Sommer, Sonne, Schwimmbad: Ein Tag im Bobinger Freibad

Für Sicherheit und Sauberkeit sorgen im Aquamarin Rainer Pfeiffer und Vivien Kurfer. Fotos: Stöbich
 
Die Mitglieder der Wasserwacht unterstützen das städtische Personal ganzjährig im Hallen- und Freibad. Von links: Verena Reichinger, Manuel Bartenschlager, Thomas Krist und Svenja Stelzenmüller.
Bobingen : Bobingen |

Wer vormittags rechtzeitig kommt, hat trotz Hitzewelle noch freie Platzwahl auf dem mehr als 20.000 Quadratmeter großen Gelände des Bobinger Freibads. Gegen zehn Uhr ist so wenig Betrieb, dass man nicht einmal für die große Rutsche anstehen muss. Zu dieser Zeit sind die Bademeister bereits seit vier Stunden im Einsatz, damit die Besucher einen schönen Sommertag genießen können.

Rainer Pfeiffer und seine Kollegen haben keine Zeit, um dem Vogelzwitschern in den riesigen Bäumen zu lauschen. "Bevor um 9 Uhr die Kasse öffnet, müssen wir die Becken saugen, Filter spülen, die vorgeschriebenen Messungen durchführen und das Gelände abgehen, damit für unsere Gäste alles sauber und sicher ist!" Auf der Liegewiese leuchtet als bunter Farbtupfer ein einzelner gelber Sonnenschirm. Das ist freilich nur die Ruhe vor dem Sturm, denn an heißen Tagen drängen sich tausende von Menschen um und in den Wasserbecken.

4800 Besucher am letzten Juni-Tag

"Am letzten Juni-Tag hatten wir 4.800 Besucher", berichtet Betriebsleiter Andreas Jasinski. Um einen solchen Ansturm zu bewältigen, wird das Personal an Wochenenden und Feiertagen von Mitgliedern der Bobinger Wasserwacht unterstützt. Der 31-jährige Manuel Bartenschlager ist bereits sein halbes Leben lang ehrenamtlich tätig. Er hat eine Sanitäts- und Wasserrettungs-Ausbildung und meist nur mit kleineren Wehwehchen zu tun: "Viele Leute kommen mit Bienenstichen oder Schürfwunden zu uns; vom Pflaster bis zum Defibrillator ist in unserer Wachstation alles Nötige vorhanden."
Er erinnert sich aber auch an eine dramatische Rettungsaktion, bei der vor vier Jahren ein Hubschrauber im Aquamarin landete: "Nach einem Unfall an der Wasserrutsche mussten wir den Notarzt für einen zehn Jahre alten Jungen anfordern, der ins Klinikum Augsburg geflogen wurde."
Wie Bartenschlager gehört auch Verena Reichinger schon seit 15 Jahren zur Ortsgruppe. Die Grafikerin war lange Zeit Jugendleiterin bei der Wasserwacht und nennt als Motiv für ihre unentgeltliche Arbeit, "dass ich die Hilfe für Menschen mit Sport verbinden kann". Die freiwilligen Helfer sind auch in der kühlen Jahreszeit gefordert: Von Oktober bis April leisten sie im Hallenbad jeden Samstag, Sonn- und Feiertag von 12 Uhr bis 14 Uhr unterstützenden Wachdienst.
Im Freibad ist heute Thomas Krist als Wachleiter für die Personalplanung und Dokumentation verantwortlich. "Am 30. Juni hatte unser Team 78,5 Stunden Wachdienst und insgesamt 39 Erste Hilfe-Leistungen", berichtet er. Am Abend dieses Rekordtages musste die Schnelleinsatzgruppe der Wasserwacht noch nach Vermissten am Königsbrunner Ilsesee suchen.
"Zwischen Mai und September kann man uns zeitweise auch immer wieder an der Ostsee finden", sagt Krist. "Wir haben schon an Stränden in Kiel, Heiligendamm und auf der Insel Usedom Wachdienst geleistet; mit der Wasserwacht Bad Doberan besteht eine Partnerschaft."
Über Nachwuchsprobleme braucht sich die Bobinger Ortsgruppe keine Sorgen zu machen, denn der Zulauf von Mitgliedern ist vor allem bei den Kindergruppen ungebremst. Krist: "Obwohl wir die Zahl der Trainer erhöht und die Gruppen neu strukturiert haben, können wir derzeit keine neuen Mitglieder in der Altersklasse bis zwölf Jahre aufnehmen."
Ganz anders stellt sich die Situation bei den Bademeistern dar - eigentlich eine irrige Bezeichnung, denn sie gibt es nur im medizinischen Bereich. "Es fehlt an Nachwuchs, denn unser Beruf ist für jüngere Leute nicht besonders attraktiv", sagt Vivien Kurfer, die diese Arbeit seit zehn Jahren macht. "Ständig Schicht- und Wochenend-Dienst, viel Verantwortung und wenig Geld, dazu Urlaubssperre im Sommer - unter diesen Umständen ist es schwierig, qualifiziertes Personal zu finden."

Überall wuselt es

Inzwischen ist es Mittag geworden, die Liegeflächen und Becken sind voll; überall wuselt es wie in einem Ameisenhaufen. Auf Handtüchern und Decken werden Handies, Kühlboxen, Windeln und Zeitungen ausgebreitet, an der Rutsche hat sich eine lange Warteschlange gebildet. Richtig schwimmen kann man jetzt nur im 50 Meter-Becken, denn im Erlebnispool mit Strömungskanal, Wasserpilz und Sprudelliegen fliegen Bälle und auch mal kleine Kinder durch die Luft.
Die elfjährige Jasmin hat sich einen Fischschwanz angezogen und spielt aus dem gleichnamigen Disney-Film die Meerjungfrau Arielle. „Mermaiding“ sei ein neuer Trend in Deutschland, erzählt sie, wobei sich Mädchen mit einer Monoflosse als Nixe verkleiden und entsprechend schminken.
Dass Jasmin und allen anderen Badegästen im Gedränge nichts passiert, liegt in der Verantwortung von Rainer Pfeiffer und seiner Kollegen. Nach vielen Jahren haben sie ein feines Gespür für riskante Situationen entwickelt; so können sie manche Probleme im Voraus erahnen.
„Dann müssen wir sofort und eindeutig reagieren! Dass wir den ganzen Tag nur in der Sonne sitzen, hübschen Frauen im Bikini nachschauen und dafür auch noch Gehalt kassieren, ist nur ein Klischee.“ Fachangestellte für Bäderbetriebe, so die offizielle Bezeichnung, müssen auch etwas von Chemie, Hygiene, Recht, Psychologie und Technik verstehen.

Anstrengende Tage für die Aufsichtskräfte

Das Freiluftvergnügen der Besucher bedeutet für die Aufsichtskräfte oft anstrengende Tage. Denn manche Besucher wollen sich in ihrer Freizeit gern austoben und nicht an die Bade- und Hausordnung halten. „Das kann in der Verbindung von Alkohol und Hitze für sie selbst und andere gefährlich werden“, sagt Pfeiffer. Sein wichtigstes Handwerkszeug ist die Trillerpfeife. Sie dient ihm als Warnsignal und Hilfsmittel zur Verständigung, "denn bei tausenden von Leuten kann uns über 30 oder 40 Meter niemand rufen hören", weiß er.
Zu den Stammgästen im Sommer gehören auch Elke Baumgartner aus Mering und ihre beiden Söhne. "Bei uns gibt es zwar auch ein Freibad, aber keine Rutsche und keine Parkatmosphäre mit grossen Bäumen", sagt sie. "Inklusive Beach-Volleyball und kostenlosen Parkplätzen ist eine Familienkarte für zehn Euro nicht teuer."
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