Raketenstart in Buttenwiesen: Augsburger Studenten entwickeln Prototypen

 
Professor Michael Heine gibt allen Anwesenden eine Sicherheitseinweisung, was bei den Raketenstarts zu beachten ist. Fotos: Patrick Bruckner

Studenten der Universität Augsburg entwickelten im Rahmen eines Praktikums verschiedene Raketenkonzepte. Die Prototypen wurden kürzlich auf einer Wiese nahe Buttenwiesen zum ersten Mal gestartet.

Alle Blicke sind gespannt auf die Startrampe gerichtet. Ein windstiller Moment wird abgewartet und dann gibt Professor Michael Heine der Universität Augsburg die Starterlaubnis. Einer seiner Schützlinge startet voller Vorfreude den Countdown "drei, zwei, eins" und dann zündet eine Treibstoffladung und schießt eine etwa ein Meter große Rakete in die Luft. Kurzzeitig herrscht Panik, die Projektteilnehmer und Zuschauer laufen umher, denn die Rakete schoss geradewegs 290 Meter hoch in Richtung Sonne und niemand konnte sie sehen und wusste, ob alles so funktioniert wie geplant, oder ob sie einfach wieder zu Boden stürzt. Erleichterung kam auf, als der Flugkörper am Himmel erblickt wurde und die Propeller zur sicheren Landung bereits ausgefahren waren. Die verantwortlichen Studenten fielen sich vor Freude in die Arme.
Für 40 Studenten der Universität Augsburg waren die Raketenstarts am vergangenen Donnerstag auf einer Wiese nahe Buttenwiesen der Abschluss des Praktikums "Leichtbau". In acht Gruppen mit je drei Bachelor- und zwei Master-Studenten des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen bastelten sie seit April an ihren Prototypen aus Carbon. Unterstützt wurden sie von Beginn an von einem MT Aerospace Ingenieur und Herbert Gründler, dem Vorsitzenden des Augsburger Raketenmodellsportvereins Ramog.

Doch die Praktikumsaufgabe war nicht nur eine Rakete zu bauen, sondern jede Gruppe muss gleichzeitig ein Geschäftsmodell vorstellen, wie ihr Projekt in größerem Rahmen umgesetzt werden könne, sagt Heine und erklärt "jede Gruppe ist ein Startup, das die vier Tutoren und mich überzeugen soll".

Bereits im vergangenen Jahr bot Heine ein Praktikum an, in dem die Teilnehmer Raketen bauen mussten. Damals waren sie nur mit einem Fallschirm ausgestattet. Manche Fehlversuche stürzten mit 160 Kilometern pro Stunde vom Himmel, bohrten sich in den Boden und mussten mit einem Spaten ausgegraben werden, erzählt der Projektleiter. Daraufhin habe Heine die Idee gehabt, dass man die Raketen auch wieder landen lassen könnte, berichtet er. So entstand das diesjährige Praktikum, bei dem jede Rakete mit einer Steuereinheit ausgestattet ist und die Studenten ihren Prototypen steuern und landen können.

Die Teilnehmer waren äußerst einfallsreich, beispielsweise hat eine Gruppe anstatt einer Spitze eine 360 Grad Kamera montiert, um mit einer Virtual Reality-Brille den Flug mitzuverfolgen. "Dann meint man, man wär Superman", witzeln die fünf Studenten.

Eine weitere Gruppe hat die Idee von Amazon aufgegriffen. Amazon plant Warendepots in 14 Kilometern Höhe zu errichten, von wo aus die Pakete mit Drohnen zum Kunden gebracht werden. Aber irgendwie müssen die Pakete nach dort oben gelangen und das Transportmittel wieder sicher auf den Boden. Entwickelt wurde die Idee, dass sich im Inneren einer Rakete eine Cargoeinheit befindet, die beim Andocken entladen wird. Anschließend, wenn die Rakete sich im freien Fall befindet, klappen drei Rotorblätter aus und sie kann gezielt wie ein Hubschrauber gelandet werden. Dieser Prototyp absolvierte an diesem Nachmittag gleich zwei Flüge, jeweils in eine Höhe von 300 Metern.

"Ist schon brutal, wie viel Arbeit und Herzblut da drin stecken für die paar Sekunden Flug. Aber es lohnt sich", resümiert ein Student zum Ende des Nachmittags.
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