Städtisches Mehrfamilienhaus in Bobingen eingeweiht

Hier sollen sich bald Familien wohlfühlen.

Vier Zimmer, Küche, Bad, Terrasse nach Süden, Erstbezug, Nähe Bahnhof – wenn eine Wohnung in Bobingen so inseriert wird, ist sie binnen Stunden vergeben. Gleich vier solcher Wohnungen können ab dem 1. Dezember in der Fraunhoferstraße bezogen werden, im ersten Sozialwohnbauprojekt der Stadt nach vielen Jahren. 

Vertreter der Stadtverwaltung und der Regierung von Schwaben hatten bei der Einweihung des Neubaus am Dienstag Gelegenheit, sich von der Qualität der Bauausführung zu überzeugen. Die Wände der Wohnungen sind weiß, die Böden mit hellgrauem Laminat und hellgrauen Fliesen belegt und die Heizung funktioniert einwandfrei, wie an dem kalten Tag sofort klar wurde. Die Architektur passt sich mit einem klassischen Satteldach harmonisch an die bestehende Bebauung an, wie Stadtbaumeister Rainer Thierbach lobte.

Wohnungsknappheit hat politische Ursachen

Erster Bürgermeister Bernd Müller schilderte in seiner Begrüßung die dramatisch angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, die keineswegs auf den Zuzug von Flüchtlingen zurückgehe, sondern auf politische Entscheidungen. Noch vor rund zehn Jahren sagte eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung auch der Stadt Bobingen eine Schrumpfung der Bevölkerung voraus, der demographische Wandel war in aller Munde. In der Folge zog sich die öffentliche Hand nahezu vollständig aus dem Wohnungsbau zurück. Niemand hatte mit der Binnenwanderung gerechnet, die wir augenblicklich erleben. Menschen ziehen aus den ländlichen Regionen in Großstädte wie München und Augsburg und in deren Umgebung. Hier, in der „Greater Munich Area“, so Müller, fehle es nun an Kita-Plätzen, Wohnungen und auch Sozialwohnungen.
Bei der Einweihung zeigten sich alle Anwesenden froh und erleichtert, dass mit diesem und weiteren Bauprojekten der Wohnungsnot in der Stadt begegnet werden kann. Möglich wurde dies durch das kommunale Wohnraum-Förderprogramm des Freistaats, das seit 2016 in Kraft ist. Damit einkommensschwachen Familien Wohnungen angeboten werden können, erhalten die Kommunen 30 Prozent der Baukosten als Zuschuss und weitere 60 Prozent als äußerst zinsgünstiges Darlehen. Diese Unterstützung nutzt die Stadt Bobingen derzeit mit mehreren Bauvorhaben auf stadteigenen Grundstücken.

Technisch auf dem aktuellen Stand

Der Architekt des Mehrfamilienhauses, Günter Hetzer, erläuterte, dass alle sechs Wohnungen barrierefrei sind, diejenigen im Erdgeschoss sogar rollstuhlgerecht. Die Wohnungen im Erdgeschoss und im 1. Stock sind je 82 Quadratmeter groß und haben zwei Kinderzimmer, im Dachgeschoss sind die Wohnungen 73 Quadratmeter groß mit einem Kinderzimmer. Die größte Herausforderung während der Bauzeit sei der Preisanstieg infolge der anziehenden Baukonjunktur gewesen, so Hetzer. Dadurch wurden aus den 2016 berechneten Baukosten von gut 1,2 Millionen Euro mehr als 1,6 Millionen. Doch sowohl die Stadt als auch die für die Förderung zuständige Stelle an der Regierung von Schwaben passten die Finanzierung an, so dass das Projekt wie geplant fertig gestellt werden konnte.
Das Gebäude ist energiesparend gebaut entsprechend dem Standard „KfW 55“. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung gehört dazu. Der Schallschutz entspricht den Anforderungen in der Nähe von Bahngleisen. Die zukünftigen Mieterinnen und Mieter dürften von vielen Wohnungssuchenden beneidet werden.
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