Seit 50 Jahren gut befreundet - Bobingens Städtepartnerschaft mit dem französischen Aniche

Dieser Straßenname ehrt die Partnerschaft Bobingens mit der französischen Stadt Aniche.

Bobingens Städtepartnerschaft mit Aniche hat eine bewegende Vorgeschichte.

Am 10. Juli wird die Städtepartnerschaft zwischen Bobingen und der nordfranzösischen Stadt Aniche 50 Jahre alt. Die Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier sind in vollem Gange. Der Verein „Freunde von Aniche“ möchte nach Aniche reisen, um am Grab von François Longelin, dem Initiator der Partnerschaft, einen Kranz niederzulegen. Dies berichtet die Vorsitzende des Vereins Waltraut Wellenhofer. Und am 11. Juli wird in der Singoldhalle ein deutsch-französischer Empfang mit Rahmenprogramm stattfinden.
Bobingen gehörte zu den ersten Städten in Bayern, die eine offizielle Partnerschaft mit einer französischen Stadt eingingen. Den Anstoß dazu gab François Longelin. Er hatte als Kriegsgefangener im landwirtschaftlichen Anwesen von Familie Füchsle in Bobingen an der Lindauer Straße gearbeitet. In den 1960er Jahren besuchte er seine ehemaligen Arbeitgeber und lernte den damaligen Bürgermeister Alois Häring und den gut Französisch sprechenden Albert Amann kennen und schätzen. Er selbst war inzwischen Gemeindeoberhaupt von Aniche geworden. Nachdem Bobingen 1969 zur Stadt erhoben worden war, konnte er daher kraft Amtes einen Partnerschaftsvertrag vorschlagen. Longelin übte sein Amt bis 1971 aus. Er starb 1986 mit 72 Jahren.
Aniche hat gut 10 000 Einwohner und liegt etwas mehr als 800 km von Bobingen entfernt unweit der belgischen Grenze. Der Weg von Aniche nach Brüssel oder Calais ist kürzer als der nach Paris. Wirtschaftlich wurde die Stadt geprägt von Bergbau und Glasindustrie. In der Umgebung liegen die großen Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Daher ist die Erinnerung an den „Grande Guerre“, den „Großen Krieg“, bis heute lebendig.

Croissants und das „Kap der weißen Nase“ entdecken

Als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer das Abkommen über die deutsch-französische Zusammenarbeit, kurz Elysée-Vertrag genannt, 1963 unterzeichneten, konnten sie nicht ahnen, wie sehr die Paragraphen über Jugend- und Schüleraustausch das Leben vieler Menschen bereichern würden, zum Beispiel in Bobingen und Aniche. Französische Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben München, Augsburg und das Allgäu gesehen, in deutschen Gastfamilien gewohnt, sich mit deren Lebensweise vertraut gemacht und Freundschaften geschlossen. Reisegruppen aus Bobingen haben gelernt, wie gut ein Croissant zu heißer Schokolade schmeckt und wie man sich mit Wangenküsschen begrüßt. Viele kamen als Schüler nach Aniche, freundeten sich dort mit gleichaltrigen Franzosen an, wurden erwachsen, stellten sich gegenseitig ihre Familien vor und schreiben sich noch Jahrzehnte nach ihrem ersten Besuch zu jedem Weihnachtsfest eine Karte, erzählt Waltraut Wellenhofer.
Es war 1983, als Hartmut Gärtner, der damalige Bobinger Bürgermeister, Waltraut Wellenhofer fragte, ob sie Französisch könne. Sie war Lehrerin für Naturwissenschaften, hatte aber in der Schule Französisch gelernt und übersetzte für ihn einen Brief aus Aniche. Damit begann ein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, das ihr und ihrer Familie unvergessliche Erlebnisse bescherte. Während ihrer Fahrten in die Partnerstadt mit Gruppen von jeweils 20 bis 30 Schülerinnnen und Schülern besuchte Wellenhofer Paris und Lille, ein Fußballstadion, Museen und Bunkeranlagen aus dem Ersten Weltkrieg. Sie stand auf den Steilklippen des Cap Blanc-Nez, auf Deutsch „Kap der weißen Nase“, und konnte von dort die Kreidefelsen der englischen Südküste in der Sonne leuchten sehen. Ihr Sohn trifft sich bis heute mit seinem Freund aus Aniche, wenn er in Südfrankreich Urlaub macht. In Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Arbeit, die sie bis heute mit großer Begeisterung ausfüllt, erhielt Wellenhofer 2009 zusammen mit Jocelyne Bizé, der Präsidentin des Anicher Vereins für internationale Kontakte, den Kulturpreis der Stadt Bobingen.
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