entstehen“, erläuterte Groß seine weiteren Pläne. Durch die große Eingangstür, die in Zeiten der Königstherme zum Gastronomie-Bereich führte, kommt man ins Museum. Dort wird man von einem großformatigen Foto der Königsbrunner Heide mit blühenden Sumpfgladiolen empfangen. Rechts neben dem Eingang sieht man hinter Glas den Arbeitsplatz von Dr. Heinz Fischer, dessen Nachlass das Museum einen großen Teil seiner Exponate verdankt.
Der Museumsrundgang beginnt im Raum mit dem Thema Evolution, Charles Darwin blickt den Besucher an. Man kennt die Tafeln und Schaukästen vom früheren Standort, hier kommen sie jedoch schöner zur Geltung, weil die Räume größer sind. Das Museum hat fast doppelt so viel Fläche zur Verfügung wie im Gebäude an der Wohlfahrth-Straße. „Am alten Standort war der Schulungsraum zu klein für eine ganze Schulklasse, deshalb konnten die Kinder nur in zwei Gruppen nacheinander an die Mikroskope. Im neuen Raum hat eine ganze Klasse Platz und es gibt sogar einen Beamer mit Leinwand“, freut sich Groß. Das große Lechdiorama mit all den Lebewesen in und am Fluss ist von neun auf elf Meter Länge gewachsen. Ein Dioramenbauer aus Thüringen wurde angeheuert, damit das Prachtstück wieder so aussieht und so stabil steht wie am alten Standort.

Sorgfalt bei jedem Detail

Wer versucht, die Bestandteile eines einzigen Schaukastens zu zählen, wird sich bald vorstellen können, wie viel Arbeit in diesem Umzug steckt. Jedes Präparat musste sorgfältig verpackt und beschriftet werden. Aus der Beschriftung musste hervorgehen, worum es sich handelt, in welchen Schaukasten es gehört und an welche Stelle darin. Diese Arbeit wurde von den unermüdlichen ehrenamtlichen Helfern des Museums übernommen. „Ohne diese Hilfe wäre es einfach nicht gegangen. Wir sind den Ehrenamtlichen riesig dankbar“, sagte Off-Melcher. Den Umzugstransport hat der städtische Betriebshof durchgeführt. Da die Räume andere Wandlängen haben als die am alten Standort, mussten Tafeln und Schaukästen anders angeordnet werden. Günther Groß hat die innenarchitektonischen Zeichnungen angefertigt, was ihm als Maschinenbauer im Ruhestand meisterlich gelang, wie Off-Melcher versicherte. Eine Schreinerei hat die Schaukästen wo nötig umgebaut. Die archtitektonische Planung des Umbaus hat Hildegard Korstick durchgeführt. Sie arbeitet als Architektin für die Freizeit- und Sportstättengesellschaft Königsbrunn (FSK), einer Tochtergesellschaft der Stadt, von der das Museum die Räume mietet. Einzige Aufgabe der Gesellschaft ist es, das Restgebäude der Königstherme instand zu halten, zu verpachten und zu verwalten. Wichtig ist auch die Arbeit von Dieter Emmerich, einem Präparator im Ruhestand aus Augsburg. Vorsorglich kamen alle Präparate eine Zeit lang in einen Tiefkühl-Container, um eventuell in Federn und Fellen sitzenden Schädlingen den Garaus zu machen. Von Gesetzes wegen musste eine Schadstoffgutachterin beauftragt werden, um sicher zu gehen, dass aus den Präparaten keine giftigen Dämpfe entweichen. Günther Groß unterhält gute Kontakte zu anderen naturkundlichen Museen, etwa dem Rosenstein-Museum in Stuttgart, und konnte sich dort viele nützliche Tipps für das „Projekt Umzug“ holen. „Da wir etwa zehn Jahre lang in diesem Gebäude bleiben werden, hat sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt“, so Günther Groß.
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