Wie ein Garten bienenfreundlich wird

Weiße Glockenblumen neben blauen Zwerg-Glockenblumen – für Bienen eine Oase
 
Attraktiv für Biene und Mensch: die heimische, hell-lila blühende Esparsette neben einer rosafarbenen Rose

Gartenbesitzer können einiges für den Schutz von Bienen tun.

Dank des erfolgreichen Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ wird Bayern ein neues Naturschutzgesetz bekommen. Doch bis dieses in Kraft tritt, wird es noch viele Monate dauern, und bis es umgesetzt ist Jahre. Wer einen Garten hat, kann jedoch sofort etwas für Bienen und andere Insekten tun. Dr. Andreas Fleischmann ist Wissenschaftler an der Botanischen Staatssammlung in München und ein ausgewiesener Experte für Wildbienen. Wir haben ihn um Tipps für Gartenbesitzer gebeten. „Die wichtigste Maßnahme ist der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz. Zur Bekämpfung von Unkraut oder Blattläusen gibt es Alternativen, die für Bienen nicht gefährlich sind“, lautet sein erster Rat.

Da sich Bienen von Blütennektar ernähren, ist klar, dass ein kurz geschnittener Rasen Bienen nichts zu bieten hat. Auch in gefüllten Blüten, wie etwa ballförmigen Dahlienblüten, finden Bienen keine Nahrung, denn für diese Blütenpracht wurden die Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet. Daher sind hier weder Pollen noch Nektar zu finden. Bienen brauchen halbgefüllte oder ungefüllte Blüten, auch Dahlien oder Rosen gibt es ungefüllt. Für Bienen besonders wertvoll seien heimische Pflanzenarten wie Flocken- oder Glockenblumen, so Fleischmann, egal ob in Beeten oder in einer Wiese.

„Blumenwiese“ steht auf vielen Samentütchen mit Fotos von dicht stehenden bunten Blüten auf der Packung. Von solchen Tütchen rät Fleischmann ab. Dabei handele es sich oft um eine Mischung einjähriger Blumen, die nur ein Jahr blühen und im Winter abfrieren. Im Jahr darauf müsste neu gesät werden. So habe der Gärtner viel Arbeit, den Insekten jedoch sei damit relativ wenig geholfen. Ursprünglich bedeute der Begriff „Wiese“ eine Mischung ausdauernder Gräser und Kräuter, wie der Biologe sagt. Also Gras und Blumen, die den Winter überstehen. Diese Blumen nennen Gärtner „Stauden“. Dazu gehören etwa die hübschen Margeriten oder Lichtnelken. Eine solche Wiese erhalte man am einfachsten, wenn man in eine vorhandene Rasenfläche hier und da heimische Stauden einpflanze und diese Fläche nur zweimal im Jahr mähe.

Heimische Insekten brauchen heimische Pflanzen

Weiter empfiehlt Andreas Fleischmann, Stauden nicht im Herbst knapp über dem Boden abzuschneiden, sondern erst im Frühjahr, denn in den Stängeln können Insekten überwintern. Dies praktiziere der Botanische Garten in Augsburg seit Jahrzehnten. Herbstlaub solle nicht gehäckselt, sondern in ganzen Blättern aufgehäuft werden, damit biete man vielen Lebewesen einen Unterschlupf im Winter.

Bei Sträuchern gilt wiederum: Exoten wie Forsythien oder Thujen bieten den heimischen Insekten keine Nahrung. Heimische Sträucher wie etwa Weiden seien ideal für Bienen und zudem pflegeleicht, da sie einen radikalen Rückschnitt knapp über dem Boden gut vertragen. Wer hübsche, duftende Blüten möchte, kann zu Kornelkirsche oder Felsenbirne greifen.

„Weltweit existieren rund 20 000 Bienenarten“, so Fleischmann. „Die Honigbiene ist nur eine davon. Es gibt sie in ihrer Wildform nicht mehr. Der Mensch hat sie zu einem Nutztier gemacht und dadurch ausgerottet. Wildbienen sind für das ungeübte Auge schwer zu entdecken, denn sie leben nicht wie die Honigbiene in Staaten, sondern einzeln und bauen nur sehr kleine Nester für sich selbst und ihre Brut. Die meisten Wildbienenarten bauen Nester am Boden. Am besten erkennt man die Nester in sandgefüllten Fugen zwischen Pflastersteinen. Kleine Sandberge mit einem Loch in der Spitze wie bei einem winzigen Vulkan sind Bienennester. Sandberge mit seitlichen Löchern sind Ameisennester, solche ganz ohne Eingang gehören Regenwürmern. Sogenannte „Bienenhotels“ sind für etwa ein Drittel aller Bienenarten von Nutzen.“ Unter dieser Bezeichnung werde allerdings auch viel Nutzloses angeboten, wie Fleischmann festgestellt hat. Wer sich informieren will, solle sich am besten an den Landschaftspflegeverband wenden. Vor den Stacheln der Wildbienen brauche sich niemand, der nicht an einer spezifischen Allergie leide, zu fürchten, so Fleischmann, denn Wildbienen haben keinen oder nur einen kleinen Stachel, der in der menschlichen Haut nicht stecken bleibe.

Mehr zum Thema kann man bei einem Vortrag erfahren, den der Bund Naturschutz veranstaltet: „Bunte Stadt und blühende Gärten. Damit es wieder summt und brummt“ am 22. März um 19:30 Uhr im Gasthof zur Sonne.
2
Diesen Autoren gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.