Elfjährige von Onkel missbraucht: Ein Jahr Haft ohne Bewährung

Für ein Jahr muss ein 37-Jähriger in Haft, weil er seine Nichte missbraucht hat. (Foto: Sebnem Ragiboglu / 123rf.com)

Er soll ihr die Schlafanzughose geöffnet haben, während sie schlief, während er selbst nackt war und einen Pornofilm ansah. Wegen sexuellen Missbrauchs an seiner elfjährigen Nichte wurde deswegen gestern in Aichach ein 37-Jähriger zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Außerdem war er im Besitz von Bildern mit Kinder- und Jugendpornografie. Dabei war lange Zeit unklar, ob die Verhandlung vor dem Jugendschutzgericht in Aichach unter Vorsitz von Richterin Eva-Maria Grosse überhaupt stattfinden würde.

Das Ganze fand vor etwa zwei Jahren statt, als das Mädchen bei dem Bruder ihres Vaters übernachtete. Nachdem sie den Abend mit spielen und fernsehen verbracht hatten, schlief die damals Elfjährige im Bett ein. Sie wachte auf, als der Mann die Schleife ihrer Schlafanzughose öffnete. Er sei nackt gewesen und im Fernsehen sei ein Pornofilm gelaufen, gab das Mädchen gestern noch einmal vor Gericht an. Eine Aussage blieb ihr nicht erspart, weil ihr Onkel keine Angaben machen wollte.

Sie habe sich weggedreht, er sofort aufgehört, sich angezogen und den Film ausgemacht, also ein „niederschwelliger“ Fall des Missbrauchs. Das Mädchen musste dennoch die Nacht bei ihm bleiben, weil sie ihr Vater, der auf einer Party war und den sie gleich anrief, und auch sonst niemand abholen konnte.

Erst ungefähr ein Jahr später, nachdem sie mit Freundinnen und einer Lehrerin darüber gesprochen hatte, erzählte sie ihrer Mutter und ihrem Stiefvater von dem Vorfall. Denen war aufgefallen, dass das Mädchen sich zurückzog, in der Schule schlechter geworden war und nachts einnässte. Sie gingen zur Polizei, die nahm Ermittlungen auf und fand bei dem ehemaligen Soldaten, der wieder zur Bundeswehr will, auf Tablet und Smartphone auch Bilder mit Kinder- und Jugendpornografie sowie Chats eindeutigen Inhalts mit Personen, die sich als minderjährig ausgaben.

Bevor die Verhandlung gestern richtig begonnen hatte, wurde sie auch schon wieder für eine Stunde unterbrochen. Verteidiger Sascha Petzold hatte beantragt, das Verfahren einzustellen, weil das Gericht in Aichach nicht zuständig sei. Der Hintergrund: Die Meldeadresse des Angeklagten ist im Landkreis Aichach-Friedberg, seine Wohnadresse in München. Die Anklage war davon ausgegangen, dass der Missbrauch in der Landkreisgemeinde stattgefunden hatte, tatsächlich war das in München. Damit wäre das Aichacher Gericht nicht zuständig.

Allerdings war der Mann in der Wohnung seiner Freundin in Aichach verhaftet worden und hatte da das Smartphone mit den einschlägigen Bildern dabei. Sowohl Richterin Grosse wie auch Nebenklagevertreter Werner Ruisinger und Staatsanwältin Melanie Ostermeier sahen die Zuständigkeit damit geklärt.

Es war freilich nicht der einzige Antrag, den Petzold während der fast vierstündigen Verhandlung stellte und den Grosse ablehnte: Er wollte eine sofortige schriftliche Ausfertigung der Ablehnung seines Antrags, forderte ein Glaubwürdigkeitsgutachten des heute fast vierzehnjährigen Opfers, wollte ein ärztliches Attest über die Auswirkungen nicht als Beweis zugelassen haben und wehrte sich gegen die Vernehmung der Polizeibeamten, weil sie sich mit den Akten auf ihre Aussage vorbereitet hätten – wie er in einer Verhandlungspause gesehen habe.

Petzold forderte denn auch in allen Punkten einen Freispruch: Man könne zum Beispiel nicht davon ausgehen, dass das Öffnen der Hosenschleife zu einem Missbrauch geführt hätte, das bloße Zeigen eines Pornos sei nicht strafbar, und es sei unklar, ob der Angeklagte wusste, dass die Bilder auf seinen Geräten waren. Schließlich könnte sich auch das Mädchen falsch erinnern und es stehe Aussage gegen Aussage. Noch während seines Plädoyers kündigte er im Fall einer Verurteilung Berufung an. Zu der wird es nun kommen, den sowohl Richterin wie Staatsanwältin waren überzeugt, dass sich alles so zugetragen habe – und fanden keinen Grund, der für eine Bewährungsstrafe sprach.
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