Bizarre Auflösung im Friedhofsfall: Friedberger Polizei hat nun ermittelt, wer hinter den Grabschändungen steckt

Im Fall der Sachbeschädigungen an 64 Gräbern auf dem Friedhof in Friedberg hat sich nun eine überraschende Wendung ergeben. (Foto: Polizei Friedberg)
 
(Foto: Kristin Deibl)

Vandalismus auf dem Friedhof an der Herrgottsruhkirche sorgte nun für große Empörung unter den Friedbergern. Auf mindestens 64 Gräbern fanden sich umgeworfener Grabschmuck, zerbrochene Glasscheiben an Grablichtfassungen und kaputte oder gänzlich fehlende Kerzen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und ist zu einem kuriosen Ergebnis gekommen.



Eigentlich sind Friedhöfe Orte der Ruhe und des Friedens. Die Menschen kommen, um Verwandte und Freunde zu betrauern und stecken oftmals viel Arbeit in die Pflege der Grabstätten. Entsprechend groß ist die Entrüstung, wenn jemand diese Ruhe stört. So geschehen nun in Friedberg. Bereits am vergangenen Sonntag hat ein Bürger eine Sachbeschädigung an einem Grab auf dem Friedhof an der Wiffertshauser Straße bei der Polizei angezeigt. Seine Schwiegermutter habe am Samstagnachmittag die Grabpflege verrichtet. Als die Rentnerin am Sonntag wieder zu dem Grab ging, bemerkte sie, dass die Glaseinfassungen des Grablichtes herausgeschlagen worden waren. Auch bei umliegenden Gräbern seien Grabgegenstände beschädigt worden. Die Polizei bat Geschädigte, sich zu melden. In den darauffolgenden Tagen erstatteten 14 weitere Bürger Anzeige.
Die Polizei machte sich schließlich selbst ein Bild von der Situation. „Bei einer Begehung stellten wir fest, dass an insgesamt 64 Grabstellen die Gläser der Grablichter zersplittert daneben lagen, die Kerzen entweder schief im Behältnis standen oder gleich ganz heraus gezogen waren. Bei einigen fehlte das Wachs, war flüssig auf der Erde verschüttet worden oder die Kerzen waren völlig verschwunden. In sieben Fällen waren die Grablichter auf leichten Sockeln montiert und umgeworfen worden, bevor eine oder mehrere Scheiben eingeschlagen wurden“, zieht die Polizei Bilanz über den entstandenen Schaden.
Unterdessen fragten sich viele Friedberger, wer für die Zerstörung auf den Gräbern verantwortlich ist. „Der Friedhof ist ja öffentlich zugänglich. Man kann hier einfach mit dem Fuß alles zertreten, wenn man schlecht drauf ist“, sagte etwa Ernst Eberle. Ein Bekannter habe ihm erzählt, dass er bei der Grabpflege Schäden bemerkt habe. „Daraufhin wollte ich auch mal nach dem Rechten schauen. Ich habe wohl noch Glück gehabt“, erzählte Eberle. An dem Grab, das er hier besucht und pflegt, fehlt lediglich die Kerze, kaputt ist nichts.
Eine weitere betroffene Friedbergerin hingegen veröffentlichte auf Facebook mehrere Bilder von Grablichtfassungen mit zersplitterten Glasscheiben und fehlenden Kerzen. „Wer macht denn sowas? Hat keiner irgendwas gesehen? Sowas bei unserem Friedhof in Herrgottsruh...bin echt sprachlos....“, schrieb sie. Unter ihrem Beitrag kamen schnell viele weitere empörte Kommentare zusammen. „Respektlosigkeit kennt offenbar keine Grenzen“, heißt es da etwa. „Pietätlos, einfach nur traurig“, schrieb ein anderer Friedberger. Auch Bürgermeister Roland Eichmann meldete sich zu Wort: „Es ist sehr beschämend, es sind anscheinend an die 70 Gräber attackiert worden. Ich hoffe, die Polizei erwischt die Täter!“
Und die Polizei hat die Täter erwischt, wenn es auch andere waren, als wohl viele erwartet hatten: „Am Mittwoch ergab sich eine für uns völlig überraschende Wende“, berichten die Beamten nun. Ein Anwohner habe sich gemeldet und die Vermutung geäußert, dass Krähen die Verursacher der Schäden sein könnten. Der Anwohner habe bemerkt, dass der Deckel seines Grablichtes offen stand und die Kerze daneben lag. Er habe deshalb den Deckel mit einem Stöckchen fixiert. Am nächsten Tag war eine Scheibe zersplittert und die Kerze beschädigt.
Die Polizei habe daraufhin einen ornithologischen Verein zu Rate gezogen und erfahren, dass dies tatsächlich eine Verhaltensweise von Rabenvögeln sein könnte. „Sie sind durchaus in der Lage, mit ihren Schnäbeln die dünnen Glasscheiben zu zerhacken, um an das Paraffin der Kerzen zu gelangen. Deshalb blieben die LED-Kerzen unangetastet. Das Wachs verwenden sie für ihr Gefieder als Schutz vor Kälte und Nässe“, so die Polizei.
Dafür spreche weiter, dass die beschädigten Grablichter nahe an Baumreihen liegen. So konnten die scheuen Krähen bei einer Störung schnell Schutz suchen. Die Rabenvögel seien ziemlich stark und könnten durchaus Grablichter umwerfen. Zudem seien sie schlau, Erfahrungen werden in einer Krähenkolonie von einem Vogel zum anderen weitergegeben.
Recherchen im Internet hätten zudem in anderen Ortschaften ein ähnliches Verhalten der Krähen ergeben, erklärt die Polizei weiter. Manchmal würden sogar Blumen und Blumenstöcke herausgerissen, so dass der Eindruck entstehe, jemand hätte auf den Gräbern gewütet. Leider habe sich bis jetzt niemand gemeldet, der die Rabenvögel auf frischer Tat beobachtet hat. Möglich sei auch, dass sich die Vorfälle aufgrund der wärmer werdenden Temperaturen nicht mehr wiederholen, vermuten die Beamten.
„Erleichtert können wir resümieren, dass offensichtlich keine Vandalen den Friedhof aufgesucht haben“, heißt es von der Polizei abschließend.
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