Wasserwacht Königsbrunn: Lernen, trainieren und Spaß haben

Lukas auf dem Rettungsbrett unterwegs zur "Schwimmerin in Not" Celin
 
Jugendbetreuer und Ferienkinder vor der Wachstation am Ilsesee

Am „Erlebnistag bei der Wasserwacht“ lernen Kinder, wie man Gefahren im Wasser vorbeugt und im Notfall helfen kann.

Philipp und Julian sind Jungaktive der Wasserwacht. Am 3. September bringen sie einer Gruppe von Kindern verschiedene Arten bei, ein Seil zu einem Knoten zu schlingen. Ob ein Boot vertäut, ein Taucher gesichert oder ob aus dem Wasser zu bergendes Material festgemacht werden muss, für jeden Zweck gibt es einen geeigneten Knoten. Die Kinder sind im Rahmen des städtischen Ferienprogramms zum „Erlebnistag bei der Wasserwacht“ zur Wachstation am Ilsesee gekommen. An fünf Stationen werden ihnen die Aufgaben der Wasserwacht vorgeführt.
Am Bootssteg im See zeigen Celin und Lukas, wie man einen Menschen aus dem Wasser retten kann. Bei einer Methode wirft man dem in Not geratenen Schwimmer einen Rettungswurfsack zu. Dabei handelt es sich um einen schwimmfähigen Beutel, in dem eine lange Schwimmleine untergebracht ist. Bei eigenen Wurfversuchen merken die Kinder, dass das zielgenaue Werfen nicht so einfach ist, wie es aussieht. Ein anderes Rettungsmittel ist der Gurtretter, ein schwimmender dicker Gurt, den man zum Verunfallten bringt, damit er sich daran festhält und nicht etwa den Rettungsschwimmer umklammert. Sollte der Patient sehr schwach oder bewusstlos sein, wird ihm der Gurt um die Brust gebunden. Eine dritte Methode ist die Rettung mit dem Rettungsbrett. Celin spielt die Patientin, Lukas krault auf dem gelben Brett liegend zu ihr hin, legt ihre Arme quer auf das Brett, Celin hält sich an der Kante fest, Lukas dreht das Brett um und schon liegt Celin mit dem Bauch auf dem Brett und wird darauf an Land geschoben. Die Kinder sitzen auf dem Bootssteg und staunen.
Sehr spannend ist für die Kinder auch die Station, an der sie sich die Fahrzeuge der Wasserwacht von innen ansehen dürfen. Neben einem Krankentransport- und einem Mannschaftswagen kann ein nagelneuer sogenannter „Wasserretter“ erkundet werden. In solch einem Fahrzeug ist alles untergebracht, was man für die Hilfe bei einem Wasserunfall brauchen könnte. Dazu gehören Tauchausrüstung, Scheinwerfer, Hebewerkzeug, weiteres Werkzeug wie etwa ein Bolzenschneider, Schutzausrüstung mit Helm und Prallweste und auch Verpflegung für den Fall, dass ein Einsatz weiter entfernt von Königsbrunn stattfindet.
An weiteren Stationen geht es um Baderegeln und den Umgang mit Pflaster und Verbandszeug. „Im Grunde kann man fast jeden Badeunfall auf die Missachtung von Baderegeln zurückführen“, sagt Max Markmiller im Gespräch. Er war 10 Jahre lang Jugendleiter in Königsbrunn und verantwortet nun die Jugendarbeit der Kreiswasserwacht Augsburg-Land mit. „Auch hier am Ilsesee entstehen Notsituationen am häufigsten, wenn mit vollem Magen oder nach Alkoholgenuss geschwommen wird“, so Markmiller. „Oder jemand schwimmt zu weit hinaus, weil er seine Kräfte überschätzt hat. Das kommt besonders leicht vor, wenn man zuvor krank gewesen ist.“ In diesem Jahr ist es am Ilsesee glücklicherweise noch nicht zu einem Ertrinkungsunfall gekommen, berichtet Markmiller. Trotzdem gibt es genug zu tun, denn die Wasserwacht hilft auch bei Notfällen wie Schnittwunden, Insektenstichen oder den Folgen eines Fahrradunfalls auf dem Gelände.

Erfrischung im See

Nachdem alle Kinder alle Stationen durchlaufen haben, spielen sie draußen Fangen und ein Teilnehmer schwimmt im bereits herbstlich kühlen See. Wenn die Kinder Lust bekommen haben, bei der Wasserwacht mitzumachen, können sie gleich am nächsten Freitag zur Gruppenstunde kommen. Willkommen sind Kinder, die schwimmen können, ab der ersten Klasse. Natürlich kann man auch im Jugendalter einsteigen. Immer montags ist Schwimmtraining im Hallenbad des Gymnasiums, freitags finden Gruppenstunden statt. In den Gruppenstunden wird einerseits gelernt, andererseits ist etwa die Hälfte der Zeit Spiel und Spaß vorbehalten. Im Sommer kann auf den Wiesen am Ilsesee getobt werden, es finden Ausflüge und Jugendzeltlager statt. Im Winter wird beispielsweise zusammen gerodelt, Pizza gebacken oder gebastelt. Die Uhrzeiten der Gruppenstunden für die verschiedenen Altersstufen stehen auf https://www.koenigsbrunn.wasserwacht.de/jugend/uns... man kann einfach einmal hineinschnuppern.
Wer dabeibleibt, durchläuft zuerst die Sanitätsausbildung und die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Nach erfolgreichem Abschluss kann man als Aufsicht am Ilsesee oder im Hallenbad eingesetzt werden. Mit 16 Jahren kann man Jugendgruppenleiter werden. Wer sich fortbilden will für Einsätze auch an anderen Gewässern, schließt eine Ausbildung zum Wasserretter an. Wer sich spezialisieren will als Bootsführer, Taucher oder Einsatzleiter, muss bereit sein, ein Jahr lang an vielen Wochenenden die Schulungen zu besuchen. Von den 286 Mitgliedern der Ortsgruppe haben 45 aktive Helfer die Ausbildung zum Wasserretter absolviert, 14 sind Motorbootführer und 13 sind Rettungstaucher. Die Ortsgruppe ist so organisiert, dass auch, während am Ilsesee Aufsicht geführt wird, noch ein Einsatz an einem anderen Gewässer durchgeführt werden kann. Die Königsbrunner „Schnelleinsatzgruppe Wasserrettung“ ist ganzjährig rund um die Uhr einsatzbereit.
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