Dinkelscherbener Seniorenheim soll geschlossen werden

Die zeitgemäße Renovierung dieses Seniorenheimes in Dinkelscherben übersteigt die Möglichkeiten des Betreibers, die CAB Caritas Augsburg Betreibergesellschaft. Sie schließt das Heim zum 30. Juni 2019. (Foto: Markus Höck)
 
In Seniorenheimen können ältere Menschen gut aufgehoben sein. Der wirtschaftliche Aspekt bestimmt allerdings die Pflege. (Foto: Symbolbild Bela Hoche 123rf.com)
Wirtschaftliche Gründe sollen den Betreiber des Dinkelscherbener Seniorenheims bewogen haben das Haus zu schließen. Die bayerischen Auflagen zum Betreiben eines solchen Hauses könnten vom Betreiber, der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH (CAB), nicht mehr erfüllt werden.

„Der Markt Dinkelscherben ist entsetzt über die Pressemitteilung zur geplanten Schließung des Seniorenheims in Dinkelscherben“, so meldet es Erster Bürgermeister Edgar Kalb in einer Pressemeldung. Eine Jahrhunderte alte, soziale Einrichtung, die von der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH (CAB) betrieben wird, werde aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen eliminiert. Die Bewohner der Einrichtung, deren Angehörige, die Belegschaft und der Markt Dinkelscherben werden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Es habe keinerlei Einbeziehung des Marktes in den Entscheidungsprozess, keinerlei Gespräche über Alternativen, keinerlei Information im Vorfeld der Entscheidung gegeben, so Kalb. Gleichzeitig gebe es für das denkmalgeschützte, ortsbildprägende Gebäude und für die umfangreichen Flächen in dessen Umfeld derzeit keinerlei Nutzungskonzept für die Zukunft.

Kalb bedauere die Entscheidung des Verwaltungsausschusses zutiefst und fühle mit den betroffenen Bewohnern, der Belegschaft und allen anderen direkt und indirekt betroffenen Menschen. Bürgermeister Kalb bittet den Verwaltungsausschuss, die Vorgehensweise zu ändern, das Seniorenheim auf den aktuellen Stand zu bringen und die Einrichtung auch in Zukunft weiter zu führen.


Seniorenheim wird bis 30 Juni 2019 geschlossen

Laut Betreiber soll das Seniorenheim Dinkelscherben zum 30. Juni 2019 geschlossen werden. Dieser Beschluss wurde vor wenigen Tagen im Verwaltungsausschuss, Stiftungsorgan der Hospitalstiftung Dinkelscherben, gefasst, so ist auf der Internetseite der Hospitalstiftung zu lesen.

Die gesetzlichen Vorgaben für Einrichtungen der stationären Altenhilfe in Bayern wurden, laut Betreiber, durch den Erlass der Ausführungsverordnung des Pflegewohn- und -qualitätsgesetzes (AVPfleWoqG) durch die bayerische Regierung so gravierend reformiert, dass Einrichtungen wie das Seniorenheim Dinkelscherben dadurch vor unüberwindbare Herausforderungen gestellt würden.

Das Gebäude mit 84 Wohn- und Pflegeplätzen für Senioren in Dinkelscherben sei aufgrund der Gebäudestruktur nach aktuellem Stand sehr weit entfernt von der Erfüllung des bayerischen Gesetzes. Um die geforderten Mindestgrößen von Bewohnerzimmern, der dazu gehörenden Bäder, den Aufenthaltsräumen, Fenstergrößen und vieles mehr zu erfüllen, sei eine Investition im hohen einstelligen Millionenbereich erforderlich. Der Denkmalschutz des historischen Gebäudes leiste hierzu einen Beitrag, der die Situation nicht einfacher gestalte. Die erforderliche Sanierung und Modernisierung des Hauses stelle für die Hospitalstiftung somit keine Option dar, schreibt die Hospitalstiftung.

Standards für Seniorenheime

„Dass Standards für ältere und pflegebedürftige Menschen erforderlich sind, ist für die Verantwortlichen der Stifung einerseits nachvollziehbar, anderseits ist es schwer, den für uns schmerzlichen Beschluss zu fassen, diesen Traditionsstandort, der hunderte von Jahren Geschichte schreibt, einzustellen“, so der Stiftungsvorstand Dr. Ulrich Hörwick. „Die andere Seite der Medaille ist allerdings auch, dass wir spüren, dass die Attraktivität des Standorts zunehmend sinkt und in diesem Zusammenhang auch die Nachfrage. Dies werten wir auch als Signal der Bürger, die im Markt Dinkelscherben und Umgebung leben, dass sie die Einrichtung nicht mehr als adäquat für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse einordnen“.

Der Betreiber erklärt auf seiner Internetseite, dass das Seniorenheim Dinkelscherben wie auch das Seniorenzentrum St. Albert in Zusmarshausen seit mehreren Jahren durch die CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH (CAB) in Form einer Geschäftsbesorgung geführt werden. Die CAB betreibe zahlreiche stationäre Altenhilfeeinrichtungen in der Diözese Augsburg.

Umzug in andere Seniorenheime

Die Geschäftsführerin Brigitta Hofmann kommt ebenfalls zu Wort und versichere den Bewohnern und deren Angehörigen zu, dass – falls gewünscht – alle Bewohner des Seniorenheims Dinkelscherben dabei unterstützt werden, einen Platz im Seniorenzentrum St. Albert in Zusmarshausen oder in den umliegenden Einrichtungen der CAB zu finden. „Dass wir den Menschen einen Umzug im hohen Alter gerne erspart hätten, ist selbstredend“ so Hofmann. „Wir bedauern dies zutiefst“.

Arbeit in anderen Seniorenheimen

Brigitta Hofmann sichert darüber hinaus allen Mitarbeitern einen vergleichbaren Arbeitsplatz im Seniorenzentrum St. Albert in Zusmarshausen und darüber hinaus im Verbund der CAB-Einrichtungen zu.

Aufgrund der immer komplexer werdenden Strukturen und zu beachtenden Vorgaben für Pflegeeinrichtungen ist es dem Verwaltungsausschuss nicht mehr möglich, die Verantwortung des Seniorenzentrums in Zusmarshausen weiterhin ehrenamtlich zu übernehmen. Somit hat die CAB Bereitschaft signalisiert, das Seniorenzentrum St. Albert in den Verbund der CAB-Einrichtungen zu übernehmen. Der Übergang wird auf den üblichen gesetzlichen Grundlagen stattfinden und spätestens zum 1. Juli 2019 erfolgen.
Entgegen der Information, die Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb vorliege, gebe es bereits erste Überlegungen und Gespräche hinsichtlich der künftigen Nutzung des Gebäudes, so der Betreiber. Grundlage und Ziel sei, den Stiftungszweck im Blick zu behalten und somit im Sinne der Stiftung zu handeln. „Die Stiftung wird ihrer sozialen Verantwortung auch in Zukunft vollumfassend gerecht werden, das können wir bereits heute zusichern“ so Stiftungsvorstand Dr. Hörwick in der Hauseigenen Veröffentlichung. (leo/pm)
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