Trevira will den 54 Jahre alten Schlot abbauen lassen - Lösungen für den Erhalt des Wahrzeichens gesucht

Der Trevira-Turm ist inzwischen 54 Jahre alt. Foto: fis


Die Trevira GmbH will den 84 Meter hohen Schornstein abreißen. Dieser wurde 1964 gebaut und war bis 2014 in Betrieb. Inzwischen sind Kalkausblühungen auf dem Schornstein zu sehen. Und laut Werksleiter Andreas Borchert durchziehen deutliche Setzrisse die Innenhaut.

Im vergangenen Jahr habe ein Gutachten ergeben, dass die Innenhaut deswegen entsprechend entsorgt werden müsse. Der ganze Schornstein muss saniert, Maßnahmen zur Standsicherung getroffen werden. Ein Abbruch kostet laut Werksleiter Borchert 250 000 Euro. Das wäre ein Festpreis. "Da wäre keine Unbekannte drin."

Eine Sanierung gibt es für 170 000 Euro - wenn alles glatt läuft. Bis zu 300 000 Euro könnten erforderlich sein, wenn die Arbeiten aufwendiger werden. Dazu kommen jährliche Kosten für den Unterhalt in Höhe von 10 000 Euro, für regelmäßige Prüfungen, für Reparaturen. Der Schornstein braucht ebenso eine Zwangsbelüftung. So lange der Schlot vor sich hin rauchte, war das nicht nötig.

Wegen des großen emotionalen Werts wollen viele den Trevira-Schornstein erhalten. CSU und SPD möchten den Schlot retten. Und Bürgermeister Bernd Müller erklärt, dass er Trevira gebeten habe, mit der Übergabe des Abbruchantrags noch bis Ostern zu warten. Ursprünglich sollte dies im Januar geschehen. Doch ist der Antrag erst gestellt, gilt eine Zwei-Monats-Frist, innerhalb der Bobingen zustimmen oder ablehnen muss. Keine Reaktion heißt, die Zustimmung ist erteilt.

Zeit für Gespräche

Für Müller ist klar, dass die Stadt den Schornstein weder erwerben noch für den Unterhalt aufkommen wird. Es gebe keinerlei Möglichkeiten, dem Schlot Geld zuzuschießen. Doch bleibt Zeit für Gespräche - mit Bürgern, mit Firmen und Vereinen. So redete Müller auf der jüngsten Jahreshauptversammlung der Hochsträßler über den Sachstand der Abbruchpläne.

Der Bobinger Heimatverein ist für den Erhalt des Bauwerks: 69 Prozent stimmten in einer Wahl gegen den Abriss, 26 Prozent dafür. Laut Corinna Kammerer prägt der Schornstein das Stadtbild und ist Teil der Stadtentwicklungsgeschichte. "Teile dieser Geschichte sollten in gewissem Maße auch erhalten werden." Viele Vereinsmitglieder hätten früher selbst in dem Werk gearbeitet und verbinden mit diesem Schornstein auch ein Stück eigene Geschichte. Kammerer möchte dieses Thema auf der nächsten Vorstandssitzung besprechen.

Eine Möglichkeit sieht Bürgermeister Müller in der Gründung eines Fördervereins, in dem sich beispielsweise Firmen zusammenschließen, um den Unterhalt zu sichern. "Ich fände es schön, wenn der Trevira-Turm erhalten bleibt", bekennt Müller. Nicht nur weil der Schlot ein Wahrzeichen ist. Er sei ein Bekenntnis zu einem traditionellen Industriestandort. Je mehr über den Abbruch des Turmes gesprochen werde, desto höher werde die Zahl derer, die sich einen Erhalt vorstellen können, hofft Müller.

In 20 Jahren wieder das gleiche Problem?

Werksleiter Andreas Borchert kann die emotionalen Diskussionen nachvollziehen. "Doch der erste Schmerz wäre der beste aus wirtschaftlicher Sicht." Borchert befürchtet, dass in 20 Jahren das gleiche Problem wieder auftauchen könnte, wenn der Schornstein stehen bleibt. Und ein Förderverein könnte sich wieder auflösen. "Wir sind diskussionsbereit. Aber es muss eine langfristige Lösung da sein." (nh)
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