Stadtverwaltung im Ausnahmezustand

So sieht aus Bienensicht ein gedeckter Tisch aus.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ fand überwältigende Unterstützung 

Königsbrunn. Mindestens 10 Prozent der Wahlberechtigten müssen ein Volksbegehren unterschreiben, damit die Staatsregierung einen Volksentscheid anberaumen muss. Diese Mindestbeteiligung wurde in ganz Bayern überschritten, 18,4 Prozent haben sich in die Listen eingetragen. Es wird daher innerhalb eines halben Jahres zu einem Volksentscheid kommen. Der Ministerpräsident hat zwar einen Runden Tisch angekündigt, ein Kompromiss zwischen den Vorstellungen der Staatsregierung und denen der Initiatoren des Volksbegehrens ist aber kaum zu erwarten. Daher wird die Staatsregierung mit hoher Wahrscheinlichkeit einen eigenen Entwurf für ein neues Naturschutzgesetz ausarbeiten und bei einem Volksentscheid zur Wahl stellen. Bei diesem Entscheid dürfen dann die Wahlberechtigten ihre Stimme entweder dem Gesetzentwurf des Volksbegehrens oder dem Entwurf der Staatsregierung geben. Es gewinnt der Entwurf, der die einfache Mehrheit bekommt, also mehr als 50 Prozent der Stimmen, egal wie knapp.
Auch in Königsbrunn fand das Anliegen, dem Artensterben Einhalt zu gebieten, breite Unterstützung. Es haben sich 4364 Personen eingetragen, was 21 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Die Verantwortung für die Durchführung des Volksbegehrens lag in den Händen von Roland Kretschmer, dem Leiter des Ordnungsamts. Er nahm die Eintragungen persönlich entgegen, auch samstags. Der größte Andrang herrschte am letzten Samstag des Eintragungszeitraums, an dem sich binnen vier Stunden 480 Personen eingetragen haben, also120 pro Stunde, wie die Pressesprecherin der Stadt Anke Maresch berichtet. Mit Ruhe und Geduld bei allen Beteiligten ging alles glatt über die Bühne.
Dr. Andreas Fleischmann, Biologe an der Botanischen Staatssammlung München, versucht seit Jahren, mit seinem Vortrag „Die faszinierende Welt der Wildbienen“, Aufmerksamkeit auf die Not der Insekten zu lenken. 80 Prozent aller Pflanzenarten der Welt werden von Bienen bestäubt, so Fleischmann. Diese kleinen Tiere seien unersetzlich. Ihr Bestand gehe in den letzten Jahren zurück, verursacht in erster Linie durch die Vernichtung ihrer Lebensräume. Ackerrandstreifen, Hecken und selten gemähte Blumenwiesen seien gegenwärtig das am stärksten bedrohte Biotop in Deutschland. Den Vögeln fehlen die Insekten als Nahrung, wodurch auch ihr Bestand immer kleiner werde. Folgerichtig hat das Volksbegehren zum Ziel, solche Biotope zu schützen und auszuweiten. Eine weitere Forderung ist die Verminderung der nächtlichen Außenbeleuchtung, da sie den Tod unzähliger Insekten verursacht.
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