Tosender Applaus für Galavorstellung der Zauberei

Phil Rice, eine Zuschauerin und der Trick mit Geld und Melone
 
Phil Rice nach seinem „Striptease“

„Die große Phil Rice Gala“ lockte Zuschauer jeden Alters am 25. Januar in die Singoldhalle, von Grundschulkindern bis zu Urgroßeltern. Am Ende fühlten sich alle großartig unterhalten.

Wer es nach Las Vegas schaffen will, braucht einen englisch klingenden Namen. Insofern hat Philipp Reisner mit seinem Künstlernamen „Phil Rice“ gut vorgesorgt. Der Zwanzigjährige aus Bobingen entdeckte schon als Kind den Zauber der Zauberei und wurde ein gelehriger Zauberlehrling. Für seinen besonderen Stil nutzt er ein weiteres Talent: Schlagfertigkeit. Sein Auftritt ist mit Witz und Charme und gut platzierten Pointen gespickt. 
In der ausverkauften Singoldhalle hielten gleich zu Beginn der Show einige Fans Schilder hoch, auf die neben „Phil Rice“ zwei große rote Herzen gemalt waren. So umschmeichelt gingen Phil Rice das Aus-der-Luft-greifen von Münzen und das Verwandeln von Papierschnipseln in Papiergeld sicher gleich viel leichter von der Hand. Es folgten Scherze in Wort und Tat: Er gab vor, einen schweren Backstein ins Publikum zu werfen, der sich als Schaumstoff entpuppte. Er zeigte „Feuertricks“ mit einem Feuerzeug. Und plötzlich wurde es doch verblüffend, als Seile kürzer und länger wurden, erschienen und verschwanden. Oder als er zeigte, dass er die Antworten von Zuschauern auf verschiedene Fragen vorher schon auf eine Tafel geschrieben hatte. Eine Zuschauerin vertraute Phil Rice einen 50-Euro-Schein an. Leider musste sie dann zusehen, wie er verbrannte. Doch als sie eine Melone aufschnitt, fand sie darin glücklicherweise ihr Geld wieder, was sie anhand der Seriennummer überprüfen konnte.

Phil Rice’s Gäste zeigten jeweils einen anderen Stil, jeder auf seine Weise mitreißend. Nicolai Striebels Auftritt kam ohne Worte aus. Er erzählte pantomimisch die Geschichte eines Jugendlichen – untermalt von lauter Partymusik – der in der Schule sitzt, sich langweilt und träumt: Die Blätter seines Schreibblocks falten sich selbsttätig zu Papierfliegern, Stifte erscheinen und verschwinden, die Papierflieger wechseln ihre Farbe. Viele Jugendliche im Saal konnten sich mit seiner Rolle identifizieren und reagierten begeistert.

Staunen und Raunen, Lachen und Weinen im Publikum

Das magische Paar „Mister Black und Ursula“ steht mit seiner Zaubershow seit fünfzig Jahren auf der Bühne. Sein klassischer Stil lebt von großem Können und Überraschungseffekten ebenso wie von der Eleganz des Herrn im Frack und der Anmut der Dame im langen Glitzerkleid. Tauben und Kaninchen wurden aus Zylindern, Tüchern und Zeitungen hervorgezaubert, schließlich saß sogar ein braunes Huhn in einem zuvor brennenden Topf. Die Tauben wurden wieder zum Verschwinden gebracht und fünf kleine, weiße Tauben in zwei große, flauschige Seidenhühner verwandelt. Mister Black und Ursula sind die einzigen, die unter den heute geltenden strengen Tierschutzrichtlinien in Deutschland noch mit Tieren zaubern dürfen. Und die Zuschauer gewannen tatsächlich den Eindruck zärtlicher Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Alt und Jung waren begeistert, es wurde lang anhaltend applaudiert.

Auch Bürgermeister Bernd Müller saß staunend im Publikum. In der Pause ging er hinter die Bühne, dankte Phil Rice für die gelungene Show und gratulierte den Künstlern zu ihren Auftritten. Zu seiner Enttäuschung verriet ihm jedoch niemand auch nur einen einzigen Zaubertrick.

Nach der Pause präsentierte Phil Rice eine Stellenausschreibung an einer Magnettafel. Ein stabiler, glatter Holzrahmen war gefüllt mit Tangram-Spielsteinen, die die Anforderungen an die Bewerber symbolisierten. Kontrolle über Finanzen, Verwaltung, Einkauf, unregelmäßige Arbeitszeiten, kein Anspruch auf Mindestlohn oder Urlaub – die Anforderungen und damit auch die Spielsteine wurden mehr und mehr, doch alle Tangramsteine passten immer noch in denselben Rahmen. Als er verriet, welchen Job er beschrieben hatte, wurden Teile des Publikums unverhofft von Rührung ergriffen: Es ist der Beruf der Mutter. Als seine Assistentin Bianca Steinburg ein Liebeslied an Mama vortrug mit der Zeile „Es tut mir leid für die sorgenvolle Zeit“ flossen endgültig Tränen.

Der folgende Telepathie-Trick lenkte die Stimmung in eine andere Richtung. Eine Zuschauerin malte die Kleidung einer auf Papier gezeichneten Figur in verschiedenen Farben aus. Nicht nur kam aus einem verschlossenen Umschlag die gleiche Zeichnung in denselben Farben zum Vorschein. Nein, Phil Rice riss sich auch noch mit Nachtclub-kompatiblem Brimborium seine Kleider vom Leib und zeigte darunter – wieder Kleidung. Allerdings genau die Kleidung der gezeichneten Figur, in denselben Farben!
Für das Finale hatte Phil Rice einen Ausbund an Temperament und Komik eingeladen. Der Ballonkünstler Tobi van Deisner begann mit der Verformung eines länglichen Luftballons zu einem kleinen Hund und endete in einem Riesenballon von zwei Metern Durchmesser, in den er sich hinein gezaubert hatte, um eine Spielkarte daraus hervorzuholen. Dazwischen lagen viele scheinbar missglückte Versuche, eben diese von einer Zuschauerin gezogene Spielkarte wieder herbei zu zaubern, sowie eine große Shownummer mit Laubbläser.

Phil Rice beendete den Abend wie ein erfahrener Profi mit Dankesworten an alle Beteiligten. Was dann folgte, hatte er vermutlich nicht vorhergesehen: Das Publikum stand geschlossen auf und klatschte, johlte und pfiff wie nach einem Popkonzert. „Tosender Applaus“ ist noch untertrieben.
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