Weiße Rosen für die Musik

Dirigentin Sigrid Pröbstl mit dem Projektchor in der Kirche „Zur Heiligen Familie“
 
Der Chor des diesjährigen Gospelprojekts Bobingen-Königsbrunn und Umgebung

Der Chor des diesjährigen Gospelprojekts von Sigrid Pröbstl begeisterte bei seinem Auftritt in der voll besetzten Kirche „Zur Heiligen Familie“.

Bobingen. Ein ganz besonderer, ökumenischer Gottesdienst wurde am vergangenen Samstagabend mit dem katholischen Pfarrer Mariusz Pluta und dem evangelischen Pfarrer Peter Lukas in der Kirche „Zur Heiligen Familie“ gefeiert. Es war der zweite Auftritt des diesjährigen Gospelprojekts. Bei voll besetzter Kirche sangen 114 Sängerinnen und Sänger ein Programm von traditionellen und neuen Gospels in deutscher und englischer Sprache. Der Chor hat sich im Januar zusammengefunden und seither intensiv geprobt für vier Auftritte in Königsbrunn und Bobingen im Februar und März. Anschließend gehen alle auseinander und treffen sich erst im nächsten Winter wieder, in etwas anderer Besetzung, daher der Name „Projekt“. Der Chor wurde geleitet von Sigrid Pröbstl. Sie dirigierte den großen Chor präzise unterstützend und strahlte dabei so viel Begeisterung aus, dass sie damit Chor und Publikum schnell ansteckte.
Gleich zu Beginn wurde auch die Gemeinde dirigiert. Der Chor sang „Lobe den Herren“ in einer modernen, rhythmisch mitreißenden Fassung. Im Wechsel wurde der Text mit der bekannten, jahrhundertealten Melodie gesungen und die Gemeinde durfte mit einstimmen. Die moderne Fassung ist eine Komposition von Tobias Reinsch, der den Chor am E-Piano begleitete. Die Gemeinde war schon an diesem Punkt von der Musik begeistert, doch der Applaus sollte aufgespart werden bis zum Schluss, um den Ablauf des Gottesdienstes nicht zu stören. Weitere Werke von Tobias Reinsch waren ein Kyrie mit dem Titel „Zu Dir“ mit äußerst anspruchsvoller Rhythmik, die vom Chor souverän gemeistert wurde, und „Glorify“, das die Kirche bis in die kleinste Mauerritze mit vollem Klang erfüllte. Zwei junge Sängerinnen, Magdalena Jahnel aus dem Sopran und Andrea Sappler aus dem Alt, beeindruckten im Solo und im zweistimmigen Duett mit dem warmen Klang ihrer Stimmen bei „In Christ Alone“ und „We Shall Overcome“.
Der Chor hatte sich das Thema „Peace on Earth“, Friede auf Erden, gewählt. Mariusz Pluta begrüßte besonders herzlich diejenigen, die im Moment mit anderen oder mit sich selbst nicht in Frieden leben können. Peter Lukas legte in seiner Predigt dar, dass Friede auf Erden existiere. Weltweit gebe es zwar so viele Krisenherde wie nie zuvor. Auch zu Hause gehe es nicht immer überall friedlich zu. Doch jede und jeder erlebe Momente von Zufriedenheit und Frieden. Es sei unsere Aufgabe, den Frieden zu suchen, uns um ihn zu bemühen und ihn zu erkennen, wenn er da sei.

Der Funke sprang über.

Anschließend brachte der Chor noch einmal die Fußspitzen zum Wippen mit „I’ve Got Peace Like a River“, „Please Light My Way“ von Tobias Reinsch und „Lift up Your Hands“, bei dem die Gemeinde schon einmal mitklatschen durfte, bevor sich das aufgestaute Beifallsbedürfnis am Ende Bahn brach mit Klatschen und Johlen. Am Ende überreichte Mariusz Pluta in der ihm eigenen charmanten Art den Verantwortlichen für Musik, Technik und Organisation je eine große weiße Rose.
Damit ein Auftritt so erfolgreich gelingt, ist gründliche Vorbereitung notwendig. Das Gospelprojekt geht seit 19 Jahren den Weg, sich einige Wochen lang zweimal pro Woche für zweistündige Proben zu treffen. Hinzu kommt ein gemeinsam verbrachtes Wochenende im Karl-Eberth-Gästehaus in Steingaden, wo zwei Tage lang viel geprobt wird. Die Organisation all dessen leistet ein siebenköpfiges Team von Chormitgliedern ehrenamtlich. Die Teilnehmer kamen heuer aus allen Altersgruppen und aus dem ganzen südlichen Teil von Stadt und Landkreis Augsburg, von Göggingen bis Klosterlechfeld. Manche sind seit Jahren immer wieder dabei, andere versuchten sich zum ersten Mal im Chorgesang. Wie Werner Zahn, der Koordinator des Organisationsteams, erzählt, werden die Neulinge „angelernt“, indem man sie in den Proben jeweils neben erfahrene Sänger setzt. So lernt man die Lieder leichter und sich gegenseitig kennen. In kaum zwei Monaten ist es Sigrid Pröbstl und Tobias Reinsch gelungen, die Stimmen zu einem homogenen Klang zusammen zu führen, den Charakter der Stücke zu vermitteln und so gut einzuüben, dass engagiert gesungen werden kann, so dass die Freude an der Musik spürbar wird und der Funke auf das Publikum überspringt. Der Chor ist ein weiteres Mal in Bobingen zu hören am Sonntag, den 3. März, um 18:30 in der Evangelischen Dreifaltigkeitskirche.
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