Rathaus im Ausnahmezustand

So sieht aus Bienensicht ein gedeckter Tisch aus.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ fand überwältigende Unterstützung in der Region

Bobingen. Mindestens 10 Prozent der Wahlberechtigten müssen ein Volksbegehren unterschreiben, damit die Staatsregierung einen Volksentscheid anberaumen muss. Diese Mindestbeteiligung wurde in ganz Bayern überschritten, 18,4 Prozent haben sich in die Listen eingetragen. Es wird daher innerhalb eines halben Jahres zu einem Volksentscheid kommen. Der Ministerpräsident hat zwar einen Runden Tisch angekündigt, ein Kompromiss zwischen den Vorstellungen der Staatsregierung und denen der Initiatoren des Volksbegehrens ist aber kaum zu erwarten. Daher wird die Staatsregierung mit hoher Wahrscheinlichkeit einen eigenen Entwurf für ein neues Naturschutzgesetz ausarbeiten und bei einem Volksentscheid zur Wahl stellen. Bei diesem Entscheid dürfen dann die Wahlberechtigten ihre Stimme entweder dem Gesetzentwurf des Volksbegehrens oder dem Entwurf der Staatsregierung geben. Es gewinnt der Entwurf, der die einfache Mehrheit bekommt, also mehr als 50 Prozent der Stimmen, egal wie knapp.
Auch in Bobingen und den Kommunen der Umgebung fand das Anliegen, dem Artensterben Einhalt zu gebieten, breite Unterstützung. In Bobingen haben sich von 12089 Wahlberechtigten 3251 eingetragen, was einer Beteiligung von 26,89 Prozent entspricht. Ähnlich hoch war die Beteiligung in Großaitingen und Oberottmarshausen mit jeweils rund 26 Prozent sowie in Wehringen mit über 23 Prozent. In Königsbrunn haben sich 4364 Personen eingetragen, was 21 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Auch in Fischach und Kleinaitingen lag die Eintragungszahl mit rund 18 und 12 Prozent über der nötigen Mindestbeteiligung. Die Kommunalverwaltungen haben den Ansturm der Eintragungswilligen mit außerordentlichem Engagement bewältigt. In Bobingen wurden bei großem Andrang zusätzliche Räume im Rathaus für die Eintragung genutzt und Personal dafür abgestellt.
Dr. Andreas Fleischmann, Biologe an der Botanischen Staatssammlung München, versucht seit Jahren, mit seinem Vortrag „Die faszinierende Welt der Wildbienen“, Aufmerksamkeit auf die Not der Insekten zu lenken. 80 Prozent aller Pflanzenarten der Welt werden von Bienen bestäubt, so Fleischmann. Diese kleinen Tiere seien unersetzlich. Ihr Bestand gehe in den letzten Jahren zurück, verursacht in erster Linie durch die Vernichtung ihrer Lebensräume. Ackerrandstreifen, Hecken und selten gemähte Blumenwiesen seien gegenwärtig das am stärksten bedrohte Biotop in Deutschland. Den Vögeln fehlen die Insekten als Nahrung, wodurch auch ihr Bestand immer kleiner werde. Folgerichtig hat das Volksbegehren zum Ziel, solche Biotope zu schützen und auszuweiten. Eine weitere Forderung ist die Verminderung der nächtlichen Außenbeleuchtung, da sie den Tod unzähliger Insekten verursacht.
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