Das Diedorfer Trinkwasser wird ab Mittwoch, 5. September, auf unbestimmte Zeit gechlort

Nun wird ab Montag, 5. September, das Diedorfer Trinkwasser auf unbestimmte Zeit gechlort. Foto: Stefan Gruber


Seit Anfang August müssen die Bürger der Marktgemeinde Diedorf im Landkreis Augsburg zum Schutz ihrer Gesundheit ihr Trinkwasser abkochen, nachdem bei einer Routineuntersuchung eine mikrobiologische Verunreinigung durch coliforme Keime festgestellt wurde. Nach intensiver Forschung eines interdisziplinären Teams (Vertreter der Marktgemeinde, Wasserwerk Diedorf, Stadtwerke Augsburg, zwei Ingenieurbüros und Gesundheitsamt) wurde nun ein baulicher Mangel an einem Hochbehälter als Ursache identifiziert.

Sicherheitschlorung angeordnet

"Nun, da die Ursache gefunden wurde, kann mit den notwendigen Bau- und Sanierungsarbeiten begonnen werden", so Monika Kolbe, Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamtes im Landratsamt Augsburg. "Dies macht eine Sicherheitschlorung notwendig, damit der Schutz der Gesundheit der Bürger auch während der Baumaßnahmen gewährleistet werden kann", erklärt Kolbe das weitere Vorgehen.

Gemeinsam mit dem Krisenstab der Marktgemeinde Diedorf arbeitet das Gesundheitsamt des Landratsamtes nun mit Hochdruck daran, die technischen Voraussetzungen für eine Chlorung zu schaffen. Am Mittwoch, 5. September, soll mit der Chlorungsmaßnahme begonnen werden. Die betroffenen Gemeindemitglieder werden darüber über die lokalen Medien, die Internetseiten der Marktgemeinde Diedorf und des Landkreises sowie mit gesonderten Handzetteln, die ab Montag, 3. September, an alle Haushalte verteilt werden, informiert.

Erst, wenn im gesamten Versorgungsbereich der Marktgemeinde Diedorf über mehrere Tage eine wirksame Chlorkonzentration vorhanden sei, werde das Gesundheitsamt die Abkochanordnung aufheben.

Die Desinfektion des Trinkwassers durch Chlor ist ein in Deutschland vom Umweltbundesamt geprüftes und zugelassenes Verfahren. Bei den in Deutschland zugelassenen Chlorkonzentrationen bestehe laut Gesundheitsamt keine Gesundheitsgefährdung. In einer geringen Dosierung, wie sie am Ausgang der Wasserwerke oder im Rohrnetz vorliege, sei Chlor für die Gesundheit vollkommen unbedenklich.

Schnelle Mängelbeseitigung

"Selbstverständlich setzen wir alles daran, die aufgezeigten Mängel so schnell als möglich zu beseitigen", betont Diedorfs Bürgermeister Peter Högg. "Unter dem Schirm des Abkochgebotes wurde uns eine intensive Ursachenforschung ermöglicht. Mit sehr großem personellen Aufwand haben in dieser Zeit die Mitarbeiter der Marktgemeinde - hier schließe ich ausdrücklich die Gemeindewerke und den Bauhof mit ein - gemeinsam mit den Mitarbeitern des Staatlichen Gesundheitsamtes im Landratsamtes Augsburg, den Mitarbeitern der Stadtwerke Augsburg und zweier Ingenieurbüros sehr gut zusammengearbeitet. Jetzt geht es daran, mit dem Schutz der Chlorung die aufgezeigten Mängel schnell zu beseitigen, um möglichst bald allen wieder hygienisch einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können. Dabei sind wir auf die Unterstützung und das Verständnis aller Systemnutzer angewiesen", so der Bürgermeister.

Zur voraussichtlichen Dauer der Chlorungsmaßnahme könne laut Gesundheitsamt derzeit keine verlässliche Angabe erfolgen. "Natürlich sind sowohl die Marktgemeinde als auch wir als Gesundheitsamt sehr bemüht, die Dauer der Sicherheitschlorung so kurz als möglich zu halten. Eine genaue Einschätzung ist erst möglich, nachdem uns die Gefährdungsanalyse der Marktgemeinde Diedorf vorliegt", betont Monika Kolbe. Sie sei zuversichtlich, dass die Trinkwasserproblematik in Diedorf zeitnah gelöst werden könne, da die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Högg und der Gemeindeverwaltung ausgesprochen kooperativ und vertrauensvoll sei und an der Erstellung der Gefährdungsanalyse bereits mit Hochdruck gearbeitet werde, so Kolbe weiter.

Informationen zum weiteren Verlauf wird die Marktgemeinde Diedorf allen Bürgern aktuell auf ihrer Homepage www.markt-diedorf.de zur Verfügung stellen. Das Bürgertelefon zum Thema Trinkwasser ist unter Telefon 08238/30 03-49 zu erreichen. (pm)

Trinkwasser: Was muss ich tun?
Das Gesundheitsamt gibt folgende Informationen zum aktuellen Trinkwassergebrauch in Diedorf.
1. Das Gesundheitsamt hat im Trinkwasser Diedorfs coliforme Keime festgestellt.
2. Wie konnten die Keime in das Trinkwasser geraten?
Nach intensiver Ursachenforschung durch ein interdisziplinäres Team aus Mitarbeitern des Staatlichen Gesundheitsamtes, der Marktgemeinde Diedorf, des Wasserwerks Diedorf, der Stadtwerke Augsburg sowie zweier Ingenieurbüros wurden bauliche Mängel an einem Hochbehälter festgestellt.
3. Welche Auswirkungen kann die Keimbelastung des Trinkwassers haben, wenn man es derzeit pur aus der Leitung benutzt?
Bei Genuss des Wassers kann es zu Durchfallerkrankungen kommen. Dies trifft vor allem auf Personen mit geschwächtem Immunsystem und Babys/Kinder zu.
4. Kann man sich mit dem ungechlorten und nicht abgekochten Wasser noch waschen?
Man kann das Wasser zum Waschen verwenden, es sollte aber nicht in offene Wunden gelangen (gegebenenfalls mit wasserdichtem Pflaster abkleben). Für Haare und Gesicht sollte man das Wasser möglichst nicht verwenden, da die Keime durch Körperöffnungen eindringen könnten. Zähne sollten nur mit abgekochtem Wasser oder Mineralwasser geputzt werden. Für die Handhygiene reicht es aus, Leitungswasser und Seife zu verwenden.
5. Wie lange muss noch abgekocht werden?
Die Abkochanordnung muss bis zum Nachweis einer wirksamen Chlorkonzentration im gesamten Versorgungsbereich aller Ortsteile von Diedorf aufrechterhalten werden. Sobald eine konstante Chlorkonzentration im gesamten Netz nachgewiesen werden kann, kann die Abkochanordnung durch das Gesundheitsamt aufgehoben werden. Über die Aufhebung der Abkochanordnung wird von der Gemeinde zeitnah und gesondert informiert.
6. Muss ich noch abkochen, wenn gechlort wird?
Da es im Zuge der Chlorung zur Ablösung des Biofilms und damit zu weiteren Aufkeimungen kommen kann, muss die Abkochanordnung bis zum Nachweis einer wirksamen Chlorkonzentration aufrechterhalten werden. Im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes ist dringend angeraten, das Trinkwasser bis zur Aufhebung der Abkochanordnung nur noch im abgekochten Zustand zu verwenden.
7. Ab wann wird gechlort?
Voraussichtlich ab Mittwoch, 5. September, soll mit der Sicherheitschlorung begonnen werden. Bis dahin arbeiten Gesundheitsamt und Marktgemeinde Diedorf mit Hochdruck daran, die technischen Voraussetzungen für eine zeitnahe Chlorung zu schaffen.
8. Wie lange dauert die Sicherheitschlorung?
Die Chlorungsmaßnahme muss aufrechterhalten werden, bis die Mängel soweit beseitig wurden, dass nachweislich keine Verunreinigungen mehr ins Trinkwasser gelangen können. Ein genauer Zeitpunkt kann deshalb aktuell nicht benannt werden.
9. Ist gechlortes Wasser gesundheitsschädlich?
Die Desinfektion des Trinkwassers durch Chlor sei ein in Deutschland vom Umweltbundesamt geprüftes und zugelassenes Verfahren. Bei den in Deutschland zugelassenen Chlorkonzentrationen bestehe laut Gesundheitsamt keine Gesundheitsgefährdung. In einer geringen Dosierung, wie sie am Ausgang der Wasserwerke oder im Rohrnetz erfolgt, sei Chlor für die Gesundheit vollkommen unbedenklich (Ausnahme: in seltensten Fällen eine Chlorallergie). In seiner Eigenschaft als Desinfektionsmittel verhindere Chlor eine potentielle Verkeimung des Trinkwassers mit Krankheitserregern.
10. Welche Maßnahmen werden nun ergriffen?
Das Leitungswasser muss von allen betroffenen Haushalten abgekocht werden. Abkochen heißt: Einmal sprudelnd aufkochen und dann langsam (über zehn Minuten) abkühlen lassen (Abkochgebot).
Von Seiten des Wasserwerks werde das Wasser chloriert. Wenn das Wasser im gesamten betroffenen Netz den vorgesehenen Chlor-Gehalt aufweise, könne das Abkochgebot aufgehoben werden.
Bei der Chlorierung sollen alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden, das Wasser könne dann als Trinkwasser verwendet werden (Ausnahme: Aquarien und Terrarien).
Für die Chlorierung werden im betroffenen Versorgungsgebiet mehrere Messstellen eingerichtet und kontinuierlich beprobt, um den richtigen Chlorgehalt einzustellen und zu gewährleisten.
Alle Maßnahmen sollen vom Gesundheitsamt permanent begleitet sein.
11. Was müssen die Bewohner Diedorfs konkret tun?
Um den Chlorierungsprozess effektiv zu betreiben, sei es hilfreich und notwendig, dass in den Häusern Wasser abgenommen (die Wasserhähne aufdrehen oder Waschmaschinen/Geschirrspüler benutzen), damit auch die Leitungen im Haus gespült/gechlort werden. Das Leitungswasser muss bis auf Widerruf abgekocht werden.
12. Gibt es dabei etwas Besonderes zu beachten?
Aquarien oder ähnliche Anlagen sollten nicht mit gechlortem Wasser betrieben werden, da dies für die Tiere nicht verträglich sein könnte. Nähere Details können bei niedergelassenen Tierärzten erfragt werden.
Für weitere Fragen stehen Ihnen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes gern zur Verfügung unter Telefon 0821/31 02-21 16 und im Internet unter www.landkreis-augsburg.de/soziales-gesundheit/gesundheitsthemen/hygiene und beim Bürgertelefon der Marktgemeinde Diedorf unter 08238/30 04-49und im Internet unter www.markt-diedorf.de.
Die oben genannten Hinweise gelten laut Gesundheitsamt bis zur Aufhebung der Abkochanordnung. Sobald eine dauerhafte, wirksame Chlorkonzentration nachweislich vorhanden ist, werden alle gesetzlichen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten. Das Trinkwasser kann dann uneingeschränkt verwendet werden (Ausnahme: Betrieb von Aquarien oder Ähnlichem). (pm)
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