Siedlung künftig ohne Bank

Auch die Raiffeisenbank macht Filialen auf dem Land dicht. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen |

Rückzug der Raiba stößt auf Unverständnis.



Peter Stöbich
Bobingen. Nach der Sparkasse zieht sich jetzt auch die Raiffeisenbank aus der Bobinger Siedlung zurück und wird ihre Filiale dort schließen. Diese Entscheidung stößt bei vielen Bürgern und Kommunalpolitikern vor allem deshalb auf Kritik und Unverständnis, weil die Raiba vor nicht allzu langer Zeit noch mit dem Slogan "Wir bleiben da" geworben hatte. Aber auch andere Banken machen ihre Filialen auf dem Land dicht, so zum Beispiel in Oberottmars- oder Zusmarshausen.
Vorstand Hans-Jürgen Fröchtenicht begründet die Filial-Schließung in der Siedlung unter anderem mit der zunehmenden Nutzung von Online-Banking und der aktuellen Zinspolitik sowie der Kostenbelastung durch viele Fremdkunden, die sich nur billig mit Bargeld versorgen, und einer wachsende Belastung durch staatliche Regulierung und Auflagen. Darauf müsse das Unternehmen reagieren. Bürgermeister Bernd Müller spricht von einer "unguten Entscheidung", in welche die Stadt aber nicht hineinreden könne.
Wenig an der Situation ändern wird wohl eine Unterschriftenaktion, die Mitglieder des SPD-Ortsvereins organisiert haben. Vorsitzender Armin Bergmann stellt fest, durch ihr Verhalten setze die Bank ihren guten Ruf aufs Spiel. Kritisch sieht er vor allem, dass die Eigentümer der Bank in keiner Weise in die Entscheidungen einbezogen worden seien, „nämlich alle Kunden, die Genossenschaftsanteile besitzen“. So sei bei der Vertreterversammlung der Bobinger Bank im Juni mit keinem Wort von Schließungen die Rede gewesen.
Auch Bergmanns SPD-Kollege Helmut Jesske, Stadtratsmitglied und selbst Siedler, spricht von einem "haarsträubenden Verhalten". Die Konkurrenz durchs Internet lasse er als Argument der Raiba nicht gelten, so Jesske: "Viele Kunden sind zum Online-Banking geradezu genötigt worden und stehen jetzt dumm da!"
Auch Ulrike Jürges vom Siedlerverein bringt in dem Brief an die Raiffeisenbank ihre Enttäuschung zum Ausdruck: „Mit Ihrer Entscheidung konterkarieren Sie alle Bemühungen der ehren- und hauptamtlichen Aktiven, die sich in der Siedlung darum bemühen, eine bessere Wohn- und Lebensqualität zu schaffen!“ Gerade für Senioren sei es oft unmöglich, ihre Bankangelegenheiten über das Internet zu erledigen.
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