Wasserpreise im neuen Jahr

Wie teuer wird das Wasser nach der Chlorung?

In Bobingen, Diedorf und Dinkelscherben wurden Keime im Trinkwasser gefunden. Daraufhin mussten Teile der Technik saniert und dem Trinkwasser monatelang Chlor beigemischt werden. Solche Maßnahmen verursachen Kosten und viele Bürger befürchten einen starken Anstieg der Wassergebühren.

In Bobingen hat der Stadtrat in der letzten Woche vor Weihnachten über die Höhe der Wassergebühren ab dem 1. Januar 2019 entschieden. Da die Wasserversorger verpflichtet sind, kostendeckend zu wirtschaften, ist die Entscheidungsfreiheit allerdings begrenzt. Wir haben bei Bernhard Langert, dem Leiter der Stadtwerke Bobingen, nachgefragt: Die Verbrauchsgebühr steigt am 1.1.2019 von bisher 1,35 Euro pro Kubikmeter auf 1,47 Euro. Ein Kubikmeter entspricht 1000 Litern. Die Grundgebühr wurde von 3,20 auf 4,00 Euro pro Monat angehoben. Gleichzeitig steigen die Grundgebühren für Abwasser von 2,50 auf 4,00 Euro pro Monat, die Verbrauchsgebühren für Schmutz- und Niederschlagswasser bleiben unverändert.
Nach dem Störfall 2017 waren Brunnenregenerierungen notwendig geworden, die aufwendiger und teurer ausfielen als erwartet. Daher waren bereits zum 1.1.2018 Gebührenerhöhungen festgelegt worden. Nach dem Störfall 2018 fielen erneut Kosten für Sanierung und Chlorung an. Diese wurden in die neuen Preise einberechnet, so dass vorerst nicht mit weiteren Erhöhungen gerechnet werden muss. Die jetzt festgesetzten Preise wurden von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für den Zeitraum bis zum Jahr 2022 kalkuliert. Alle Preise verstehen sich zuzüglich sieben Prozent Mehrwertsteuer.

Preisanstieg in Bobingen moderat

Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Person liegt in Deutschland bei rund 44 Kubikmetern im Jahr. Bei einem etwas sparsameren Verbrauch von 40 Kubikmetern hat eine dreiköpfige Familie, die in Bobingen in einem Vier-Familien-Haus wohnt, bisher 171,60 Euro im Jahr bezahlt für Trinkwasser und 186,30 für Abwassergebühren, in der Summe 357,90. In Zukunft wird sie mit 188,40 Euro für Wasser und 190,80 Euro für Abwasser, also insgesamt 379,20 Euro zur Kasse gebeten. Rechnet man die Mehrwertsteuer hinzu, kommt man auf 382,95 Euro bisher und 405,74 Euro in Zukunft. Die Preissteigerung beträgt also 22,79 Euro im Jahr. Das Niederschlagswasser bleibt in dieser Rechnung unberücksichtigt. 
In Diedorf werden einige Sanierungsmaßnahmen erst 2019 durchgeführt. Daher liegen die Kosten, die durch die Keimfunde insgesamt verursacht werden, noch nicht auf dem Tisch, wie Elke Lochbrunner, die Kaufmännische Werkeleiterin der Gemeindewerke, auf Nachfrage berichtete. Vorsorglich wurde der Verbrauchspreis zum 1. Oktober 2018 von 1,15 auf 1,25 Euro pro Kubikmeter erhöht, die Abwassergebühren sind gleich geblieben, die Gebühren für Niederschlagswasser wurden von 0,27 auf 0,21 Euro pro Quadratmeter versiegelte Fläche im Jahr gesenkt. Diese Preise bleiben im nächsten Jahr auf jeden Fall unverändert, sagte Elke Lochbrunner, nach Möglichkeit sogar bis Ende 2021. Planmäßig soll erst zum 1.1.2022 neu kalkuliert werden.

Dinkelscherben ändert die Preisstruktur

Einen Entscheidungsspielraum haben die Kommunen bei der Frage, wie viel Prozent der Kosten von den Grundgebühren, die pro Wasserzähler erhoben werden, und wie viel von den Gebühren für den tatsächlichen Wasserverbrauch gedeckt werden sollen. In Dinkelscherben wurde dieser Spielraum genutzt. Wie die Marktgemeinde in ihrem Amtsblatt bekannt gibt, hat der Stadtrat im November beschlossen, zum 1. Januar die Grundgebühr von 30 auf 100 Euro pro Jahr, umgerechnet von 2,50 auf 8,33 Euro pro Monat, zu erhöhen. Der Verbrauchspreis wird jedoch gesenkt von 1,21 auf 1,13 Euro pro Kubikmeter. Dadurch steigen die Wasserkosten für kleine Haushalte stärker an als für Großverbraucher in Gewerbe und Landwirtschaft und für große Mehrfamilienhäuser, in denen die Grundgebühr auf viele Haushalte aufgeteilt wird. Die Gebühren pro Kubikmeter Abwasser sind mit bisher 2,69 Euro bereits vergleichsweise hoch und steigen auf 3,03 Euro. Damit kommt der dreiköpfige Beispielhaushalt bisher auf Gesamtkosten von 486 Euro. In Zukunft bezahlt er 535 Euro, also 49 Euro mehr pro Jahr. Dabei fallen die Abwasserkosten mit 364 Euro weit stärker ins Gewicht als die Kosten des Trinkwassers mit 172 Euro. Für eine Person, die allein in einem Einfamilienhaus lebt, wird die Steigerung bei demselben Wasserverbrauch 85 Euro jährlich betragen, für einen Single im Zehnfamilienhaus nur 18 Euro. Ende 2020 soll in Dinkelscherben über die Preise neu entschieden werden.
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